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Vermögensverwaltung : Das Allwetter-Depot

Das Yale-Modell macht Schule Bild: AFP

Die niedrigen Zinsen sind für viele Sparer Anlass, sich nach Alternativen umzuschauen. Es hat aber wenig Sinn, wahllos andere Anlageformen einzukaufen. Notwendig ist eine langfristige Anlagestrategie.

          Für Anleger, die sich weit von Zinsanlagen entfernen wollen und die sich durch eine breite Streuung ordentliche Anlagechancen mit vertretbarem Risiko wünschen, haben vor ein paar Jahren die amerikanischen Vermögensverwalter Mebane Faber und Eric Richardson ein Musterdepot entwickelt. Es orientiert sich an der Anlagepolitik amerikanischer Stiftungsfonds - wie etwa dem Fonds der Universität Yale. Es lässt sich aber auch auf Deutschland übertragen. Es schützt zwar nicht vor schweren Markteinbrüchen, besitzt aber einige Reize.

          Die Fünftel-Viertel-Teilung

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Das Prinzip lautet: Das Vermögen sollte in fünf gleich große Portionen aufgeteilt und wie folgt investiert werden: 20 Prozent gehen in heimische Aktien, 20 Prozent in ausländische Aktien, 20 Prozent in Anleihen, 20 Prozent in Immobilien und 20 Prozent in Rohstoffe. Dieses Depot stellte mit einem Anteil von nur einem Fünftel an Zinspapieren für viele deutsche Anleger eine wesentliche Veränderung dar und exponiert sie mit einem Aktienanteil von 40 Prozent und Rohstoffanteil von 20 Prozent auch kurzfristig schwankenden Marktpreisen.

          Den Höchstwert erreichte das Stiftungsvermögen mit 22,9 Milliarden Dollar im Jahr 2008
          Den Höchstwert erreichte das Stiftungsvermögen mit 22,9 Milliarden Dollar im Jahr 2008 : Bild: F.A.Z.

          Aber wer in diesen Zeiten Rendite sucht, muss den Anteil von Zinsanlagen nun einmal deutlich reduzieren. Wer Anlagen in Rohstoffe nicht schätzt, kann sie auch weglassen und seine Mittel zu je 25 Prozent auf die anderen vier Anlageklassen verteilen. Über die Prozentanteile kann man je nach persönlicher Risikoneigung reden - sie sind kein Gesetz.

          Indexfonds und Beharrlichkeit

          Wichtig sind die Prinzipien, die Faber und Richardson für den Umgang mit diesem Depot festhalten. Erstens soll der Anleger die Verwaltungskosten so niedrig wie möglich halten und dort, wo es geht, billige Indexfonds kaufen. Für Aktien im In- und Ausland sowie für Anleihen ist dies kein Problem. Viele Anleger werden feststellen, dass ihnen ihre Vermögensberater zu solchen Indexfonds nicht raten dürften, sondern oft aktiv gemanagte Fonds aus dem eigenen Haus anbieten werden. Solche Fonds bringen der Bank oder Sparkasse höhere Gebühren ein; sehr oft erzielen diese aktiv gemanagten Fonds aber keine höhere Rendite als die billigen Indexfonds.

          Das zweite Prinzip im Umgang mit diesem Depot lautet: In der Ruhe liegt die Kraft. Anleger unterliegen wie alle Menschen Stimmungsschwankungen und tendieren häufig dazu, Umschichtungen in ihrem Depot vorzunehmen, wenn die Kurse einmal in die falsche Richtung laufen. Anlageberater, deren Häuser auch von Börsenumsätzen leben, dürften sie dazu ermuntern. Trotzdem ist dies falsch; vorübergehende Baissen muss man aushalten. Auch Warren Buffett hat einzelne schlechte Jahre erlebt, und trotzdem ist er bei langfristiger Perspektive einer der erfolgreichsten Anleger aller Zeiten.

          Folge dem Trend

          Anleger, die dennoch Furcht haben, mit einer zu passiven Strategie eventuell lange einer Baisse ausgesetzt zu sein, können ein paar simple aktive Strategien erwägen. Faber und Richardson erwähnen simple Trendfolgemodelle. Eine Idee wäre, den aktuellen Kurs von Aktien oder Fonds mit dem Durchschnittskurs der vergangenen 200 Handelstage zu vergleichen und daraus Kauf- und Verkaufszeitpunkte für Aktienfonds abzuleiten. In der Charttechnik nennt man dieses Konzept die 200-Tage-Linie. Eine andere Idee wäre, einen Bestand an Aktien oder Aktienfonds mit Optionen gegen Kursverluste abzusichern. Diese Optionen kosten zwar Geld, lassen aber vielleicht den Anleger ruhiger schlafen.

          Der letzte Ratschlag, den Faber und Richardson geben, geht über die reine Vermögensverwaltung hinaus, aber er ist dennoch mindestens ebenso wichtig: Man soll sein Leben genießen. Sie zitieren den englischen Bergsteiger George Mallory, der am Mount Everest sein Leben verlor (1886 bis 1924): „Freude ist am Ende das Ziel des Lebens. Wir leben nicht, um zu essen oder Geld zu machen. Wir essen und machen Geld, um zu leben.“

          Quelle: F.A.Z.

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