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Zertifikate und ETFs

Vermögensverwaltung Ab in die Nische

Der Markt für Beteiligungskapital (Private Equity) erholt sich nach der Delle der Jahre 2008 und 2009 wieder. Die Anlagekategorie profitiert von dem aktuell durch sehr niedrige Zinsen geprägten Umfeld.

© dpa Vergrößern In Deutschland kam kürzlich die Immobiliengesellschaft LEG aus dem Besitz von Private Equity an die Börse.

Beteiligungskapital (Private Equity) bleibt aus der Sicht vieler Vermögensverwalter ein sogenanntes alternatives Investment und ein Nischenprodukt. Aber der Markt erholt sich nach der Delle der Jahre 2008 und 2009, wie der Index des amerikanischen Private Equity Growth Capital Council, einer Interessenvereinigung von Private-Equity-Gesellschaften, zeigt. Der auf der Basis von Quartalsdaten errechnete Index ist nicht ganz leicht zu lesen, weil er drei Komponenten beinhaltet: die Finanzierungszusagen für Beteiligungskapital, die Investitionen der Gesellschaften und die Auszahlungen an Kapitalanleger, die Private Equity Kapital zur Verfügung gestellt hatten. Insgesamt lässt sich der Index als eine Art Aktivitätsbarometer der amerikanischen Private-Equity-Branche lesen. Wie sich zeigt, erreichte er Ende 2012 seinen höchsten Stand seit dem Jahresende 2007.

Beteiligungskapital ist aber nur eine Anlagekategorie, die von dem aktuell durch sehr niedrige Zinsen geprägten Umfeld profitiert. Eine Untersuchung der amerikanischen Beratungsgesellschaft Towers Watson zeigt, dass in den beiden vergangenen Jahren amerikanische Großanleger ihre sogenannten alternativen Anlagen deutlich ausgebaut haben. Profitiert haben nicht nur die Private-Equity-Gesellschaften, sondern auch Hedgefonds und Anbieter von Anlagen in Infrastruktur und Immobilien. Interessant ist die Zunahme direkter Anlagen in Anbieter von Projekten - der teure Umweg über Dachfonds wird seltener gewählt. Auch unter deutschen Großanlegern wie zum Beispiel Versorgungswerken wird Beteiligungskapital populärer, allerdings dürfen viele heimische Anleger in diese Anlageklasse gar nicht investieren. Wieder andere institutionelle Anleger, darunter nicht zuletzt Stiftungen, sind für Anlagen in Beteiligungskapital zu klein.

Beteiligungsbranche verfügt über genügend Reserven

Ein bei größeren Investoren zunehmendes Interesse für Beteiligungskapital wird auf andere Märkte ausstrahlen. So besitzen Private-Equity-Gesellschaften Beteiligungen an Unternehmen aus früheren Jahren, die sie schon lange abgeben wollten. Allerdings fanden sie in der jüngeren Vergangenheit selten Abnehmer zu interessanten Preisen. In Deutschland kam kürzlich die Immobiliengesellschaft LEG aus dem Besitz von Private Equity an die Börse. Umgekehrt besaßen Beteiligungsunternehmen Ende 2012 ein „trockenes Pulver“ in Höhe von 361 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich nur um verfügbares Eigenkapital ohne Berücksichtigung von Kreditlinien. Die Beteiligungsbranche verfügt somit über genügend Reserven, um auch spektakuläre Übernahmen zu finanzieren.

Infografik / Der amerikanische Private-Equity-Index © F.A.Z. Vergrößern Indexentwicklung seit 2003

Auf Sicht der vergangenen Jahrzehnte gehörte Beteiligungskapital zu den erfolgreichsten Anlageklassen. Es handelt sich um eine unternehmerische Anlage, bei der die Private-Equity-Gesellschaft als häufig alleinige Eigentümerin von Unternehmen unmittelbarere Eigentumsrechte geltend machen kann als ein Aktionär eines börsennotierten Unternehmens. Die gegenüber dem Aktienmarkt höhere Rendite von Private Equity kann auch als Kompensation für die geringere Liquidität einer Anlage in Beteiligungskapital verstanden werden.

Von der Suche nach nicht alltäglichen Anlagen profitieren in den Vereinigten Staaten spezielle Anbieter. Darauf verweist eine Studie des Beratungsunternehmens Cogent Research, die auf der Befragung von 650 institutionellen Investoren beruht. Viele dieser Investoren betrachteten traditionelle große Vermögensverwalter wie J.P. Morgan oder Vanguard vor allem als Spezialisten für amerikanische Aktien, sagte eine Vertreterin von Vanguard gegenüber dem amerikanischen Fachmagazin „aiCIO“.

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Gerade Stiftungen, die in den Vereinigten Staaten von Amerika eine sehr viel bedeutendere Rolle als Anleger im Vergleich zu Deutschland spielen, bevorzugten die Vergabe von Mandaten zur Vermögensverwaltung an Nischenanbieter. Ursache sei eine opportunistische Anlagestrategie, die erwartete hohe Renditen bei alternativen Anlagen mitnehmen wolle. Wer als Vermögensverwalter sehr langfristig planen kann und nicht jedes Vierteljahr einen besorgten Anruf seiner Kapitalgeber aushalten muss, kann die Renditechancen mit weniger liquiden Anlagen am ehesten nutzen.

Quelle: F.A.Z.

 
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