http://www.faz.net/-gv6-8xjpa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 09.05.2017, 09:31 Uhr

Vermögensverwaltung Halten und Beobachten ist auch eine Anlagestrategie

Viele Deutsche verfahren bei Geldanlagen nach dem Prinzip „Buy and Hold“. Das könnte bald negative Konsequenzen haben. Vermögensverwalter wie Legal & General sehen Chancen in Deutschland.

von
© dpa „Buy and Hold“ ist eine beliebte Strategie. Doch was tun, wenn die Anleihen und Schuldscheine fällig werden?

André Kostolany pflegte zu sagen, die beste Aktienanlagestrategie bestehe darin, Papiere zu kaufen, sich zwanzig Jahre lang schlafen zu legen und sich nach dem Aufwachen über die Wertentwicklung zu freuen. Fachleute pflegen diese Strategie mit dem Anglizismus „Buy and Hold“ zu bezeichnen, auf Deutsch „Kaufen und Halten“. Diese Strategie funktionierte über mehrere drei Jahrzehnte auch am Markt für Festverzinsliche, auf dem langfristig ausgerichtete Großanleger Anleihen und Schuldscheine von Unternehmen oder Pfandbriefe mit hohen Kupons kauften und bis zur Fälligkeit liegen ließen.

Gerald Braunberger Folgen:

Dafür bedurfte es keiner besonderen Expertise. „Früher waren festverzinsliche Wertpapiere eine ebenso sichere wie attraktive Kapitalanlage“, erinnert sich Volker Kurr. Zwar sind die Kupons mittlerweile sehr viel niedriger, aber die erprobten Verhaltensweisen haben sich kaum verändert: „Viele deutsche Versicherungen und Versorgungswerke halten deshalb rund die Hälfte ihrer Festverzinslichen direkt. Diese Bestände werden verwaltet, aber nicht aktiv gemanagt.“

Anleger könnten in Schwierigkeiten geraten

Kurr ist ein erfahrener Mann in der deutschen Vermögensverwalter-Branche, der an führender Position unter anderem für Cominvest, West LB Mellon oder die UBS arbeitete. Vor wenigen Jahren war er Mitgründer der Fondsboutique Mars Asset Management, und heute vertritt er die Interessen der Vermögensverwaltung des britischen Versicherers Legal & General in Deutschland. In Großbritannien ist der Name der traditionsreichen Versicherung wohlbekannt, aber in Deutschland schon weniger, und erst recht wissen wohl nur Kenner um die Bedeutung der Vermögensverwaltung des britischen Hauses. „Legal & General zählt mit einem verwalteten Vermögen von 1047 Milliarden Euro zu den zehn größten Vermögensverwaltern in der Welt“, sagt Kurr in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Nicht nur Kurr ist der Ansicht, dass viele langfristigen Großanleger in den kommenden Jahren in Schwierigkeiten geraten werden, denn „in den Jahren 2018 bis 2021 werden zahlreiche festverzinsliche Wertpapiere mit hohen Kupons fällig. Das ist eine große Herausforderung für Vermögensverwalter.“ Heute reiche es nicht mehr, niedrigverzinsliche Papiere mit AAA- oder AA-Rating zu kaufen und zu halten. Kurr gelangt zu dem Schluss: „Buy and Hold war über Jahrzehnte eine erfolgreiche Strategie. Wir meinen, dass sie künftig durch Buy and Maintain ersetzt werden muss.“

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

Mehr erfahren

Experten müssen Risiko überwachen

Mit „Buy and Maintain“ betritt der nächste Anglizismus die deutsche Finanzwelt; etwas frei könnte man ihn mit „Halten und Beobachten“ übersetzen. „Wir verstehen unter ‚Buy and Maintain‘ eine Strategie, bei der die Papiere bis zur Fälligkeit gehalten werden sollen und die Umschlaghäufigkeit gering bleibt“, erläutert Kurr. „Aber weil auch Papiere mit etwas niedrigeren Ratings gekauft werden müssen, ist es notwendig, das Portfolio permanent durch Experten zu überwachen.“

Im Grunde genommen handelt es sich bei dieser Strategie nicht um Hexenwerk. Sie geht davon aus, dass in Zeiten sehr niedriger Renditen bombensichere Papiere zu wenig Rendite bringen, aber Papiere mit etwas höherem Risiko nicht mehr einfach verwaltet werden können, sondern von Experten überwacht werden müssen. Denn ein solches Portfolio wird viele Unternehmensanleihen enthalten, und wer eine attraktive Mischung anstrebt, wird auf amerikanische Unternehmensanleihen nicht verzichten wollen. Der Markt für amerikanische Unternehmensanleihen ist jedoch nicht nur groß, sondern auch nicht sehr transparent.

Kaum Bereitschaft Gebühren zu zahlen

Die Briten von Legal & General, die auch in Nordamerika vertreten sind, sehen darin für sich ein interessantes Geschäftsmodell, auf dem sie dank ihrer jahrzehntelangen Spezialisierung Expertenwissen beanspruchen, dass sie nun auch nach Deutschland bringen wollen, wo der Anteil der nicht von Experten verwalteten Wertpapierbestände immer noch hoch ist. Einen Reiz dieser Strategie sehen die Briten in der Tatsache, dass zwischenzeitliche Kursschwankungen nicht bilanziert werden müssten.“ Da die Wertpapiere als Daueranlage vorgesehen sind, kann man sie zu Anschaffungspreisen bilanzieren“, sagt Kurr.

Mehr zum Thema

Das Interesse für eine solche Strategie existiere in Deutschland, konstatiert Kurr, aber sie kostete den Kunden, der eine Selbstverwaltung von Wertpapieren durch ein aktives Management durch einen Spezialisten ersetzen wollte, natürlich auch Geld – und dies in einer Zeit, in der die Bereitschaft von Großanlegern, für aktives Management durch Spezialisten ansehnliche Gebühren zu zahlen, nicht mehr sehr hoch ist.

Name Kurs %
Carmignac Patrimoine A € Acc -- --
DWS Top Dividende LD -- --
Deka-ImmobilienEuropa -- --
FvS Sic Multiple Opp R -- --
Ethna-AKTIV A -- --
Zur Homepage