http://www.faz.net/-gv6-8cgmd

Vermögensverwalter Ehrhardt : „Wir werden neue Börsenrekorde sehen“

  • Aktualisiert am

Jens Ehrhardt, 73, ist einer der erfahrensten Vermögensverwalter Deutschlands. Er legt für seine Kunden rund elf Milliarden Euro an. Bild: Jan Roeder

Vermögensverwalter Jens Ehrhardt fürchtet die aktuellen Kursverluste nicht. Chinas Abschwung sei halb so schlimm und Öl schön billig.

          Herr Ehrhardt, die Börsen sind mit hohen Verlusten ins neue Jahr gestartet. Was ist da los?

          Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, aber einen derart turbulenten Jahresanfang habe ich selten zuvor erlebt. Da sind mehrere Dinge zusammengekommen. Die Nervosität unter den Anlegern ist derzeit sehr hoch: Die amerikanische Notenbank Fed hat ja im Dezember damit begonnen, erstmals seit Jahren den Leitzins wieder zu erhöhen. In der Börsengeschichte gingen solche Phasen stets mit Kursverlusten einher. Davor fürchtet sich jeder. Wenn dann in dieser Zeit der Anspannung auch nur eine schlechte Nachricht auftaucht, ist der Börsenabsturz da.

          Die schlechte Nachricht kam in diesem Fall aus China - einem Land, um das sich die Anleger in früheren Zeiten kaum geschert haben.

          In der Tat. Nun neigte die Börse ja schon immer dazu, zu übertreiben: Es kann sein, dass einige Anleger nur auf irgendeinen Grund gewartet haben, um Aktien zu verkaufen - und da kam ihnen China gerade recht. Aber trotzdem hat sich in der Wahrnehmung etwas grundsätzlich verändert: Früher hat man das Land an den Finanzmärkten kaum beachtet, heute kann es die Börsen auf der ganzen Welt zum Absturz bringen. Eine solche Wucht geht ansonsten nur noch von der amerikanischen Wall Street aus.

          Sie investieren seit mehr als einem Jahrzehnt in China und kennen das Land sehr gut. Könnte es eine neue Finanzkrise auslösen?

          Die Gefahr sehe ich derzeit nicht. Sicher, Chinas Regierung hat einen Fehler gemacht. Man hat sich gedacht: Wenn das Wirtschaftswachstum lahmt, soll wenigstens das Finanzwachstum in Schwung kommen - also die Börse. Die Regierung hat den Chinesen deswegen empfohlen, Aktien zu kaufen, und die Leute haben das mit Begeisterung mitgemacht: 90 Prozent der Umsätze an Chinas Festlandbörsen in Schanghai und Shenzhen stammen von Privatanlegern, viele haben einen Großteil ihres Vermögen investiert. Das gibt es so an keiner anderen Börse der Welt - und ist höchstens vergleichbar mit dem Amerika des 19. Jahrhunderts, als jeder Eisenbahn-Aktien haben wollte. Dies bedeutet aber auch: Vom Absturz der chinesischen Börsen sind fast ausschließlich Chinesen betroffen.

          Warum ist dann die ganze Welt in heller Aufregung?

          Weil man sich vor etwas anderem fürchtet: vor der chinesischen Währung. Der Yuan hat in der ersten Januar-Woche auf einen Schlag fünf Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. Dies deutet nicht nur auf ein schwächeres chinesisches Wirtschaftswachstum hin. Zudem werden chinesische Produkte im Ausland billiger, und amerikanische oder europäische Konkurrenten haben einen Nachteil. Das ist der Grund, warum Europas und Amerikas Börsen so hohe Rückgänge hinnehmen mussten.

          Befinden wir uns also inmitten eines Währungskrieges?

          Wenn Chinas Notenbank weitere heftige Abwertungen zugelassen hätte, hätte ich gesagt: Genauso ist es. Aber stattdessen hat sie den Yuan-Wechselkurs am Ende dann doch gestützt. Das ist kein Krieg, aber es ist eine Warnung. Dies haben die Finanzmärkte schnell begriffen. Darum die Kursverluste auf der ganzen Welt.

          Weitere Themen

          Her mit Coca-Cola

          Geldanlage : Her mit Coca-Cola

          Alle Welt trinkt Coca-Cola. Also ist die Aktie eine sichere Geldanlage, denkt sich unsere Autorin. Kaufen darf sie die Aktie aber nicht, schuld ist ein neues Gesetz.

          Dicke Brocken für die Deutsche Börse

          Aktien : Dicke Brocken für die Deutsche Börse

          2018 bereiten so viele Unternehmen Börsengänge vor wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Vier wollen Aktien für einen zweistelligen Milliardenbetrag verkaufen. Das birgt auch Gefahren.

          Topmeldungen

          Digitale Welt : Der PC stirbt einen schönen Tod

          Auf einen PC kommen inzwischen fünf verkaufte Smartphones. Die Welt wird nicht nur digitaler, sondern auch immer mobiler. Es ist ein dramatischer Wandel voller Chancen – und Gefahren.

          Gastbeitrag : Europa droht die Spaltung

          Auf dem Kontinent werden teuer erkämpfte Freiheiten über Bord geworfen. Deutschland müsste wichtige Gegenimpulse setzen. Doch Berlin ist mit sich selbst beschäftigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.