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Vermögensverwalter Ehrhardt : „Wir werden neue Börsenrekorde sehen“

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Jens Ehrhardt, 73, ist einer der erfahrensten Vermögensverwalter Deutschlands. Er legt für seine Kunden rund elf Milliarden Euro an. Bild: Jan Roeder

Vermögensverwalter Jens Ehrhardt fürchtet die aktuellen Kursverluste nicht. Chinas Abschwung sei halb so schlimm und Öl schön billig.

          Herr Ehrhardt, die Börsen sind mit hohen Verlusten ins neue Jahr gestartet. Was ist da los?

          Ich bin jetzt seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, aber einen derart turbulenten Jahresanfang habe ich selten zuvor erlebt. Da sind mehrere Dinge zusammengekommen. Die Nervosität unter den Anlegern ist derzeit sehr hoch: Die amerikanische Notenbank Fed hat ja im Dezember damit begonnen, erstmals seit Jahren den Leitzins wieder zu erhöhen. In der Börsengeschichte gingen solche Phasen stets mit Kursverlusten einher. Davor fürchtet sich jeder. Wenn dann in dieser Zeit der Anspannung auch nur eine schlechte Nachricht auftaucht, ist der Börsenabsturz da.

          Die schlechte Nachricht kam in diesem Fall aus China - einem Land, um das sich die Anleger in früheren Zeiten kaum geschert haben.

          In der Tat. Nun neigte die Börse ja schon immer dazu, zu übertreiben: Es kann sein, dass einige Anleger nur auf irgendeinen Grund gewartet haben, um Aktien zu verkaufen - und da kam ihnen China gerade recht. Aber trotzdem hat sich in der Wahrnehmung etwas grundsätzlich verändert: Früher hat man das Land an den Finanzmärkten kaum beachtet, heute kann es die Börsen auf der ganzen Welt zum Absturz bringen. Eine solche Wucht geht ansonsten nur noch von der amerikanischen Wall Street aus.

          Sie investieren seit mehr als einem Jahrzehnt in China und kennen das Land sehr gut. Könnte es eine neue Finanzkrise auslösen?

          Die Gefahr sehe ich derzeit nicht. Sicher, Chinas Regierung hat einen Fehler gemacht. Man hat sich gedacht: Wenn das Wirtschaftswachstum lahmt, soll wenigstens das Finanzwachstum in Schwung kommen - also die Börse. Die Regierung hat den Chinesen deswegen empfohlen, Aktien zu kaufen, und die Leute haben das mit Begeisterung mitgemacht: 90 Prozent der Umsätze an Chinas Festlandbörsen in Schanghai und Shenzhen stammen von Privatanlegern, viele haben einen Großteil ihres Vermögen investiert. Das gibt es so an keiner anderen Börse der Welt - und ist höchstens vergleichbar mit dem Amerika des 19. Jahrhunderts, als jeder Eisenbahn-Aktien haben wollte. Dies bedeutet aber auch: Vom Absturz der chinesischen Börsen sind fast ausschließlich Chinesen betroffen.

          Warum ist dann die ganze Welt in heller Aufregung?

          Weil man sich vor etwas anderem fürchtet: vor der chinesischen Währung. Der Yuan hat in der ersten Januar-Woche auf einen Schlag fünf Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. Dies deutet nicht nur auf ein schwächeres chinesisches Wirtschaftswachstum hin. Zudem werden chinesische Produkte im Ausland billiger, und amerikanische oder europäische Konkurrenten haben einen Nachteil. Das ist der Grund, warum Europas und Amerikas Börsen so hohe Rückgänge hinnehmen mussten.

          Befinden wir uns also inmitten eines Währungskrieges?

          Wenn Chinas Notenbank weitere heftige Abwertungen zugelassen hätte, hätte ich gesagt: Genauso ist es. Aber stattdessen hat sie den Yuan-Wechselkurs am Ende dann doch gestützt. Das ist kein Krieg, aber es ist eine Warnung. Dies haben die Finanzmärkte schnell begriffen. Darum die Kursverluste auf der ganzen Welt.

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