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Vermögensverwalter Blackrock : Der schwarze Riese

Blackrock ist die Nummer Eins unter den Investmenthäusern Bild: REUTERS

Keiner kennt Blackrock. Dabei ist die Firma eine Macht: Sie verwaltet 3800 Milliarden Dollar, besitzt Anteile an allen Dax-Konzernen und beherrscht den Markt für Indexfonds. Ein Blick hinter die Kulissen.

          Der König kommt zu Fuß und ohne viel Gefolge. Laurence D. Fink, von allen nur Larry genannt, ist kein Freund des großen Auftritts: Randlose Brille, dunkelblauer Anzug, leicht gebräuntes Gesicht - dem Mann, den sie in New York als heimlichen König der Wall Street bezeichnen, geht alles Majestätische ab. „Hi, I am Larry.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unspektakulärer geht es kaum, dabei ist alles an Finks Geschichte spektakulär: Niemand auf der Welt verwaltet so viel Geld wie der 60-jährige Amerikaner - rund 3800 Milliarden Dollar waren es zuletzt, ein neuer Rekordstand. Und niemand in der Finanzwelt ist politisch so gut vernetzt wie er: ins amerikanische Finanzministerium hat er einen kurzen Draht, genauso wie zu vielen europäischen Regierungen - Griechenland und Irland holen sich bei ihm Rat, so viel weiß man offiziell.

          Blackrock - schwarzer Felsen - heißt Finks Firma, und der Name ist Programm: Denn der Chef mag es am liebsten unauffällig - welche Farbe passt da besser als Schwarz? Gleichzeitig aber weiß er genau um die Stärke des eigenen Hauses - darum der Felsen. Der kann andere zermalmen, ihm dagegen kann niemand etwas anhaben.

          Es ist dieses Spiel zwischen Zurückhaltung und unerschütterlicher Selbstgewissheit, was Fink wie kein Zweiter beherrscht. Das zeigt sich auch an diesem Morgen: Der Blackrock-Chef ist auf Stippvisite in Frankfurt, ein Besuch bei der Europäischen Zentralbank steht an. Von ihm selbst dazu kein Wort, Verschwiegenheit ist ihm wichtig. Stattdessen plaudert Fink über die Börsen, erzählt von seiner Vorliebe für die zuletzt arg gebeutelte Siemens-Aktie - nichts, was ein normaler Vermögensverwalter nicht auch tun könnte.

          „Kenne Dein Risiko“

          Der Unterschied aber ist: Blackrock hält mehr als sechs Prozent der Siemens-Anteile und nicht nur das - es gibt kein einziges Dax-Unternehmen, an dem Finks Firma nicht in nennenswertem Umfang beteiligt ist. Hier spricht also einer, der an den Märkten zu den ganz großen Spielern zählt - und der trotz seines bescheidenen Auftretens genau weiß, wie sich gezielt damit Eindruck machen lässt. Mitten im Gespräch nämlich hat Fink plötzlich eine Frage: Ob er einen Kollegen hinzubitten dürfe? Die Tür geht auf und im Raum steht ein großgewachsener Mann mit zurückgekämmten schwarzen Haaren - Philipp Hildebrand, bis Januar 2012 Präsident der Schweizer Notenbank, seit Oktober nun Mitglied des Blackrock-Verwaltungsrates. Fink lächelt. Man sieht ihm an: Das ist die Liga, in der er sich zu Hause fühlt.

          Nur zeigen darf der Chef dies nicht allzu oft: Blackrock ist eine Macht, aber außerhalb der Finanzszene weitgehend unbekannt - und das soll auch möglichst so bleiben. Fink jedenfalls hat kein Interesse daran, zu sehr in den Fokus zu geraten. Denn so muss er keine unangenehmen Fragen beantworten: Wie kann es sein, dass sein Haus heute mehr Geld verwaltet als Branchenriesen wie Pimco, immerhin der größte Anleiheinvestor der Welt? Wie kann es sein, dass Blackrock den Markt für Indexfonds (ETFs) beherrscht und dadurch nicht nur Anteile an jedem Dax-Konzern besitzt, sondern auch an nahezu jeder größeren Aktiengesellschaft der Welt? Wie kann es sein, dass Regierungen immer dann, wenn sie so richtig in Schwierigkeiten geraten, Larry Finks Nummer wählen? Ja, wie kann das alles eigentlich sein?

          Die Antwort hat viel mit dem Leitspruch zu tun, den Fink für seine Firma ausgegeben hat - und mit einem Begriff, den vor der Finanzkrise höchstens ein paar Spezialisten schon einmal gehört hatten. Der Begriff heißt „mortgage-backed securities“ und der Leitspruch lautet: „Kenne Dein Risiko“. Wie eng das eine mit dem anderen zusammenhängen kann, musste Fink schon in den Anfängen seiner Karriere 1986 erfahren - es war das Jahr seiner größten Niederlage und gleichzeitig der Startpunkt für den heutigen Siegeszug. 33 Jahre war der Kalifornier da gerade erst alt und gehörte doch schon zur Führungsspitze der Investmentbank First Boston, bei der er zehn Jahre zuvor seine Laufbahn als junger Händler begonnen hatte - kein Geschäftsführer in der Geschichte der Bank war je jünger.

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