http://www.faz.net/-gv6-89j3w

Aktienmarkt : Die meisten Fondsmanager sind ihr Geld nicht wert

In Deutschland schafften auf Sicht von einem Jahr immerhin 36 Prozent der Fondsmanager eine bessere Rendite als der Aktienindex S&P Germany. Bild: Reuters

Vergleichsindizes entwickeln sich besser als fast alle aktiv gemanagten Fonds. In zehn Jahren sind zudem 45 Prozent der aktiven Fonds aus dem Markt verschwunden. Trotzdem dominieren die gemanagten Fonds weiterhin den Markt.

          Dem Indexanbieter S&P Dow Jones Indices ist es alljährlich eine Freude, das Versagen der Fondsmanager aufzuzeigen. Seit dem Jahr 2002 wird der Report S&P Indices versus Active Funds (SPIVA) veröffentlicht; in diesem Jahr erstmals mit Zehn-Jahres-Vergleichen auch für Europa. Das Ergebnis ist vernichtend für die Fondsmanager. Der breitgefasste amerikanische Aktienindex S&P 500 hat sich demnach in zehn Jahren besser entwickelt als 98 Prozent der Fonds auf amerikanische Aktien.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Umgekehrt haben also nur 2 Prozent der Fondsmanager durch ihre Aktienauswahl eine Mehrrendite gegenüber dem S&P 500 geliefert. Während aktiv gemanagte Fonds jedes Jahr eine Verwaltungsgebühr von rund 1 bis 2 Prozent und einen hohen Ausgabeaufschlag verlangen, sind es bei Indexfonds (ETFs) jährlich oft nur 0,1 Prozent Gebühr. Einen Ausgabeaufschlag gibt es auch nicht.

          Für den Vergleich der globalen Fonds gegenüber dem S&P Global 1200 Index kommt die Studie zu ähnlich schlechten Ergebnissen für die Fondsmanager. Und selbst für Schwellenländer, in denen eine Fondsmanagerexpertise nicht selten als sinnvoll bezeichnet wird, haben nur 3 Prozent der Fondsmanager auf Sicht von zehn Jahren die Rendite des entsprechenden Schwellenländerindex übertroffen.

          In Deutschland schafften auf Sicht von einem Jahr immerhin 36 Prozent der Fondsmanager eine bessere Rendite als der Aktienindex S&P Germany. Doch das scheinen eher Zufallserfolge zu sein, denn nach zehn Jahren können nur 17 Prozent der Fondsmanager ihre Mehrrendite aufrecht erhalten. Durch Fusionen und Fondsschließungen sind nach zehn Jahren zudem 45 Prozent der aktiven Fonds aus dem Markt verschwunden, hat S&P errechnet.

          Wachstum vor allem in Mischfonds

          Gleichwohl dominieren aktiv gemanagte Fonds den globalen Fondsmarkt. Indexfonds wachsen zwar seit einigen Jahren rasant, doch sie spielen immer noch nur eine Nebenrolle. In Deutschland sind etwa 10 Prozent des Fondsvolumens in ETFs angelegt, aber 90 Prozent in den teuren aktiven Fonds. Ein Grund dafür könnte die Zurückhaltung vieler Privatanleger bei Aktienfonds sein.

          Das starke Wachstum der Fondsbranche in Deutschland findet vor allem in Mischfonds statt. Von den gut 54 Milliarden Euro, die bis Ende August nach Angaben des Fondsverbandes BVI der Branche netto zugeflossen sind, kam mehr als die Hälfte den Mischfonds zugute. Und hier wird noch am ehesten einem Fondsmanager die Entscheidung zugetraut, ob nun gerade ein Schwerpunkt in der Aktienanlage, in Anleihen oder im Halten von Kasse geboten ist.

          Zudem spielen ETFs im deutschen Filialvertrieb weiterhin keine Rolle. Aufgrund ihrer günstigen Gebührenstruktur werden sie von Volksbanken, Sparkassen und auch den großen Privatbanken im Filialvertrieb nicht angeboten, weder als Direktanlage noch als Sparplan. Die Kunden müssen sie also aktiv nachfragen oder selbst an der Börse kaufen – doch das machen hierzulande ebenso wie einen Renditevergleich nur die wenigsten Anleger, so dass aktive Fonds trotz ihrer bescheidener Anlageerfolge die Depots weiter dominieren.

          Weitere Themen

          Sicherheit für das große Geld Video-Seite öffnen

          EZB hat neue Noten : Sicherheit für das große Geld

          Die neuen 100- und 200-Euro-Banknoten sollen noch sicherer sein und noch leichter zu überprüfen. So sollen Terrorfinanzierung und Geldwäsche besser bekämpft werden können. Ab dem 28. Mai 2019 sollen die neuen Scheine in Umlauf gebracht werden.

          Immer mehr Zombie-Unternehmen

          Niedrige Bewertungen : Immer mehr Zombie-Unternehmen

          „Zombies“ – so werden Unternehmen genannt, die finanziell fragil sind. Diese haben laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weltweit stark zugenommen. Aber was bedeutet fragil und wie sehen die Prognosen für die Zukunft aus?

          Topmeldungen

          Unionskritik an Maaßen-Deal : „Es reicht jetzt langsam“

          Carsten Linnemann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, sagt ein baldiges Ende der Koalition voraus, wenn sie „keinen neuen Arbeitsmodus“ findet. Der Vorsitzende der Jungen Union stößt ins gleiche Horn.
          Ökonom Hyun Song Shin

          Niedrige Bewertungen : Immer mehr Zombie-Unternehmen

          „Zombies“ – so werden Unternehmen genannt, die finanziell fragil sind. Diese haben laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weltweit stark zugenommen. Aber was bedeutet fragil und wie sehen die Prognosen für die Zukunft aus?

          Kaufstreiks : Boykotte, wohin das Auge blickt

          Jedem, der in Amerika linkem oder rechtem Volksempfinden zuwiderläuft, droht der Kaufboykott. Ob Schnellrestaurants, Sportartikel- oder Lebensmittelkonzerne, keiner wird verschont.

          Nordstream 2 : Unser Land, unsere Entscheidung

          Washington ist die Gaspipeline Nordstream 2 ein Dorn im Auge. Die deutsche Industrie kontert: Unsere Energieversorgung geht niemanden etwas an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.