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Vereinigte Staaten Höhere Renditeannahmen verringern Sorgen der Pensionsfonds

 ·  Ein Bilanztrick nimmt von amerikanischen Pensionsfonds Druck. Mittels höherer Renditeannahmen sinken ihre Verpflichtungen. Experten erwarten mehr Aktienkäufe.

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In den Vereinigten Staaten ist am Wochenende ein Gesetz verabschiedet worden, das große Auswirkungen auf Pensionsfonds amerikanischer Unternehmen und die Finanzmärkte haben könnte. Die Pensionsfonds, deren Erträge wegen der niedrigen Anleiherenditen unter Druck gekommen sind, bekommen durch einen Bilanztrick etwas mehr Luft. Das könnte zu einem Renditeanstieg langlaufender Staatsanleihen und zu einer Umschichtung von Anleihen in Aktien führen, glauben Analysten.

Die gesetzlichen Regelungen sehen vor, dass die Fonds bei der Berechnung ihrer Verpflichtungen höhere Renditen unterstellen können als bisher. Dadurch müssen Unternehmen weniger Geld aufwenden, um die wegen der niedrigen Zinsen größer gewordenen Löcher in ihren Pensionskassen zu stopfen.

25 statt 2 Jahre

Bisher orientierten sich Pensionsfonds bei der Kalkulation zukünftiger Erträge an der durchschnittlichen Rendite von Unternehmensanleihen guter Bonität über die vergangenen zwei Jahre. Da diese Renditen in Folge der Finanzkrise deutlich gefallen waren, gerieten die versprochenen Auszahlungen an Betriebsrentner in Gefahr.

Unternehmen mussten deswegen höhere Summen in ihre Fonds einschießen. Die neuen Regelungen sehen nun vor, dass sich der sogenannte Diskontsatz - der Zinssatz, mit dem Pensionsfonds ihre Verpflichtungen kalkulieren - nicht mehr am Renditedurchschnitt der vergangenen zwei, sondern am Mittelwert der vergangenen 25 Jahre orientiert.

Bilanzregeln im Verkehrsgesetz versteckt

Da die Renditen über diesen Zeitraum höher lagen, ist der Gegenwartswert der Verpflichtungen nicht mehr so hoch. Nach Berechnungen von Ökonomen der George Mason University wird der Diskontsatz durch die geänderte Bilanzierung von rund 4 Prozent auf etwa 6 Prozent steigen.

Für Unternehmen ist das ein himmelweiter Unterschied: Der Flugzeughersteller Boeing kalkuliert, dass ein Anstieg des Diskontsatzes um einen Viertelprozentpunkt die erwarteten Verpflichtungen um 1,7 Milliarden Dollar senken würde. „Es ist einfach zu sehen, warum Unternehmen im Kongress auf eine Anhebung des Diskontsatzes drängten“, heißt es in einem Kommentar von George Mason.

Renditedruck für 30jährige

An den Anleihemärkten könnte die Änderung der Bilanzierung möglicherweise die Renditen von amerikanischen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren in die Höhe treiben oder zumindest deren Rückgang stoppen. Pensionsfonds sind seit Jahren die größten Käufer dieser Anleihen, deren Renditen in der Regel die von Anleihen mit einem kürzeren Fälligkeitsdatum übersteigen.

„Es wird das Tempo der Käufe verlangsamen, aber es wird die Pensionsfonds nicht dazu zwingen, Staatsanleihen zu verkaufen“, schränkte allerdings Michael Mullaney ein, ein Fondsmanager der Gesellschaft Fiduciary Trust. Am Freitag war die Rendite dreißigjähriger Staatspapiere leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,76 Prozent geklettert. Renditen von Anleihen steigen mit fallenden Kursen.

Hoffen auf höhere Steuereinnahmen

Terry Belton, Anleihefachmann bei der Bank JP Morgan, glaubt, dass Pensionsfonds mit höherer Risikotoleranz Anleihen im Volumen von 100 Milliarden Dollar in Aktien umschichten dürften. Sein Kollege Alex Li von der Deutschen Bank in New York bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer massiven Umschichtung gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones aber auf 10 bis 30 Prozent. Falls es dazu kommen sollte, wären die Geldflüsse aber groß, da Pensionsfonds ihre Bestände an Staatsanleihen seit 2007 von 82 Milliarden Dollar auf zuletzt 284 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht haben.

Die neuen Bilanzregeln für Pensionfonds waren kurioserweise in einem Verkehrsgesetz versteckt, das die Aufwendungen für amerikanische Straßen, Brücken und Transitsysteme regelt. Die Pensionsregelungen tragen jedoch zur Bezahlung dieser Infrastrukturprojekte bei. Unternehmen können Beiträge für ihre Pensionsfonds steuerlich absetzen. Da die Beiträge nun sinken und die zu versteuernden Gewinne der Unternehmen steigen werden, rechnet die amerikanische Regierung mit zusätzlichen Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

Entlastung für dänische Versicherer

In Dänemark, wo die Notenbank den Leitzins im Mai in zwei Schritten auf 0,45 Prozent gesenkt hat, haben sich die Regierung und der Branchenverband der Versicherungs- und Pensionsgesellschaften schon vor drei Wochen auf eine neue Zinskurve für langfristige Fälligkeiten geeinigt. Sie wird auf der Basis einer langfristigen Inflationserwartung von

2 Prozent und eines erwarteten Wirtschaftswachstums von 2,2 Prozent nach dem sogenannten Smith-Wilson-Verfahren berechnet. „Die Neuregelung gibt uns größere Freiheiten, zum Nutzen unserer Kunden zu investieren“, kommentiert der Sprecher des Branchenverbands die Änderungen. „Nach den bisherigen Regeln hätten wir so tun müssen, als ob die zurzeit geltenden, historisch niedrigen Zinsen noch 60 Jahre auf diesem Niveau bleiben würden.“ Zudem entsprächen die neuen Sätze den Vorschlägen der Europäischen Kommission und dem Regulierungssystem Solvency II, das 2014 in Kraft treten soll.

In der vergangenen Woche hat auch das skandinavische Nachbarland Schweden, dessen Zinsniveau durch den Zustrom von ausländischem Kapital ebenfalls sehr niedrig ist, eine Veränderung im Regelwerk der nationalen Finanzaufsicht vorgenommen, die zunächst allerdings rein formaler Natur ist. Die Behörde hat nun die Befugnis, den Versicherungsunternehmen für eine begrenzte Zeitspanne einen anderen Diskontierungssatz als den generell gültigen zu genehmigen. Zuvor hatte die Aufsicht als Untergrenze für den Diskontierungssatz den Wert vom 31. Mai vorgeschlagen. Die Versicherungsgesellschaften können sich nun darum bewerben, diesen Satz für ein Jahr als Untergrenze zu benutzen. Dadurch sollen die Versicherer, die zuletzt wegen der geltenden Vorschriften zum Verkauf von Aktien und zum Kauf von Zinspapieren gezwungen waren, nach Auskunft eines Behördensprechers vorübergehend entlastet werden. So soll eine Abwärtsspirale für Aktienkurse und Zinssätze vermieden werden. „Langfristig müssen sie aber ihr Produktportefeuille so umschichten, dass sie die Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nicht nur bei einem starken Aktienmarkt, sondern in unterschiedlichen Marktszenarien erfüllen können.“ (lzt.)

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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