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Vereinigte Staaten Deutliche Zinssenkung in Amerika: Unwahrscheinlich!

09.10.2007 ·  Ein solider Beschäftigungszuwachs im September und eine deutliche Aufwärtsrevision der Augustzahlen verringern Befürchtungen, die amerikanische Wirtschaft werde sich deutlich abschwächen. Steigende Löhne könnten indes Inflationsgefahren signalisieren.

Von Michael Englund
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War die Leitzinssenkung der Fed am 18. September um gleich 50 Basispunkte wirklich notwendig? Mit dem am 5. Oktober veröffentlichten amerikanischen Arbeitsmarktbericht für September wurden die Beweggründe der Geldpolitiker für einen großen Zinsschritt zumindest teilweise ausgeräumt.

Während der Zuwachs der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft um 110.000 gegenüber dem Vormonat im Rahmen der Markterwartungen lag, kam die wirkliche Überraschung in Gestalt der revidierten Beschäftigtenzahlen für August. Zur Erinnerung: der im vergangenen Monat gemeldete Rückgang von 4.000 Stellen im August hatte maßgeblich zur deutlichen Zinssenkung der amerikanischen Notenbank beigetragen. Im Bericht für September wurde diese Zahl für August vom Bureau of Labor Statistics (BLS) nun mit einem Anstieg von 89.000 Stellen deutlich nach oben korrigiert.

Lohnanstieg deutet auf Inflationsrisiken hin

Nach Ansicht von Action Economics widerlegt der Bericht vom fünften Oktober nachdrücklich die Erwartungen einer raschen Konjunkturabschwächung, indem der für August ermittelte Beschäftigungsrückgang ins Gegenteil revidiert und ein solides Beschäftigungswachstum ausgewiesen wird, das im Einklang mit der für September ermittelten Expansion steht. Ein erneuter kräftiger Anstieg der Löhne im September ruft allerdings zugleich die Inflationsgefahren in Erinnerung, mit denen sich die amerikanischen Geldpolitiker nach wie vor konfrontiert sehen.

Der Arbeitsmarktbericht zog sicherlich einige „Ich hab's doch gesagt“-Reaktionen von Marktbeobachtern nach sich, die davon überzeugt waren, dass der Zinsschritt vom 18. September ein „abgeschlossenes Kapitel“ war. Die sinkende Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Fed während ihrer Sitzung am 30. und 31. Oktober zeigte sich am fünften Oktober in sinkenden Kursen amerikanischer Staatsanleihen und in steigenden Renditen, während die Aktienkurse nach oben kletterten und sich der Dollar ein wenig von seiner jüngsten Schwäche gegenüber anderen maßgeblichen Währungen erholte.

Die Arbeitslosenquote stieg unterdessen von 4,64 auf 4,7 Prozent. In der Haushaltsumfrage wurde für September ein Zuwachs von 463.000 Stellen ermittelt, nachdem im August noch ein Besorgnis erregender Rückgang von 316.000 Stellen zutage trat. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb mit 33,8 Stunden im Vormonatsvergleich unverändert. Die durchschnittlichen Stundenlöhne nahmen um 0,4 Prozent merklich zu (Mittelwert 0,3 Prozent), was auf Jahressicht einem Einkommenszuwachs von 4,3 Prozent entspricht und damit auf Augenhöhe mit dem Zyklushoch von April 2006 steht.

Im Verarbeitenden Gewerbe und in der Bauwirtschaft sank die Zahl der Beschäftigten um 18.000 beziehungsweise 14.000, während im privaten Dienstleistungssektor 106.000 und im öffentlichen Sektor 37.000 neue Stellen geschaffen wurden. Der Löwenanteil der Aufwärtsrevisionen der Augustzahlen entfällt auf die Beschäftigung im öffentlichen Sektor: während im Vormonat noch ein Rückgang von 28.000 Stellen verzeichnet wurde, wird nun ein Beschäftigungsplus von 57.000 Stellen ausgewiesen.

Die robusten Septemberzahlen haben auch positive Auswirkungen auf andere wichtige monatliche Wirtschaftsdaten. Wir gehen nun von einem Zuwachs des persönlichen Einkommens von 0,5 Prozent aus, wodurch sich das Wachstum des verfügbaren Einkommens im dritten Quartal auf 5,9 Prozent erhöht, nachdem im ersten und zweiten Quartal 9,1 beziehungsweise 4,8 Prozent ermittelt wurden, wobei die Schwankungen aus Prämienauszahlungen resultieren. Für September prognostizieren wir nun einen Anstieg der Industrieproduktion von 0,1 Prozent, was sich in ein Wachstum von 4,1 Prozent im dritten Quartal übersetzt, nachdem im ersten und zweiten Quartal 1,1 beziehungsweise 3,6 Prozent erzielt wurden.

Wachstumsrevisionen geringer als prognostiziert

Der Index der geleisteten Arbeitsstunden steigt im September um 0,1 Prozent und im dritten Quartal insgesamt um 1,2 Prozent, nach 1,1 und 2,1 Prozent im ersten und zweiten Quartal. Mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent im zweiten Quartal übertrifft das Bruttoinlandsprodukt das Wachstum der geleisteten Arbeitsstunden um 1,7 Prozent. Unser für das dritte Quartal prognostiziertes BIP-Wachstum von 3,0 Prozent lässt auf einen vergleichbaren Vorsprung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber den geleisteten Arbeitsstunden schließen.

Angesichts des im September ausgewiesenen Beschäftigungsrückgangs in der Bauwirtschaft bei gleichzeitigem Anstieg der im Bausektor geleisteten Arbeitsstunden um 0,1 Prozent erhöht sich unsere Prognose der Bauausgaben nach dem überraschenden Anstieg von 0,2 Prozent im August auf minus 0,2 Prozent für September.

Das BLS gab zudem bekannt, dass das Wachstum der Beschäftigtenzahl zwischen April 2006 und März 2007 um 297.000 nach unten revidiert werden könnte. Diese Revision entspricht zwar einer Verringerung von rund 25.000 Stellen pro Monat in dem im März endenden Zwölfmonatszeitraum, diese fällt jedoch geringer aus, als von vielen Volkswirtschaftlern zu Beginn dieses Jahres angenommen. Es scheint nun möglich, dass trotz zukünftiger Revisionen der Beschäftigtenzahlen noch immer ein allgemein überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum bis Ende 2006 und Anfang 2007 verzeichnet werden könnte - wenngleich in geringerem Ausmaß als zunächst ausgewiesen. Das Produktivitätswachstum wird durch die geringere Beschäftigungsentwicklung in diesem Zeitraum um voraussichtlich etwa 0,2 Prozent höher ausfallen.

Für die Fed bietet der Septemberbericht eine Argumentationsgrundlage für den von uns erwarteten unveränderten Zinsentscheid während der Sitzung des Offenmarktausschusses am 30. und 31. Oktober. Der merkliche Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,4 Prozent im September und der daraus resultierende Einkommenszuwachs auf Jahressicht von 4,3 Prozent verstärkt die Befürchtung, dass die amerikanischen Geldpolitiker am 18. September deutlich mehr Munition verschossen haben, als viele um die Inflation besorgte Beobachter der Fed - wir eingeschlossen - seinerzeit dachten.

Natürlich sind die Kreditmarktturbulenzen noch nicht ausgestanden, doch die Risiken einer Konjunkturabschwächung haben mit den Beschäftigtenzahlen für September nachgelassen. Das steigende Lohnniveau erinnert uns indes daran, dass die Gefahr erhöhter Inflation für die Wirtschaft nach wie vor präsent ist.

Michael Englund ist Chefökonom bei Action Economics.

Quelle: Business Week Online
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