25.11.2009 · Der Markt für verbriefte Risiken von Versicherern ist wieder im Kommen. Ende 2008 brach der Markt zusammen. Das ist vorbei.
Von Philipp KronWenn Versicherungsunternehmen ihre Spitzenrisiken an den Kapitalmarkt bringen, kann das ein lukratives Tauschgeschäft sein: Der Versicherer erhält die Zusicherung, dass er in extremen Schadensfällen genug Liquidität hat, um seine geschädigten Versicherungsnehmer auszuzahlen. Das entlastet sein Eigenkapital und ermöglicht ihm, zusätzliches Geschäft zu zeichnen. Der Investor lässt sich diese Bereitschaft mit einer hohen Risikoprämie vergüten, die er auf seine investierte Summe erhält, wenn der Schadensfall nicht eintritt. Und das Risiko eines Totalverlusts besteht zwar, ist aber nicht verknüpft mit anderen Kapitalmarktrisiken wie beispielsweise einem Börsencrash.
So transferierten vor allem Rückversicherungsunternehmen seit einigen Jahren in zunehmendem Ausmaß Risiken an professionelle Investoren: Schäden durch außergewöhnliche Erdbeben oder Stürme beispielsweise. Für solche Katastrophenanleihen (Cat Bonds) stieg die Nachfrage kontinuierlich an, nachdem die Hannover Rück 1994 auf diese Weise erstmals Katastrophenrisiken verbriefte. Im letzten Quartal 2008 brach das Neugeschäft im Zuge der Finanzkrise komplett ein. Damals verkauften insbesondere Hedge-Fonds ihre immer noch liquiden Cat Bonds, weil sie durch gesunkene Kreditratings mehr Eigenkapital benötigten.
Das dritterfolgreichste Jahr der Geschichte winkt
Seither erholt sich die Nachfrage aber stetig. 14 Emissionen hat der Rückversicherer Swiss Re in diesem Jahr gezählt - bisher erlösten die Versicherer damit 2,24 Milliarden Dollar. Damit dürfte 2009 das Volumen gegenüber dem Vorjahr, das durch ein starkes erstes Halbjahr geprägt war, wieder leicht wachsen, erwarten Makler und Versicherungsunternehmen. Die Schätzungen liegen oberhalb von 3 Milliarden Dollar (nach 2,97 Milliarden 2008). "Das wäre das dritterfolgreichste Jahr der Geschichte. Man sieht also, dass sich der Markt schnell erholt hat", sagt Frank Achtern, Managing Director des Maklers Guy Carpenter. Die Munich Re erwartet in den letzten sechs Wochen des Jahres noch fünf weitere Emissionen.
Erstmals seit eineinhalb Jahren hat in dieser Woche ein Rückversicherer wieder eine Anleihe begeben, mit der er sich gegen einen plötzlichen Anstieg der Sterblichkeit absichert. Die Swiss Re sammelte 75 Millionen Dollar ein. Die Anleihe läuft bis 2014 und ist mit 6,5 Prozent über dem sechsmonatigen Interbankenzins Libor abzüglich 0,33 Prozent verzinst. Steigt durch eine Pandemie die Sterblichkeit extrem an, verlieren die Investoren von einem bestimmten Schwellenwert an einen Teil ihres Investments. Von einem zweiten Wert an müssen sie komplett für die Schäden gerade stehen, die dem Rückversicherer dadurch entstehen, dass er mehr Leistungen auszahlen muss als bei einer gewöhnlichen Sterblichkeitsquote.
Sehr viel niedriger verzinst war die letzte Anleihe dieser Art, die die Munich Re im Februar 2008 begeben hatte. Ihre Nathan-Anleihe bringt den Investoren eine Rendite von 1,35 Prozent über Libor. "Allerdings sind damit Extremereignisse gedeckt, für die die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist", erklärt Rupert Flatscher, Leiter der Risk-Trading Unit von Munich Re. Wenn innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren die Sterblichkeit 20 Prozent über dem üblichen Wert liegt, hat sie Anspruch auf einen Teil der Zahlung. Bei 30 Prozent Übersterblichkeit kommt es für den Investor zum Totalverlust.
Kreditrisiken werden noch stärker ausgeschlossen
Die Schutzdeckung erhalten die Versicherer nicht direkt von den Investoren, sondern von einem Special Purpose Vehicle (SPV), das das Geld der Investoren in sichere Anlagen investiert. Dass die Nachfrage nach Verbriefungen in diesem Jahr steigt, erklären sich Beobachter auch damit, dass Kreditrisiken noch stärker ausgeschlossen sind als zuvor, weil die SPV nur noch in staatlich garantierte Anleihen investieren. Noch im vergangenen Jahr hatte für vier Cat Bonds die Bank Lehman Brothers als Gegenpartei fungiert. Durch ihre Insolvenz verloren die Anlagen ihren Schutz. Zwei der Bonds fielen deshalb aus, weil sie keine vollen Zins- oder Kapitalzahlungen leisten konnten.
Das gesamte Volumen von verbrieften Versicherungsrisiken lag Ende 2008 bei 37 Milliarden Dollar. Cat Bonds hatten mit knapp 16 Milliarden Dollar den größten Anteil. Verbriefungen extremer Sterblichkeitsrisken haben einen weitaus geringeren Anteil: Seit 2003 wurden Anleihen über 2,2 Milliarden Dollar begeben. Davon laufen aktuell 1,7 Milliarden. "Bislang ist das zwar eine exotische Anlageklasse. Sie könnte aber innerhalb von drei bis fünf Jahren das Niveau der Cat Bonds erreichen", erwartet Jan-Oliver Thofern, Vorsitzender Geschäftsführer des Rückversicherungsmaklers Aon Benfield.
oh nein
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 26.11.2009, 10:14 Uhr
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