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Veröffentlicht: 17.06.2017, 10:54 Uhr

Van Eck nutzt eigene Indizes Das Craft Beer unter den ETFs

Wenn es für eine Investmentidee keinen geeigneten Index gibt, müssen die Anbieter kreativ werden und vor allem anders denken, als die Konkurrenz. Deshalb setzt van Eck auf eigene Indizes.

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© dpa Nicht immer sind Konzerne in dem Land an der Börse gelistet, in dem sie auch den meisten Umsatz generieren.

Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, sind seit Jahren ein gutes Geschäft. Betrug ihr Volumen 2007 weltweit noch 566 Milliarden Dollar, so waren zuletzt 3,4 Billionen in dieser Anlageklasse investiert. Es ist ein Massengeschäft mit sehr ähnlichen Produkten, fast so wie das Bierbrauen. ETFs sind kaum unterscheidbar, weitgehend sogar austauschbar. Die fünf in Deutschland den Dax abbildenden ETFs weisen über die vergangenen fünf Jahre eine Wertentwicklung zwischen 106 und 110 Prozent auf. Bei einer Anlage von 1000 Euro macht das gerade einmal acht Euro pro Jahr aus.

Martin Hock Folgen:

Gegenüber Bierbrauern haben die Indexfondsanbieter zudem noch einen Nachteil. Sie können ihr Produkt weder mit einem anderen Image noch durch Sponsoring, noch durch eine hübsche Verpackung von Konkurrenzprodukten abgrenzen. Wenn man sich unterscheiden will, muss also etwas Besonderes in die Verpackung.

Von der Masse absetzen

„Wir sind das Craft Beer unter den ETF-Anbietern“, sagt Jan van Eck, Vorstandvorsitzender des gleichnamigen ETF-Anbieters und spielt damit auf einen jüngsten Trend auf dem Biermarkt an. Hier versuchen sich besonders kleine Brauereien mittels bisweilen eigenwilliger Bierkreationen von den in Massenvolumina hergestellten großen Marken abzusetzen. So versteht auch van Eck das Handwerk.

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„Unser Ideal ist es, niemals einen ETF aufzulegen, der schon existiert. Das entstand vor mehr als zehn Jahren aus der Erkenntnis heraus, dass es manchmal für eine Investmentidee keinen geeigneten Index gibt, der zudem auch noch liquide genug ist, dass ein ETF auf diesen den Regularien für Publikumsfonds entsprechen würde. Deswegen haben wir damals beschlossen: Lasst es uns selbst machen.“

Nationaler Börsenindex hat Grenzen

Die 1955 gegründete van Eck konstruiert indes die Indizes mittlerweile nicht mehr selbst. Dafür hat die Fondsgesellschaft 2011 den Index-Anbieter MVIS gegründet, der am Frankfurter Osthafen sitzt. „Es kommt darauf an, wie man investieren will“, sagt Geschäftsführer Thomas Kettner. „Ein herkömmlicher nationaler Börsenindex bildet die Wirtschaft eines Landes oft nicht hinreichend ab. Wenn man in diese investieren will, braucht man also einen aktiv gemanagten Fonds oder einen neuen Index.“

Kettner nennt ein Beispiel: Der Handelskonzern X5 generiert mehr als 50 Prozent seines Umsatzes in Russland. Da er aber an der Londoner Börse gelistet ist, ist die Aktie nicht im russischen Leitindex RTS zu finden, obwohl X5 nach der Marktkapitalisierung im oberen Drittel des RTS vertreten wäre.

Relationen sollen erhalten werden

„Unsere Indexregeln resultieren in breit diversifizierten Indizes, die liquide Titel enthalten und die zugrundeliegende Idee abbilden“, beschreibt es Kettner. Dazu wendet MVIS eine Reihe von Maßnahmen an. Während in anderen Indizes aus Diversifikationsgründen der Anteil von Schwergewichten glatt gekappt wird, bemühe man sich bei MVIS darum, dabei die Relationen zu erhalten. Bei der Liquidität gehe man nicht nach der Zugehörigkeit zu Auswahlindizes, sondern einem eigenen Universum.

Für die Abbildung der Idee sei schließlich die Fragestellung etwa für einen länderspezifischen Index: Wie wird das Bruttoinlandsprodukt repräsentiert? „Viele mexikanische Silberminen sind in kanadischer Hand. Deswegen ist die Silberproduktion in herkömmlichen Mexiko-Indizes krass untergewichtet, obwohl Mexiko der führende Silberproduzent der Welt ist.“

Spezialisierte Fonds für Unternehmen mit Perspektive

Das Beispiel scheint stellvertretend für den Ansatz von van Eck. „Wir sind bei ETFs auf Rohstoffe und Anleihen aus Schwellenländern führend“, sagt Jan van Eck. Gerade das letztere Gebiet sei interessant, weil sich das Universum beständig ändere. Obwohl Jan van Eck von der Kategorie gar nicht so überzeugt ist. Schwellenländer seien ein unsinniges Konzept. „Die Volkswirtschaften sind hochgradig unterschiedlich. Vergleichen Sie einfach nur einmal Nigeria mit China. Letztlich fasst man darunter alle Länder mit weniger diversifizierten und weniger dienstleistungsorientierten Ökonomien, aber mehr politischen Risiken zusammen.“

Aufgrund der Gegebenheiten seien ETFs für das breite Anlegen in Schwellenländer-Aktien nicht so gut geeignet. Welche Unternehmen zu einem vernünftigen Preis Wachstumsperspektiven böten, ändere sich rasch, da sei aktives Management am Ende die bessere Wahl. Van Eck bietet daher auch eher spezialisierte Fonds an, etwa für brasilianische Nebenwerte oder chinesische Wachstumsunternehmen. Deren Wertentwicklung sei allerdings sehr schwankungsanfällig, sagt Jan van Eck.

Europäische Zentralbank hat nur wenig Einfluss

Dagegen sei es mit Anleihen aus Schwellenländern einfacher. Der große Vorteil für europäische Anleger sei, dass die Anlageklasse wenig von der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank beeinflusst werde. Anleger müssten sich aber der Währungsrisiken bewusst sein, da die Entwicklung von Indizes auf Anleihen aus Schwellenländern deutlich währungsabhängiger sei als von Aktienindizes.

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„Südamerikanische Länder wie Argentinien, Brasilien und Mexiko haben in Anleihenindizes ein weitaus größeres Gewicht. Zum einen sind es große Emittenten, zum anderen aber ist China in den gängigen Indizes nicht enthalten, weil der Kauf von Staatsanleihen auf Renminbi-Basis für Ausländer immer noch mit großen Hindernissen verbunden ist.“

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