Home
http://www.faz.net/-gvf-137d8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Unternehmenskäufe und Übernahmen Nur Staatsfonds als Käufer in Sicht

15.07.2009 ·  Starke Unternehmen warten mit dem Kauf von schwächeren Konkurrenten noch ab. Derzeit sind es Staatsfonds aus der Golfregion und aus Asien, die in einem Einstieg oder einer Übernahme eine lukrative Finanzanlage sehen.

Von Hanno Mußler
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Staatsfonds aus der Golfregion und aus Asien werden in den kommenden Monaten zu den wenigen Käufern von Unternehmen gehören. „Ich erwarte noch einige Käufe deutscher Unternehmen durch Staatsfonds aus dem Mittleren Osten, die sich meist in der Größenordnung von 500 bis 2 Milliarden Dollar bewegen dürften“, sagt zumindest Ken Oliver Fritz. Fritz leitet für Credit Suisse das Beratungsgeschäft rund um Unternehmenskäufe und Übernahmen (M&A) in Deutschland und Österreich. Die Schweizer Großbank berät derzeit den womöglich vor einem Einstieg in den Sportwagenhersteller Porsche stehenden Staatsfonds aus Qatar. Qatar ist seit Februar 2008 auch Aktionär von Credit Suisse.

Fritz wollte sich zu Porsche nicht äußern. Er ist aber überzeugt, dass es nicht bei den jüngsten Transaktionen von Staatsfonds in Deutschland - dem Erwerb von 9 Prozent an Daimler für 2 Milliarden Euro und von 70 Prozent an MAN Ferrostahl - bleiben wird. Beide Käufe hatte das Emirat Abu Dhabi im März 2009 und im Oktober 2008 getätigt.

Konkurrenz ist nicht zu befürchten

Zwar haben auch Staatsfonds in der Finanzkrise Geld verloren. Viel zu früh haben sie zum Beispiel für insgesamt 25 Milliarden Dollar Anteile an amerikanischen Großbanken wie der Citigroup und Merrill Lynch erworben. Als der Staatsfonds aus Singapur, Temasek, zum Beispiel vor einigen Wochen aus der Bank of America wieder ausstieg, soll er einen Verlust von 3 Milliarden Dollar realisiert haben. Doch Konkurrenz auf dem Markt für Unternehmenskäufe müssen Staatsfonds derzeit kaum fürchten. Familien- und Beteiligungsfonds spielen keine Rolle, weil sie zur Finanzierung kein Fremdkapital von Banken erwarten dürfen. In vielen Branchen wie zum Beispiel der Automobilzulieferindustrie stehe ein harter Ausleseprozess bevor. Strategische Käufer, also in der Regel starke Konkurrenten, schauen sich nach Angaben von Fritz zwar zunehmend zum Kauf stehende Unternehmen an. Sie seien aber angesichts der eigenen oft sehr unsicheren Geschäftsaussichten mit dem Zukauf von Kapazitäten noch vorsichtig.

Staatsfonds dagegen verfügen nach wie vor über eine Fülle an Eigenkapital. Und die Deutsche Bank schätzt, dass sich ihr Vermögen weltweit von derzeit 3 auf 7 Billionen Dollar bis 2019 erhöhen wird. „Die Lenker der Staatsfonds haben derzeit sehr viele interessante Angebote zum Kauf von Unternehmen aus der ganzen Welt auf dem Tisch“, sagt Fritz. Deutschland befinde sich hier im globalen Wettbewerb.

Bundesregierung kann bei Übernahmen eingreifen

Der Bundestag hat - zur Abwehr von unerwünschten Staatsfonds aus Ländern wie Russland und China - im ersten Quartal 2009 die Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes beschlossen. Die Bundesregierung kann nun die Übernahme von mehr als 25 Prozent an einem deutschen Unternehmen durch ausländische Investoren aus Staaten außerhalb der EU untersagen, wenn sie die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Staates als gefährdet ansieht. Fachleute hoffen aber, dass diese Bestimmung nur selten angewendet wird. „Für Staatsfonds steht nicht die Industriepolitik im Vordergrund, sondern die Finanzanlage“, sucht Maximilian Schiessl, Partner in der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller, Bedenken der Politik zu zerstreuen.

Ohne Staatsfonds sähe es auf dem Markt für Unternehmenskäufe noch trüber aus als ohnehin schon. Für Anwalt Schiessl ist der Kauf von Siemens-VDO durch Continental im Juli 2007 die letzte Übernahme, die nach altem Muster ablief: das heißt vor allem mit viel und günstigem Fremdkapital. Nur wenige Tage später - die Subprime-Krise hatte gerade begonnen, aber die Insolvenz von Lehman war noch fern - habe es in Amerika die ersten Übernahmen gegeben, die nach Vertragsschluss noch durch den Käufer abgebrochen worden seien. „Bis heute gibt es eine steigende Zahl von Nachverhandlungen zwischen Vertragsabschluss und Vollzug“, berichtet Schiessl. Die Käufer sitzen in vielen Fällen am längeren Hebel als die Verkäufer. Schiessl hält die Transaktionssicherheit in Deutschland für größer als in Amerika. Aber auch hierzulande nehme sie ab.

Die wenigen Transaktionen im ersten Halbjahr konzentrierten sich auf Unternehmen im Gesundheits- und Energiesektor, wo die Erträge relativ robust und nach wie vor gut prognostizierbar sind. Allerdings sind inzwischen wegen der Krise auch Unternehmen auf dem Markt, die in den Jahren zuvor, als viel höhere Preise zu erzielen gewesen wären, nicht zum Verkauf standen. Ein Beispiel dafür ist der Pharmahändler Ratiopharm. Hier sucht ein Treuhänder wegen der Schwierigkeiten der Merckle-Gruppe einen Käufer.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%