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Union Investment-Vorstand Rüdiger Ginsberg „Alle werden genauer hinschauen“

20.12.2007 ·  Die Union Investment zählt zu den größten Fondsgesellschaften im Land. Vorstandschef Rüdiger Ginsberg spricht im Interview mit der F.A.Z. über den Segen der Abgeltungssteuer, die Lehren aus der Finanzkrise und die Gemeinsamkeiten mit einem Fußballverein.

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Die Union Investment zählt zu den größten Fondsgesellschaften im Land. Vorstandschef Rüdiger Ginsberg spricht im Interview mit der F.A.Z. über den Segen der Abgeltungssteuer, die Lehren aus der Finanzkrise und die Gemeinsamkeiten mit einem Fußballverein.

Die geplante Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge dürfte jetzt Schwung in das Geschäft von Fondsgesellschaften bringen. In welche Richtung wird die Bewegung Ihrer Ansicht nach gehen?

Langfristig ausgerichtete Konzepte werden stärker nachgefragt. Neben den klassischen global ausgerichteten Fonds zählen dazu vor allem Dachfonds und Mischfonds. Das erklärt sich aus dem Bestandsschutz. Ich will die Diskussion aber nicht auf den steuertechnischen Aspekt reduzieren. Das ist zu kurz gegriffen.

Noch ist in den gängigen Absatzstatistiken von Verschiebungen nichts zu sehen.

Das wird sich nach unserer Erwartung auch erst in der ersten Jahreshälfte 2008 zeigen. Wir werden beispielsweise Anfang nächsten Jahres ein Bündel neuer Fondsideen vorstellen. Mit etwa zehn neuen Produkten zielen wir auf eine höhere Flexibilität innerhalb der Fonds, werden uns aber nicht nur auf Dachfonds beschränken. Die Abstimmungsgespräche mit den Partnerbanken haben begonnen.

Das Wort vom Steuerschlussverkauf macht in diesem Zusammenhang die Runde. Bringt die Abgeltungssteuer ab 2009 einen Dämpfer für Ihr Geschäft?

Auch wenn 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer - also teilweise knapp 30 Prozent - zu viel ist, hat diese neue Steuer positive Aspekte. In der steuerlichen Behandlung von Kapitaleinkünften wird alles viel klarer. Sie bringt die Notwendigkeit zur Strukturierung der Depots mit sich, was für den Anleger und unsere Branche von Vorteil ist: Die Anleger werden ihre Strategie langfristiger ausrichten. Wir haben also die Chance, die seit Jahren zu beobachtende Zyklizität im Anlegerverhalten zu verringern.

Anlagezertifikate haben sich vor Einführung der Abgeltungssteuer aus dem Wettbewerb verabschiedet, weil ihnen der Bestandsschutz verwehrt wurde. In den vergangenen drei Jahren setzte diese Anlageform den Fonds jedoch arg zu. Gab es da im Verbund der Genossenschaftsbanken nicht Kannibalisierungseffekte?

Wir haben mit Blick auf die Verpackung von Geldanlagen im genossenschaftlichen Verbund ein klares Konzept: Wir gehen kooperativ miteinander um. Gemeinsam haben wir für den Verbund mit Union-Fonds und DZ-Bank-Zertifikaten mehr neue Kunden gewonnen, als wenn wir getrennt marschiert wären. Unser Fondsgeschäft ist stark gewachsen, und Gleiches gilt für die Zertifikate.

Mit dem Wettbewerb der Anlageformen und der zunehmenden Gebührentransparenz kommen auch die bisherigen Gebührenmodelle auf den Prüfstand. Hat bei den Fonds beispielsweise der Ausgabeaufschlag noch eine Zukunft?

An den Gebührenmodellen wird sich nach meiner Überzeugung grundsätzlich nichts ändern, weil etwa mit dem Ausgabeaufschlag eine Beratungsleistung honoriert wird. Für den Gesamtmarkt gesprochen, könnte sich in Nischen die Honorarberatung durchsetzen. Aber ein Paradigmenwechsel ist nicht zu erkennen.

Union Investment hatte sich keine Freunde gemacht, als sie im Sommer als Erste einen ABS-Fonds mit forderungsbesicherten Wertpapieren schloss. Hat dieser Schritt eine Vertrauenskrise unter Ihren Großkunden ausgelöst?

Im Gegenteil: Wir haben mit unserer Entscheidung auf eine Vertrauenskrise am globalen ABS-Markt reagiert und damit unsere Anleger mit der Schließung des Fonds geschützt. Es gibt eine sehr problematische Situation an den Verbriefungsmärkten. Im August wurden wegen der mangelnden Liquidität Preise für durchaus bonitätsstarke Titel gestellt, die schädlich für den Anleger waren.

Die DWS ist mit ihrem ABS-Fonds einen anderen Weg gegangen.

Wir haben unsere Entscheidung mit Blick auf unsere Fonds und im Interesse unserer Anleger getroffen.

Wie lange bleibt Ihr ABS-Fonds noch geschlossen?

Die Bewertung darf nicht auf Teilannahmen beruhen. Der Fonds wird sofort geöffnet, wenn sich Bewertung und Liquiditätslage wieder in geordneten Marktverhältnissen bewegen. Leider sehen wir das jedoch nach wie vor nicht.

Besteht nicht die Gefahr, dass auch Geldmarktfonds von den Verwerfungen am Verbriefungsmarkt angesteckt werden?

In der Frühphase der Marktprobleme im Juli und August war ein drohendes Potential zu sehen. Wir haben es aber geschafft, dass die Kunden nicht emotional reagierten und ihre Anlageentscheidungen rational gefällt haben. Deshalb sehen wir auch keine Auffälligkeiten im Bereich der Geldmarktfonds.

Es hat sich im Sommer aber gezeigt, dass Geldmarktfonds keine homogene Gruppe sind. Da gibt es Fonds, die absolut sichere Liquiditätsparkplätze sind - da gibt es aber auch Fonds mit dem Extrakick Rendite aus Verbriefungen, was sich nun rächt.

Wir müssen sicherstellen, dass Geldmarktfonds das sind, was sich der Kunde unter ihnen vorstellt: nämlich eine sichere Kurzfristanlage. Deshalb werden alle noch genauer hinschauen, in was ein Geldmarktfonds investiert. Ich halte es aber auch für vollkommen in Ordnung, dass man im geldmarktnahen Bereich Titel hinzunimmt, die in normalen Marktphasen eine Verbesserung der Rendite mit sich bringen. Das kam in der Vergangenheit übrigens auch den Kundenwünschen entgegen.

Es ist aber ziemlich schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ich denke, dass künftig eine deutlichere Trennung stattfinden sollte: auf der einen Seite den traditionellen Geldmarktfonds sichern und auf der anderen Seite für die geldmarktnahen Fonds eine klarere Fondsbezeichnung finden.

Daneben machte Union Investment in den vergangenen Monaten auch Schlagzeilen mit einer ungewöhnlich hohen Fluktuation von Mitarbeitern, die in der Branche einen guten Namen haben. Ist das nicht gefährlich für die Wertentwicklung Ihrer Fonds?

Es gibt zwei zentrale Konzepte für das Portfoliomanagement. Das eine ist, man konzentriert sich auf die Entwicklung von Star-Portfoliomanagern, verbunden mit dem Personenrisiko, wenn derjenige oder diejenigen gehen sollten. Das zweite Konzept - und dafür haben wir uns entschieden - ist der Team-Ansatz. Wenn dabei einzelne Mitarbeiter wegen ihrer Zuständigkeit für bestimmte Fonds in der Öffentlichkeit öfter erwähnt werden, heißt das nicht, dass sie allein die Wertentwicklung der Fonds zu verantworten haben. Dahinter steht immer die Leistung eines gesamten Teams. Im Übrigen haben wir keineswegs eine hohe Fluktuation gehabt.

Leidet tatsächlich nicht die Wertentwicklung?

Die Entwicklung unserer Fonds zeigt das Gegenteil. Wenn eine Ankerperson geht, steht sofort jemand bereit, der in deren Fußstapfen treten kann. Das ist der Vorteil des Team-Ansatzes.

Das klingt so, als ob Ihr Haus eine Talentschmiede für die Investmentbranche ist - junge Portfoliokonstrukteure dürfen Erfahrungen sammeln und ziehen dann weiter.

Ich sehe diesen Punkt positiv. Es spricht für die Qualität von Union Investment, dass unsere Portfoliomanager am Markt gefragt sind. Im Übrigen lassen sich Abgänge nicht grundsätzlich vermeiden, wenn man unsere Personalpolitik fährt.

Wie sieht die aus?

Wenn man junge Leute ins Unternehmen holt und zu einer gewissen Reife entwickelt, suchen sich manche irgendwann auch einmal an anderer Stelle eine Zukunft. Umgekehrt verstärken wir unser Team auch regelmäßig um erfahrene Spezialisten von außen, um nicht nur in der eigenen Konzeptwelt zu verharren. Ein gesunder Mix aus potentialstarkem Talent und gestandenem Profi - das ist wie im Fußball bei Werder Bremen.

Das Gespräch führte Steffen Uttich.

Quelle: F.A.Z.
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