17.08.2004 · Fondsmanager sehen den amerikanischen Aktienmarkt und den Dollar zunehmend negativer. Zudem scheuen sie das Risiko und sind so pessimistisch wie seit langem nicht mehr. Das zeigen Umfragen von Merrill Lynch und State Street.
Während sich der amerikanische Präsidentschafts-Wahlkampf verschärft, blicken Fondsmanager rund um den Globus zunehmend mit Stirnrunzeln auf amerikanische Wertpapiere. Vor allem die Aussichten für Aktien aus den Vereinigten Staaten und den Dollar malen sie in dunklen Farben. Dagegen ist Japan noch ihr Favorit, obwohl auch in diesem Fall der Optimismus nachläßt (Die Zuversicht mit Blick auf Japans Aktienmarkt schwindet). Insgesamt steigt die Zahl der Investoren, die sinkende Gewinne erwarten, nachdem zuletzt die meisten Unternehmen positiv überrascht haben. Dies hat die jüngste Fondsmanager-Umfrage von Merrill Lynch ergeben.
Zu diesem Ergebnis paßt, was Analysten von State Street Global Markets herausgefunden haben: Nach ihrer Umfrage befinden sich institutionelle Anleger in der Defensive. Ihre Risikoscheu habe eine Abwendung von Aktine bewirkt, die hohe Kursschwankungen gegenüber dem Vergleichsindex aufweisen, was vor allem bei Technologietiteln der Fall ist. Zuletzt seien besonders defensive Werte wie Energie-, Versorger- und Pharmaaktien gekauft worden. Sehr volatile Werte werden so pessimistisch gesehen wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.
Steigende Zahl für Aktienrückkauf oder höhere Dividenden
Wie die Umfrage von Merrill Lynch ergeben hat, erwarten nun 59 Prozent der 293 befragten Fondsmanager sinkende Unternehmensgewinne - im Juli gab es noch eine kleine Mehrheit, die bessere Erträge als zuletzt sah. „Das ist das erste Mal seit April 2001, daß Investoren die Entwicklung der Gewinne negativ sehen. Das ist ein wirklicher Kollaps bei der Erwartungen. Sie verabschieden sich von Unternehmensgeinnen und schwenken über zu Barmitteln“, kommentierte David Bowers, Chef-Investment-Stratege von Merrill Lynch, die Angaben.
Eine größer gewordene Gruppe der Fondsmanager spreche sich dafür aus, einen positiven Cash-flow zu nutzen, um Aktien zurückzukaufen oder Dividenden zu erhöhen. Ihr Anteil an den befragten Investoren stieg auf 41 Prozent nach 34 Prozent im Juli und 32 Prozent im Juni. „Bei Anleger lautet derzeit das Motto: Zeig´ mir das Geld. Viele von ihnen geben den Glauben an das weltweite Wirtschaftswachstum auf, und als ob mit Barmitteln von Konzernen nichts besseres gemacht werden könnte, wollen sie sie haben“, so Bowers.
Yen gilt bei Hälfte der Befragten als unterbewertet
Amerika wird als Anlageregion zunehmend unbeliebter. 51 Prozent der befragten Investoren nannten die Vereinigten Staaten als jenen Teil der Welt, in den sie derzeit Geld besonders ungern investierten. Im Juli waren es noch 43 Prozent. Die bevorzugte Anlageregion bleibt Japan, das 32 Prozent der Investoren an erster Stelle nennen. Allerdings schwindet die Unterstützung auch für das Land der aufgehenden Sonne: Im Juli gab noch mehr als Drittel der Fondsmanager Japan den Vorzug vor anderen Ländern.
Dazu paßt, daß 45 Prozent der Investoren den Dollar als überbewertet ansehen. Im Juli waren es noch 39 Prozent. Dagegen gilt der japanische Yen bei der Hälfte der Befragten als unterbezahlt. 23 Prozent behaupten dies auch vom Euro, nach 15 Prozent im Juli. Die europäische Gemeinschaftswährung ist also deutlich beliebter geworden.
Lager der Wachstums-Pessimisten wächst
Unverkennbar wächst das Lager der Pessimisten. Eine Mehrheit von 19 Prozent, also 59,5 Prozent der Befragten, erwarten auf Sicht eines Jahres nicht nur ein nachlassendes Wachstum, sondern gar eine schwächere Weltwirtschaft. Im Juni hatte noch eine Neun-Prozent-Mehrheit, also 54,5 Prozent der Befragten, mit einem stärkeren Wachstum gerechnet. Gleichzeitig ist der State Street Confidence Index zuletzt auf 84,3 Zähler gefallen, den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren; sein periodisches Hoch hatte er Ende 2003 mit 109 Punkten erreicht. Der Index bildet das allgemeine Kaufverhalten institutioneller Investoren bei risikoträchtigen Anlagen ab.
Kein klares Meinungsbild hat laut Merrill Lynch die Frage ergeben, wer die amerikanische Präsidentenwahl gewinnen dürfte. Immerhin: Eine relative Mehrheit von 41 Prozent sagte John Kerry, während 37 Prozent mit der Wiederwahl von George Bush rechnen; 22 Prozent legten sich nicht fest.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |