19.05.2004 · Ökologische, ethische und soziale Aspekte spielen für deutsche Privatinvestoren bei der Geldanlage bislang kaum eine Rolle. Jeder Fünfte interessiert sich wenigstens dafür, ergibt eine Umfrage.
Nachhaltige Anlageformen sind bislang für mehr als der Hälfte der deutschen Bevölkerung - genauer 61 Prozent - gänzlich unbekannt. Gerade einmal zwei Prozent glauben, sich gut mit dem Thema auszukennen. Der Rest hat zumindest schon einmal etwas davon gehört.
Die Ergebnisse einer aktuellen, repräsentativen Umfrage von DER FONDS, einem der führenden Fondsmagazine in Deutschlands, in Kooperation mit der F&S Internet Infotainment GmbH zeigen, daß die nachhaltige Geldanlage in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Auf der anderen Seite deutet die Umfrage aber generell durchaus Interesse an sozial-ökologischen Investments an. Jeder Fünfte würde sein Geld gern nachhaltig anlegen.
Anleger interessieren sich durchaus für soziale, ethische oder öklologische Kriterien
Dabei sind für 37 Prozent der Befragten soziale Aspekte, wie beispielsweise der Umgang einer Aktiengesellschaft mit ihren Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden oder Mitbewerbern, am wichtigsten. Für 26 Prozent stehen Umweltfaktoren an erster Stelle, für 22 Prozent ethische Aspekte.
Bei vielen nachhaltigen Geldanlageprodukten sind Negativkriterien ausschlaggebend bei der Investmententscheidung. So wird beispielsweise nicht in Unternehmen aus bestimmten Branchen investiert. Ganz oben auf einer solchen schwarzen Liste stehen bei den Umfrageteilnehmern Unternehmen, die Kinderarbeit einsetzen mit einer Quote von 78 Prozent oder jene, die Menschenrechte verletzen mit einem Anteil von 76 Prozent. Auf Investitionen in die Tabak- oder Alkoholindustrie würde hingegen nur jeder Dritte verzichten wollen. Weitere Ergebnisse der Umfrage können der aktuellen Ausgabe des Magazins entnommen werden.
Dieses Ergebnis deutet darauf hin, daß sich bisher wenige der Anleger Gedanken darüber machen, was mit dem Geld passiert, welches sie den Fondsgesellschaften überlassen. Möglicherweise kann sich das allerdings relativ rasch ändern, wenn sie mehr Informationen über die Hintergründe und die Zusammenhänge erhalten. Allein die zunehmenden Wetterkapriolen könnten zu einer gewissen Nachdenklichkeit führen. Sie werden möglicherweise unterstützt durch Impulse aus einer Richtung, aus der man solche zumindest bisher nicht unbedingt erwartet hätte.
Impulse auch aus Hollywood
Beispielsweise aus Hollywood. Mit seinem neuesten Film “The Day After Tomorrow“ zeigt Regisseur Roland Emmerich recht deutlich, wo es hinführen könnte, wenn sich die Welt beim Energieverbrauch weiterhin so unvernünftig verhält, wie bisher. Sollte sich dieser Ansatz zusammen mit knapper werdenden Reserven und steigenden Energiepreisen zu einem Trend entwickeln, dürften viele Unternehmen zum Umdenken gezwungen sein. Relativ zügig könnten sich Investitionen in innovative Produkte lohnen.
In diesem Sinne können Anleger unter anderem auf so genannte „Nachhaltigkeitsfonds“ setzen. Diese investieren ihr Geld nach bestimmten ökologischen, sozialen oder anderen Kriterien in jene Unternehmen, die zumindest aus dem betrachteten Blickwinkel effizienter und damit besser wirtschaften, als die Konkurrenten. Wer auf solche Werte setzt muß dabei unter Umständen nicht einmal auf eine gute Rendite verzichten.
Nachhaltigkeit lohnt sich auch für Unternehmen
Denn oft sind Unternehmen, die „nachhaltig“ wirtschaften auch noch hoch profitabel. Denn die Ziele Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sind zum Teil sogar komplementär. Beispielsweise dann, wenn ein Unternehmen Kosten senken kann, indem es den Verbrauch von Rohstoffen reduziert oder auch durch intelligente Produktionsprozesse die teure Entsorgung problematischer Abfallprodukte vermeiden kann. Aus diesem Grund schneidet beispielsweise auch Fondsmanger Dieter Küffer von Sustainable Asset Management in Zürich mit seinem „Wasserfonds“ besser ab als der Markt. Siehe auch „Nachhaltiges Investieren zahlt sich aus“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |