18.03.2003 · Fondsmanager halten nach einer Umfrage von Merrill Lynch Anleihen für über- und Aktien für unterbewertet. Sie horten Bargeld und meiden Risiken. Das brisantes Gemisch könnte kurzfristig zu einer Rally führen.
Die Kursgewinne der vergangenen Tage mögen erfreulich sein, Fondsmanager sind allerdings nach einer Umfrage von Merrill Lynch unter 303 Managern alles andere als optimistisch. Sie befürchten, dass die Aktienrally in sich zusammenfallen könnte, sobald klar wird, dass sich der Ausblick auf die globale Wirtschaftsentwicklung nicht deutlich verbessert hat.
"Wenn die Anleger tatsächlich von einer Wachstumsquote um zwei Prozent für die kommenden zwölf Monate ausgehen, fällt es schwer, an eine nachhaltige Aktienrally zu glauben", formulierte Investmentstratege David Bowers die Stimmung. "Die Fondsmanager sind pessimistischer geworden, was die Weltwirtschaft angeht." Angesichts der erwarteten schwachen Unternehmensgewinne erhöhten sie sogar die Barmittelquote ihrer Fonds.
Manager erwarten schwaches Wachstum, halten aber Anleihen für teuer
In Erwartung eines kurzen, entscheidenden Irak-Krieges verzeichneten Aktien in den vergangenen fünf Handelstagen deutliche Kursgewinne. Der Dow Jones Industrial Average legte 7,7 Prozent zu. Der Dax-Index konnte bis zum Dienstagnachmittag knapp 14 Prozent gewinnen, der FTSE 100-Index steht dem mit einem Plus von knapp 13,5 Prozent kaum nach.
Die Fondsmanager gehen davon aus, dass sich die Konjunktur weiter abschwächen wird. Gleichzeitig betrachten sie jedoch Anleihen als zu teuer. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren brachten es in den vergangenen zwölf Monaten auf eine Rendite von durchschnittlich knapp 20 Prozent, während die Börsen vor der jüngsten Erholung massiv an Wert verloren hatten. Der Dax beispielsweise auf Sicht eines Jahres knapp 60 Prozent seines Wertes. 55 Prozent der befragten Fondsmanager erwarten auf Grund dieser Entwicklung nun sinkende Anleihekurse, lediglich vier Prozent setzen auf weiter steigende Kurse. Zwölf Prozent der Marktteilnehmer erwarten in den kommenden zwölf Monaten von Anleihen mehr Rendite als von Aktien.
"Besonders auffällig war die negative Einstellung gegenüber Anleihen", berichtete Bowers, „.. gleichzeitig seien die Wachstumserwartungen gering“. Im Großen und Ganzen beginnen Bärenmärkte bei Anleihen allerdings erst dann, wenn die Wachstumsraten steigen. Und in diesem Zusammenhang erwarten die Fondsmanager lediglich ein nachhaltiges Wachstum von zwei Prozent. Das wiederum wäre nach Bowers Ansicht Grund genug, weiter auf Anleihen zu setzen und Aktien zu verkaufen.
Hohe Bargeldquote, geringe Risikoneigung
Dennoch halten 51 Prozent der Fondsmanager Aktien für unterbewertet. 36 Prozent bezeichnen ihren Wert als angemessen und zwölf Prozent sagen, die Kurse seien zu hoch, lautet das Ergebnis der Studie. Gleichzeitig hat sich der zeitliche Horizont verkürzt und die Risikoneigung hat abgenommen. 47 Prozent aller Befragten geben an, bei der Anlageentscheidung geringere Risiken als normal einzugehen.
Das drückt sich in der Bargeldquote aus, die deutlich gestiegen ist. In der Euro-Zone hatten 35 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben eine höhere Cash-Position, als ihre Benchmark empfiehlt. Im Februar lag die Quote noch bei 22 Prozent. Noch höher war die Quote nur unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, erläuterte Bowers. Diese Kombination mache das Ganze zu einem explosiven Cocktail. Denn das könne zu einer starken taktischen Rally führen, die aber nicht unbedingt Bestand haben dürfte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |