Sie neigen zu einer defensiven Anlageausrichtung, sind aber gleichzeitig nicht pessimistisch genug, um ein „kontraindikatives“ Kaufsignal auszulösen. Trotzdem genügt in diesem Umfeld schon das Ausbleiben negativer Nachrichten, um positiv für die Kursentwicklung an den Börsen zu wirken.
Ist die „Asienphantasie“ überzogen?
All das ist das Resultat der aktuellen Ausgabe der einmal monatlich stattfindenden Umfrage von BofA Merrill Lynch Global unter 293 Fondsmanagern, die zusammen Vermögen im Gegenwert von 606 Milliarden Dollar verwalten. Die Umfrage fand zwischen dem vierten und zehnten Juni statt.
Während die befragten Fondsmanager immer skeptischer auf die Entwicklung in Europa blicken befürchten mehr und mehr, die Wachstumserwartungen in Bezug auf die asiatischen Staaten seien überzogen. 27 Prozent rechnen mit einer schwächeren konjunkturellen Entwicklung in China in den kommenden zwölf Monaten. Das ist diesbezüglich das pessimistischste Ergebnis seit Januar des Jahres 2009.
Die Liquiditätsniveaus in den verwalteten Fonds sind von 4,3 auf 4,1 Prozent gefallen. Das könne jedoch keinesfalls als Kaufsignal gelten, heißt es. Denn die Manager, die für die Aufteilung der verwalteten Geldvermögen auf unterschiedliche Anlageformen zuständig seinen, hätten die Liquidität in ihren Depots so stark übergewichtet, wie das zuletzt im Mai des Jahres 2009 zu beobachten gewesen war. Kennzahlen, die die Risikoneigung erfassten, deuteten eine attraktive Marktverfassung an, allerdings noch keine, die aus technischer Sicht zu Käufen drängen sollte.
Aktien gelten als günstig
Nach Kursverlusten von bis zu zehn Prozent von den jüngsten Zwischenhochs galten Aktien unter 42 Prozent der Fondsmanagern zum Umfragezeitpunkt als so stark unterbewertet, wie sie das zuletzt im März des Jahres 2009 gewesen seien. Trotz der Wachstumsbedenken und des zeitweiligen Ausverkaufs im Rohstoffbereich waren die globalen Schwellenländern die beliebtesten Anlageregionen. Trotz der weit verbreiteten Skepsis wollen - ausgehend auch von veränderten Wechselkurserwartungen - nur noch zwölf Prozent der Fondsmanager europäische Aktien untergewichten, nach 30 Prozent noch im Mai. Dagegen ging der Anteil derer, die amerikanische Papiere übergewichten wollen, von 23 auf zwölf Prozent zurück.
Der Dollar wird inzwischen als „neutral“ betrachtet. Nach 45 Prozent im Mai halten nur noch 14 Prozent der Fondsmanager den Euro für überbewertet - der geringste Wert seit November des Jahres 2006. Die Bedenken, Chinas Wirtschaft werde künftig weniger stark als bisher wachsen, führen dazu, dass nur noch vier Prozent der befragten Vermögensverwalter Rohstoffe in ihre Depots übergewichtet haben.
Unter anderem aufgrund der Ölverschmutzung im Golf von Mexiko sind die Aktien des Energiesektors in den vergangenen Wochen unbeliebter geworden als zuvor. Nach 27 Prozent noch im Mai wird die Branche gemäß der jüngsten Umfrage nur noch von sieben Prozent der befragten Fondsmanager übergewichtet. Das ist die größte Positionsbereinigung in diesem Bereich, die es in der Geschichte dieser Umfrage bisher überhaupt gab. Die mit Abstand beliebteste Branche bleibt der Technologiesektor, während Renditesuchende zum Kauf von Papieren aus der Telekommunikations-, Versorger- und Pharmabranche tendieren. Banktitel bleiben mit einer Untergewichtung in 28 Prozent der Depots weiterhin unbeliebt und können zumindest unter diesem Aspekt als antizyklische Kaufkadidaten gelten.