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Überwindung der Schuldenkrise Fondsgesellschaften setzen wieder stärker auf Aktien

Professionelle Anleger hoffen auf eine Überwindung der Schuldenkrise im nächsten Jahr. DWS-Anlagechef Wöhrmann rät dazu, mehr Risiken einzugehen.

© F.A.Z.

Viele professionelle Anleger setzen für das kommende Jahr auf eine Überwindung der Schuldenkrise im Euroraum. In der europäischen Konjunkturkrise seien wichtige Hürden genommen, sagte Franz Wenzel, Investmentstratege bei Axa Investment Managers am Dienstag in Frankfurt. Gründe für seinen Optimismus seien vor allem das Aufkaufprogramm der Europäischen Zentralbank für Anleihen und die auf den Weg gebrachte Bankenunion.

Allerdings werde eine Rezession im kommenden Jahr Europa prägen. Erst in der zweiten Jahreshälfte sei mit einer Erholung bei geringer Dynamik zu rechnen. „Wenn wir eine schwarze Null im Wachstum in der Eurozone bekommen, dann müssen wir froh sein“, sagte Wenzel.

„Europa verlässt die Intensivstation“

Auch Asoka Wöhrmann, Leiter der Anlagestrategie der DWS, erwartet für das kommende Jahr eine Beruhigung im Hinblick auf die europäische Schuldenkrise. „Europa verlässt die Intensivstation“, sagte Wöhrmann am Dienstag in Frankfurt und beklagte nur eines: „Es gibt zu wenig Lob für die europäischen Anpassungsprozesse.“ In diesem Jahr seien wichtige Fortschritte in der Überwindung der Schuldenkrise erreicht worden.

So hatten die Peripherieländer Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland die Defizite in ihren Leistungsbilanzen so weit gesenkt, dass die wirtschaftlichen Außenbeziehungen dieser Länder bis 2013 ausgeglichen seien. Auch wiesen diese fünf Länder spätestens im kommenden Jahr positive Primärsalden in ihren Staatshaushalten auf.

„Die systemischen Risiken sind nun erst mal vom Tisch, auch wenn die Krisen in der Welt längst nicht gelöst sind“, meinte auch Jens Wilhelm, im Vorstand der Union Investment für die Anlagestrategie zuständig. Mit ihren Interventionen habe die Europäische Zentralbank für Entspannung an den Kapitalmärkten gesorgt und der Politik den Spielraum verschafft, einen belastbaren Rettungsmechanismus aufzubauen.

Aktienjahr mit hoher Nervosität

Diese Perspektive lässt die professionellen Anleger offenbar trotz der verhaltenen Wirtschaftsaussichten für das kommende Jahr positiv stimmen. Weitere Schritte in der Krisenbewältigung würden auf den Kapitalmärkten honoriert werden, ist Wilhelm überzeugt. Europäische Aktien seien hinsichtlich ihrer Bewertung immer noch mit einem Krisenabschlag behaftet, sagte Henning Gebhardt, Leiter des Aktienfondsmanagements der DWS.

Er erwartet, dass deutsche Aktien, gemessen am Dax, von aktuell rund 7.500 Punkten bis Ende kommenden Jahres auf etwa 8.000 Punkte steigen werden. Allein Dividendenzahlungen würden rund 300 Dax-Punkte dazu beitragen. Wöhrmann wie auch Gebhardt erwarten jedoch für 2013 ein Aktienjahr mit hoher Nervosität. „Es kann durchaus sein, dass wir den Dax vorübergehend bei 6.500 Punkten sehen“, sagte Wöhrmann. Union-Stratege Wilhelm hält auch einen Kurszuwachs von 7 bis 10 Prozent für realistisch.

Die Tiberius Asset Management, ein Schweizer Vermögensverwalter mit Schwerpunkt auf Rohstoffen, erwartet für die Aktienmärkte 2013 „auf den ersten Blick gute Nachrichten“, wie es in einer Jahresprognose heißt. Das Weltwirtschaftswachstum werde mit 3,2 Prozent höher als 2012 (2,8 Prozent) ausfallen. Doch die Gewinnerwartungen seien bereits so hoch, „dass ein positives Wirtschaftsszenario vorweggenommen“ sei.

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Tiberius sieht die Aktienmärkte bis Ende 2013 nur wenig verändert. Rohstoffe sollten als Absicherung gegen Geldentwertung sowie geopolitische Risiken weiterhin gefragt sein. Laut Tiberius könnten die Rohstoffpreise, gemessen am Dow Jones UBS Rohstoffindex, im kommenden Jahr ein Plus von 10 Prozent erzielen.

Die meisten Großanleger auf den europäischen Kapitalmärkten gehen offenbar davon aus, dass die Inflationsraten wie auch das Zinsniveau in absehbarer Zukunft niedrig bleiben. In diesem Umfeld bliebe den Anlegern keine andere Wahl, als in Aktien zu investieren, meinte Wöhrmann  - gerade auch im Vergleich zu Edelmetallen: „Aktien sind das bessere Gold“, sagte der DWS-Anlagefachmann.

Zwei Aktienthemen ziehen sich durch die Ausblicke der professionellen Anleger: solide Aktien, gerne auch mit hoher Dividendenrendite, und Schwellenländer. Die DWS beispielsweise setzt stark auf Weltmarktführer oder Unternehmen mit Preissetzungsmacht. Sichere Geldanlagen werfen laut den Großanlegern eine so niedrige Rendite ab, dass sie unattraktiv geworden seien. „Wer sein Vermögen stabil halten will, muss ins Risiko gehen“, sagte Wöhrmann. „Das ist ganz einfach die Realität heute.“

Quelle: F.A.Z.

 
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