Die Vermögensverwalter befinden sich mitten in einem tiefen Umbruch. Die Übernahme des ausländischen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America (BofA) durch die schweizerische Privatbank Julius Bär ist nur das aktuellste Beispiel für diesen Trend.
Wie am Montag mitgeteilt wurde, wird Julius Bär möglicherweise bis zu 860 Millionen Franken für die ehemals zur Bank Merrill Lynch gehörende Sparte zahlen, die - wie Merrill Lynch selbst - infolge der Finanzkrise durch die BofA übernommen wurde. Bereits am Freitag wurde bekannt, dass die französische Großbank Société Générale den amerikanischen Vermögensverwalter TCW, der ein Kundenvermögen von ungefähr 130 Milliarden Dollar verwaltet, an die Beteiligungsgesellschaft Carlyle verkauft.
Belastungen sind überall gleich
Carlyle-Mitarbeiter, die schon vor der geplanten Transaktion an TCW beteiligt waren, sollen ihren Anteil demnach auf nunmehr 40 Prozent aufstocken. Zuletzt gab es außerdem Gerüchte, die schweizerische Großbank UBS prüfe, ihre Vermögensverwaltung mit der des zweitgrößten Vermögensverwalters der Welt, State Street, zusammenzulegen.
Die Gründe für die einzelnen Transaktionen sind nicht immer identisch. Doch die Belastungen, mit denen alle Branchenbeteiligten zurechtkommen müssen, ähneln sich auf der ganzen Welt: schärfere staatliche Regulierung, wachsende Konkurrenz durch Anbieter börsennotierter Indexfonds und schließlich die Zurückhaltung der Anleger, zumindest in den westlichen Ländern.
Zuschüsse nur bei Rentenfonds
In Deutschland beispielsweise haben Privatanleger aus Aktienfonds in hohem Umfang Mittel abgezogen, zeigen die jüngsten Zahlen des Branchenverbandes BVI. Mittelzuflüsse gab es hingegen nur in Rentenfonds, die wiederum mittelfristig mit dem Niedrigzinsumfeld zu kämpfen haben werden.
Dass durch die zunehmende Regulierung zugleich die Kosten steigen, wird in der Branche ebenfalls als Belastung für die Ertragskraft gesehen. Bei der Union Investment beispielsweise haben sich die Aufwendungen für IT-Systeme, Projektarbeiten und die steigende Zahl von Mitarbeitern, die sich mit Regulierung beschäftigen, seit 2007 nahezu verdreifacht, berichtete jüngst Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender der Fondsgesellschaft. Sie betragen derzeit rund 22 Millionen Euro im Jahr. Allein die technische Umsetzung der Abgeltungsteuer hat rund 10 Millionen Euro gekostet.
Wenig Hoffnung für mittelgroße Vermögensverwalter
Nicht selten wird die Ansicht vertreten, dass am Ende einer langwierigen Konsolidierung auf der einen Seite stark spezialisierte kleine Vermögensverwalter übrig bleiben und diesen auf der anderen Seite große Vollsortimenter wie etwa Blackrock gegenüberstehen werden, der in den Vereinigten Staaten beheimatete größte Vermögensverwalter der Welt.
Unter seinem Dach werden Fonds für Privatanleger und institutionelle Investoren ebenso angeboten wie Indexfonds über den von der britischen Bank Barclays während der Finanzkrise übernommenen ETF-Anbieter i-Shares. Diesen Prozess werden viele mittelgroße, aber gesichtslose Vermögensverwalter kaum überleben.
Deutsche Bank arbeitet an neuen Plänen
Große Banken, die über eigene Vermögensverwaltungen und Vertriebswege verfügen, überprüfen derzeit, wie sie sich langfristig aufstellen wollen. Die neue Führungsspitze der Deutschen Bank etwa will im September ihre Pläne dazu vorstellen. Unter dem Dach der größten deutschen Bank befinden sich beispielsweise die Publikumsfondsgesellschaft DWS, die auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Rreef, DB Advisors, Insurance Asset Management und das Private Wealth Management.
Außerdem gehören der Bank infolge der Übernahmen von BHF-Bank und Sal. Oppenheim weitere Vermögensverwalter. Die Vermögensverwaltung der übernommenen Postbank wird derzeit in die DWS eingebracht - gerade in diesem Fall wird ein gängiges Risiko übrigens vermieden: Dadurch, dass die Deutsche Bank den Vertriebsarm mit übernommen hat, ist die Gefahr gering, dass alsbald Postbankkunden den Produkten den Rücken kehren, in denen sie engagiert sind.
Mehr Größe und Stärke zeigen
Inklusive der Indexfondssparte DB X-Trackers nähert sich das gesamte unter dem Dach der Deutschen Bank verwaltete Vermögen der Marke von einer Billion Euro - damit wäre die Deutsche Bank unter den zehn größten Vermögensverwaltern der Welt. In der neuen Strategie der Bank wird es darum gehen, diese Größe und Stärke besser zur Geltung zu bringen.
Damit
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 14.08.2012, 13:38 Uhr