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Veröffentlicht: 02.04.2014, 11:07 Uhr

Über die Frankfurter Börse nach Botswana Bob Diamond will Finanzgeschäfte in Afrika machen

Der ehemalige Barclays-Chef Bob Diamond will ins Bankgeschäft in Afrika einsteigen. Dafür übernimmt er die Mehrheit an der ADC African Development Corporation, die in Frankfurt sitzt und deren Aktien an der Frankfurter Börse notiert sind.

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© AFP Bob Diamond

Das hat die Bankenwelt noch nicht gesehen: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der britischen Großbank Barclays Bob Diamond will ins Finanzgeschäft in Afrika einsteigen und übernimmt die Mehrheit an einer Frankfurter Gesellschaft. Über sein Investmentvehikel Atlas Mara Co-Nvest will sich Diamond die ADC African Development Corporation einverleiben, die ihren Sitz im Grüneburgweg in Frankfurt hat und deren Aktien an der Frankfurter Börse notiert sind. Damit bestätigt Diamond eine Information, die diese Zeitung im Dezember veröffentlicht hatte.

Atlas Mara unterbreitet den Anteilseignern der ADC das Angebot, ihre Aktien zu übernehmen. Allerdings bietet Diamond kein Bargeld, sondern für jede ADC-Aktie 1,25 Atlas-Mara-Aktien. Laut ADC bietet Atlas Mara gegenüber den Schlusskursen von ADC und Atlas Mara vom Freitag eine Prämie von 15 Prozent. Dafür nehmen die ADC-Aktionäre in Kauf, dass sie keine in Euro denominierte Titel halten, die an der Börse Frankfurt gehandelt werden, sondern Aktien in britischen Pfund, die in London notiert sind.

Der 62 Jahre alte Banker war vom Jahr 2005 an Vorstandsvorsitzender der Barclays Bank. Unter seiner Führung baute die Bank nicht nur ihr Afrika-Geschäft stark aus. Er musste im Juli 2012 zurücktreten, nachdem bekanntgeworden war, dass Barclays in milliardenschwere Manipulationen des wichtigen Zinssatzes Libor verwickelt war. Diamond begann daraufhin eine Karriere in der Selbstständigkeit und brachte im Dezember 2013 die Aktien seines Beteiligungsfonds Atlas Mara an die Börse London. Schon damals wurde in Finanzkreisen die Überlegung geäußert, dass Diamond mit diesem Börsengang eine Währung geschaffen hat, um Übernahmen mit eigenen Aktien bezahlen zu können, statt Bargeld auf den Tisch legen zu müssen.

Das Angebot unterliegt dem Vorbehalt, dass Atlas Mara mindestens 50 Prozent der Aktien plus eine Aktie angedient werden. Es ist davon auszugehen, dass Atlas Mara zuvor bei den bestimmenden Anteilseignern von ADC, dem Rohstoffkonzern Trafigura und diversen Hedgefonds-Managern, die Bereitschaft sondiert hat, das Angebot zu unterstützen. Diamond stellt die Bedingung, dass Atlas Mara zusätzlich mindestens 50 Prozent der Aktien an der Banc ABC erhält. ADC kontrolliert über den eigenen Bestand und Poolingverträge mit anderen ABC-Aktionären etwa 54 Prozent der Anteile an der Banc ABC. Diamond strebt an dieser über die ADC und direkt eine Beteiligung zwischen 90 und 100 Prozent an, heißt es in Verhandlungskreisen.

Beteiligungen in Botswana und Nigeria

Schon im Dezember 2013 kündigte Diamond an, dass er über seinen Fonds eine führende Position auf dem afrikanischen Bankenmarkt anstrebt. Finanzdienstleistungen zählen in Afrika zu den am schnellsten wachsenden Branchen und bieten überdurchschnittlich hohe Margen - nicht nur im Vergleich zum Bankensektor in Europa, sondern auch im Vergleich zu anderen Boombranchen in Afrika.

Es ist überraschend, dass sich ausgerechnet in Frankfurt ein Unternehmen findet, mit dem der Einstieg in den schnell wachsenden Markt für Finanzdienstleistungen in Afrika rasch, geräuschlos und unkompliziert möglich ist. Doch ADC besitzt zwei Beteiligungen, die Diamonds Interesse geweckt haben. So hält die Gesellschaft die Mehrheit an der Banc ABC in Botswana, die in mehreren Ländern im südlichen Afrika aktiv ist. Zudem hat ADC unter ihrem Gründer und Vorstandsvorsitzenden Dirk Harbecke eine weitere Beteiligung an der Union Bank of Nigeria aufgebaut. In dem Land ging der Bankenmarkt vor einigen Jahren durch eine schwere Krise. Doch nachdem die Zentralbank viele Kreditinstitute geschlossen und die Regeln verschärft hatte, gilt der nigerianische Bankenmarkt nun als saniert und wieder solide.

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