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Positive Signale der Banken : Der Gewinner ist Frankfurt

UBS-Hochhaus in Frankfurt. Bild: Maximilian von Lachner

Die Schweizer UBS konzentriert Teile ihres Europa-Geschäfts in der Stadt am Main. Das Beispiel könnte unter den Banken Schule machen.

          Der Finanzplatz Frankfurt hat am Donnerstag im Ringen um die Ansiedlung von Großbanken ein überaus positives Signal erhalten. Die Schweizer Großbank UBS hat Frankfurt als Sitz seiner neu gegründeten Europa-Dachgesellschaft gewählt. Damit hat sich Frankfurt nach zweijähriger Prüfung gegen London und Luxemburg durchgesetzt. In der Europa-Holding bündelt die UBS nicht nur die Vermögensverwaltung von acht europäischen Ländern, sondern auch das bisher schon in Deutschland angesiedelte kontinentaleuropäische Investmentbanking. Damit wäre die UBS auch vorbereitet, möglicherweise aus London leichter Investmentbanking-Aktivitäten abziehen zu können, sollte nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU die dortige Bank- und Brokerlizenz nicht mehr für die EU gelten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Entscheidung der UBS für Frankfurt wird im Tauziehen um den Sitz von Auslandsbanken, die bisher von London aus ihr Europa-Geschäft aufziehen, große symbolische Bedeutung beigemessen. So prüft auch die amerikanische Großbank Citigroup wegen des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens eine Expansion in Frankfurt. Teile des bisher in London angesiedelten Aktien- und Derivatehandels von Citi könnten an den Main verlagert werden. Das Geldhaus führe darüber bereits Gespräche mit der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin, heißt es in Finanzkreisen. Citi, die Bafin und die Europäische Zentralbank wollten dies nicht kommentieren. Klar aber ist: Die Bafin führt derzeit viele Gespräche mit Banken und zeigt sich überaus offen, wenn Banken mehr Geschäft nach Frankfurt verlagern wollen.

          Dem Vernehmen nach hatte die UBS den Kandidaten London schon vor dem Brexit-Votum aussortiert. Dass die Entscheidung für Frankfurt und gegen Luxemburg fiel, soll unter anderem mit der Bedeutung Frankfurts als Bankplatz sowie der Bedeutung Deutschlands als wirtschaftliches Schwergewicht in der EU zu tun gehabt haben. Auch die Nähe zur EZB und damit zur Europäischen Bankenaufsicht habe eine Rolle gespielt, heißt es.

          Dass die UBS ihr Europa-Geschäft bündelt, hat mehrere Gründe. Die Bank braucht jetzt außerhalb der Schweiz, von wo aus sie nur eingeschränkten Zugang zur EU hat, nur noch eine Banklizenz und muss sich nur mit einer Aufsichtsbehörde, der Bafin, herumschlagen. Zugleich muss sie in den einzelnen Ländern fortan weniger Eigenkapital vorhalten. Effizienzgewinne versprechen sich die Schweizer überdies aus der vereinheitlichten IT-Plattform. In Summe dürfte das ganze Projekt nach früheren Schätzungen Einsparungen von rund 100 Millionen Euro bringen. Ein Personalabbau ist nicht geplant; die Kundenberater bleiben an Ort und Stelle. Einen nennenswerten Personalaufbau in der Zentrale in Frankfurt soll es aber auch nicht geben. Im Moment arbeiten für die UBS in Deutschland rund 600 Mitarbeiter.

          Unter der Ägide des Deutschland-Chefs Thomas Rodermann wird die neue UBS Europe SE Vermögen von schätzungsweise 200 Milliarden Franken verwalten, wobei die Kunden in Italien, Luxemburg, Österreich, Dänemark, Schweden, Spanien und den Niederlanden weiterhin von den dortigen Niederlassungen betreut werden. Manche Beobachter vermuten, dass der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing, der seit September das Schweiz-Geschäft der UBS führt, früher oder später zusätzlich die Kontrolle über die Europa-Bank übernehmen könnte. Doch ernsthafte Hinweise dazu gibt es bisher nicht. Auch scheint die UBS derzeit nicht zu planen, auch noch das europäische Firmenkundengeschäft in Frankfurt zu bündeln, wohl aber das kontinentale Kapitalmarktgeschäft. „Wir haben im vollen Bewusstsein der Brexit-Diskussion auch die Investmentbank in die SE integriert“, sagte Rodermann dieser Zeitung.

          Jim Cowles, der Europa-Chef von Citi, hatte zuletzt signalisiert, dass seine Bank in Sachen Brexit rasch die Weichen stellen wolle: „Im Laufe des ersten Quartals haben wir unsere Analyse abgeschlossen. Dann beginnen wir, Entscheidungen zu treffen“, sagte Cowles vor zwei Wochen in London. Citi beschäftigt in Frankfurt derzeit mehr als 300 Mitarbeiter im Handelsgeschäft und Investmentbanking. In London, wo die Bank rund 6000 Angestellte hat, solle auf jeden Fall die EuropaZentrale bleiben, sagte Cowles.

          Vor allem amerikanische Großbanken drohen durch den Brexit unter Zugzwang zu geraten: Institute wie Bank of America, Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley haben ihr EU-Geschäft meist stark in London konzentriert und bieten von dort aus Finanzdienstleistungen in ganz Europa an. Doch mit dem Brexit werden ihre Londoner Niederlassungen womöglich den freien Marktzugang auf dem Kontinent verlieren. Eine Reihe internationaler Großbanken hat deshalb signalisiert, Arbeitsplätze von Großbritannien in andere EU-Staaten zu verlagern. Konkrete Ankündigungen gibt es bisher aber nicht.

          Die Briten werden frühestens im Frühjahr 2019 die EU verlassen. Aber Anwälte in London weisen darauf hin, dass Geschäftsverlagerungen großer Geldhäuser ein bis zwei Jahre Vorlauf brauchten, nicht zuletzt wegen der hohen aufsichtsrechtlichen Anforderungen im stark regulierten Finanzgeschäft. Erwartet wird deshalb, dass im ersten Quartal 2017 erste Umzugsentscheidungen getroffen werden. Mehr Zeit hätten die Banken, wenn London und Brüssel frühzeitig eine Übergangsfrist für die Zeit nach dem Brexit vereinbaren. Außer der Finanzbranche wirbt auch die britische Notenbank für eine Schonfrist. Politisch ist diese jedoch hoch umstritten.

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