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Turbulenzen um Hypothekenfinanzierer Hoffen auf die Staatsgarantie

14.07.2008 ·  Die Finanzkrise ist noch nicht zu Ende. Beunruhigend bleibt, dass die schweren Turbulenzen im Bankensektor mit einem starken Anstieg des Ölpreises einhergehen und bei beiden Krisen vorläufig kein Ende abzusehen ist.

Von Bettina Schulz
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Die Finanzkrise hat noch lange nicht ihr Ende gefunden. Das beunruhigende für alle Marktteilnehmer ist, dass die schweren Turbulenzen im Bankensektor genau mit einem starken Anstieg des Ölpreises einhergehen und bei beiden Krisenherden vorläufig kein Ende abzusehen ist.

Die Weltaktienmärkte tauchten diese Woche nach Berechnung des globalen MSCI Welt-Index in einen Bärenmarkt ein, nachdem nahezu alle großen Aktienindizes der Welt 20 Prozent seit Höhepunkt im Herbst vergangenen Jahres verloren haben. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss am Freitag mit 6153,30 Punkten, fast 25 Prozent unter dem Höchststand, den er im vergangenen Jahr erreicht hatte.

Panik um die beiden halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac

Ein Ende des Bärenmarktes ist nicht in Sicht, zumal im Wochentakt neue alarmierende Nachrichten eingehen. Am Wochenende musste der kalifornische Hypothekenverleiher Indymac in einer Notaktion von der Federal Deposit Insurance Corp übernommen werden. Gleichzeitig eskalierte Ende vergangener Woche die Panik um die beiden großen, halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Die beiden Institute bilden das Rückgrat des amerikanischen Hypothekenmarktes.

Das Volumen amerikanischer Privathypotheken beläuft sich derzeit auf etwa 12 000 Milliarden Dollar. Gut 5000 Milliarden Dollar dieses Hypothekenvolumens sind von Fannie Mae und Freddie Mac garantiert oder befinden sich in ihrem Besitz. Dass die Politik einen Kollaps beider Institute zulässt, dürfte wegen der riesigen Summen kaum in Frage kommen, weil dann der amerikanische Hypothekenmarkt zusammenbrechen würde und nicht nur den Vereinigten Staaten, sondern der gesamten Weltwirtschaft würde wohl eine schwere Rezession drohen.

Jeder Marktteilnehmer weiß von diesen Auswirkungen, und die deshalb vermutete Staatsgarantie verhindert einen Kollaps. Die Frage ist nur, wie geht es weiter? Beide Institute befinden sich in einem Teufelskreislauf: Je mehr die Hauspreise sinken, desto größere Ausfallrisiken drohen am Hypothekenmarkt und desto mehr sinkt also der Marktwert der Hypotheken in den Büchern von Fannie Mae und Freddie Mac. Diese Verluste drücken den Aktienkurs. Ein stetig fallender Aktienkurs bedeutet aber, dass eine irgendwann fällige Kapitalaufnahme das Eigentum der bisherigen Aktionäre extrem verwässert. Diese Furcht der Anleger führt zu noch niedrigeren Aktienkursen, was die Fähigkeit der Institute, Kapital aufzunehmen, weiter unterminiert. Die Aktienkurse beider Institute sind allein in diesem Jahr um mehr als 74 Prozent gefallen.

Weder Fannie Mae noch Freddie Mac müssen jedoch sofort Kapital aufnehmen. Sie sind weit von der Unterkapitalisierung entfernt, die eine staatliche Übernahme im Rahmen des "Conservatorship" rechtfertigen würde. Es ist die Panik am Markt, die die Institute erschüttert und die das Management und Finanzminister Henry Paulson am Freitag zu Beschwichtigungen zwang, die Institute seien gut kapitalisiert und hätten ausreichend Zugang zu Liquidität.

Aber in der kopflosen Panik wurde an den Märkten bereits spekuliert, welche Auswirkungen eine staatliche Übernahme der Institute auf die Bonitätsbewertung amerikanische Schuldentitel haben könnte. Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's betonten am Freitag öffentlich, die Höchstbonität des "AAA" sei natürlich nicht gefährdet. Es ist typisch für Bärenmärkte, dass jegliche Negativnachricht ins Irrationale übersteigert wird. Es ist eine Gegenreaktion auf den blinden Optimismus aus der Zeit zuvor.

Anpassungsprozess wird Jahre dauern

In den Vereinigten Staaten vollzieht sich ein schmerzvoller Anpassungsprozess: Während der Kreditblase ermöglichte die extrem laxe und billige Hypothekenvergabe, dass sich etwa 10 Millionen amerikanische Haushalte ein Haus kaufen konnten, die sich unter normalen Kreditbedingungen einen Hauskauf und entsprechende Hypotheken nicht hätten leisten können. Im Prinzip müssen diese Eigentümer wieder in den billigen Mietmarkt geschleust werden. In dem dafür erforderlichen volkswirtschaftlichen Anpassungsprozess müssen die Hauspreise also so weit sinken, dass Investoren Häuser kaufen und zu so extrem niedrigen Mieten auf den Markt geben, dass sich diese zehn Millionen Haushalte diese Mieten auch leisten können. Dieser Anpassungsprozess wird Jahre dauern und viele Hypothekeninstitute auf der Strecke lassen.

Mit Spannung werden Marktteilnehmer darauf warten, wie der Chairman der Federal Reserve, Ben Bernanke, die Situation einschätzt. Er wird am Mittwoch vor dem Bank-Komitee des Senats aussagen und am Donnerstag vor dem Financial Services Committee des Repräsentantenhauses. Die fortdauernde Krise auf dem Hypothekenmarkt und die hohen Energie- und Rohstoffpreise dürften die Nachfrage in den Vereinigten Staaten allerdings so weit dämpfen, dass Bernanke zwar auf die Inflationsrisiken hinweisen dürfte, Zinserhöhungen aber mit Sicherheit nicht ins Auge fassen wird. Dies dürfte den Wechselkurs des Dollar, der Ende der Woche wieder auf 1,59 Dollar zum Euro gefallen ist, möglicherweise sogar weiter schwächen.

Die Spannungen zwischen Iran und Israel, das Ende des Waffenstillstandes der Rebellen in Nigeria und Streiks in der Ölbranche in Brasilien haben den Ölpreis auf einen neuen Rekord von 147,27 Dollar je Barrel (159 Liter) katapultiert - schlechte Nachrichten für die Aktienmärkte.

Eine Wende in diesem Bärenmarkt kommt also erst, wenn abzusehen ist, dass der Ölpreis korrigiert, die Inflation wieder sinkt, die amerikanische Wahl entschieden ist und damit das Säbelrasseln zwischen Iran und Israel aufhört, sich eine endgültige Lösung für Fannie Mae und Freddie Mac abzeichnet, die Quartalsabschreibungen der Banken nachlassen und der drastische Liquiditätsengpass der Banken Ende des Jahres hinter uns liegt. Zumindest kurzfristig ist eine Lösung in keinem dieser Konfliktherde zu erkennen.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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