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Tiefer Fall Zertifikatemarkt rutscht noch tiefer in die Krise

23.01.2009 ·  Das Marktvolumen sinkt von August bis November um mehr als 40 Milliarden Euro. Als Grund dafür wurde eindeutig die Insolvenz von Lehman Brothers gesehen. Die meisten Kunden fühlten sich getäuscht und unzureichend über Zertifikate informiert. Die Branche hat die Pleite noch nicht verdaut.

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Der Zertifikatemarkt hat auch im November seinen tiefen Fall fortgesetzt. Wie aus den neuesten Daten des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) hervorgeht, sank das Marktvolumen im November auf 83 Milliarden Euro. Allein in den Monaten September, Oktober und November ging der Branche in Deutschland somit ein Drittel ihres Marktes und damit mehr als 40 Milliarden Euro verloren.

Während im Oktober noch die fallenden Notierungen an den Aktienmärkten zum Rückgang des in Zertifikaten angelegten Volumens beitrugen, war der Rückgang im November fast ausschließlich auf den Rückzug der Anleger aus Zertifikaten zurückzuführen. Der Verband verweist zwar darauf, dass im November zahlreiche Produkte ausgelaufen seien. Gleichzeitig gab es jedoch auch wieder fast 50.000 Neuemissionen. Außerdem stieg die Zahl der angebotenen Anlage- und Hebelprodukte auf knapp 400.000 und erreichte damit einen neuen Höchstwert.

Stimmung umgeschlagen

Zwar haben auch andere Anlageklassen wie Fonds unter der Krise an den Finanzmärkten zu leiden, das Nettomittelaufkommen in Fonds konnte sich nach einem Einbruch im Oktober im November allerdings wieder leicht erholen.

Das Vertrauen in die Anlageklasse Zertifikate scheint jedoch nachhaltiger erschüttert zu sein. Der starke Einschnitt in den Zertifikatemarkt erfolgte nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers, die auch in Deutschland Zertifikate angeboten hatte. Vielen Anlegern war nicht bewusst, dass sie mit Zertifikaten Inhaberschuldverschreibungen erwerben. Damit leihen sie dem Emittenten des Zertifikats somit quasi Geld, das bei der Insolvenz des Emittenten verlorengehen kann.

Das Fachmagazin „Der Zertifikateberater“ befragt regelmäßig Zertifikate-Emittenten und Anlageberater. Aus diesen Umfragen lässt sich erkennen, dass die Stimmung im September, als Lehman in die Insolvenz ging, radikal umgeschlagen hat. Während im August noch die Mehrheit der Berater und Emittenten von einer eher guten oder zumindest zufriedenstellenden Vertriebssituation am Zertifikatemarkt sprachen, hielten im September vier von fünf Beratern die Situation für eher schlecht oder sehr schlecht. Bei den Emittenten war die Stimmung noch trüber. Im Oktober verdunkelte sich die Stimmung nochmals.

Enttäuscht und schlecht beraten

Als Grund dafür wurde eindeutig die Insolvenz von Lehman Brothers gesehen. Die meisten Kunden fühlten sich getäuscht und unzureichend über Zertifikate informiert. Weit mehr als 90 Prozent der Berater und Emittenten berichteten, sie seien nun sehr viel häufiger auf das Thema Emittentenbonität angesprochen worden als vor der Insolvenz von Lehman. Rund 70 Prozent der Berater und Emittenten gaben an, sehr viele, viele oder zumindest einige Kunden zu haben, die sich nach der Insolvenz von Lehman Brothers komplett aus Zertifikaten als Anlageklasse zurückgezogen haben.

Neben der Enttäuschung über unzureichende Beratung beim Verkauf von Zertifikaten hat jedoch auch die überaus enttäuschende Entwicklung einiger Zertifikateklassen zur Erschütterung des Vertrauens in die Anlageklasse Zertifikate beigetragen. Die Ratingagentur Scope Analysis ermittelte, dass sich Zertifikate über alle Produktspezifikationen hinweg in der Krise schlechter entwickelt haben als die zugrundeliegenden Aktien oder Aktienindizes. Gerade Bonuszertifikate entpuppten sich in dieser Hinsicht als besonders schlecht.

Miserable Erfahrungen

Alleine im Oktober verloren drei Viertel der Bonuszertifikate auf den Dax ihren Kapitalschutz und damit ihren Anspruch auf eine Bonuszahlung. Den Anlegern war je nach Anbieter jedoch in Aussicht gestellt worden, Produkte für „jedes Börsenwetter“ oder zumindest eine Absicherung für rauhe Zeiten erworben zu haben. Die Anleger partizipieren bei Bonuszertifikaten oft nur begrenzt an Kursgewinnen der zugrundeliegenden Aktien oder Indizes und müssen meistens auf eine Dividendenzahlung verzichten, um dafür einen Schutz vor Kursverlusten zu erhalten.

Der Anteil der Bonuszertifikate am Gesamtmarkt ist nach den miserablen Erfahrungen der Anleger im November auf 11 Prozent gesunken. Ein Jahr zuvor lag er noch bei 21 Prozent. Die einzige Zertifikategattung, die sich in der Gunst der Anleger in der Krise behaupten konnte, waren Garantiezertifikate. Hier ist zumindest das eingesetzte Kapital des Anlegers geschützt, unabhängig davon, wie tief der Kurs des Basiswerts fällt. Der Anteil der Garantiezertifikate am Gesamtmarkt lag im November mit 51 Prozent rund 20 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.

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