09.06.2009 · Die Zertifikatebranche verspricht viel, doch die bunten Strukturen muss letztlich der Anleger bezahlen. Anders könnten die Emittenten die Produkte gar nicht darstellen - und vor allem würden sie daran nichts verdienen.
Von Daniel MohrGlaubt man den Namen und den Produktbroschüren der Zertifikatebranche, kann mit der Geldanlage in deren Produkten eigentlich gar nichts schiefgehen. Geradezu übervorteilt wird der Anleger mit besonders günstigen Einstiegskonditionen (Best Entry), einer dynamischen Entwicklung (Express), einer attraktiven Rendite ohne Übermut (Maxirend Control), keinem Verlustrisiko (Garant), dem ein oder anderen Leckerbissen während der Laufzeit (All Time High Lock In) und natürlich einem wunderbaren Abschied aus dem Zertifikat (Best End).
Würden alle Aspekte kombiniert, entstünde tatsächlich ein attraktives Produkt. Doch das gibt es nicht. Jeden der Vorteile muss der Anleger teuer bezahlen - anders könnten die Zertifikateemittenten die Produkte gar nicht darstellen, und vor allem würden sie daran nichts verdienen.
Die Rendite wird kräftig beschnitten
Vorne angefangen, ermöglicht ein Best-Entry-Zertifikat möglicherweise tatsächlich einen besseren Einstieg in den Aktienmarkt, als wenn der Anleger einfach nur ein Indexfonds oder eine Einzelaktie kaufte. Im Gegenzug wird dem Anleger aber kräftig die Rendite beschnitten. Von nächster Woche an geht die fünfte Generation der Bayern-LB-Best-Entry-Anleihe in die Zeichnung (Isin DE000BLB5LN0). Der Anleger partizipiert an der Entwicklung des Euro Stoxx 50 und bekommt einen „Best Entry“, indem nach sechs Monaten Laufzeit ein Durchschnittskurs gebildet wird, der den Einstiegskurs des Anlegers darstellt.
Sollten also nach Auflage des Zertifikats bis Mitte Dezember die Aktienkurse gefallen sein, bekommt der Anleger einen günstigeren Einstiegskurs als derzeit, sind sie gestiegen, ist der Einstiegskurs höher. Diesen zweifelhaften Vorteil bezahlt der Anleger mit dem Verzicht auf Dividenden, denn er partizipiert am Euro Stoxx 50, einem Preisindex, der Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt. Außerdem wird der Gewinn am Ende der Laufzeit von viereinhalb Jahren auf höchstens 30 Prozent begrenzt, was 5,8 Prozent im Jahr entspricht. Immerhin hat der Anleger zum Laufzeitende eine Kapitalgarantie.
Verlustbegrenzung nur am Ende der Laufzeit
Deutlich höhere Renditechancen, wenn auch bei Inkaufnahme eines erheblich größeren Risikos, bietet das Best-Entry-Emerging-Markets-Zertifikat von Morgan Stanley (Isin DE000MS8FF77). Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 26. Juni. Das Zertifikat basiert auf dem iShares-Indexfonds MSCI Emerging Marktes. Als Einstiegskurs wird der niedrigste Indexstand zwischen dem 26. Juni und dem Jahresende genommen, mindestens allerdings 80 Prozent des Niveaus von Ende Juni. Am Ende der Laufzeit von drei Jahren bekommt der Anleger je nach Entwicklung des Indexfonds höchstens 165 Prozent des Einstiegsniveaus. Allerdings gibt es hier keine Verlustbegrenzung.
Die versprechen viele Garantiezertifikate - jedoch nur zum Ende der Laufzeit. Außerdem lassen sich in den Produkten zu den aktuellen Marktkonditionen nur sehr dürftige Partizipationsraten an steigenden Aktienkursen darstellen, so dass die Garantie aus Sicht des Anlegers teuer bezahlt wird. Seit es an den Aktienmärkten kräftig bergauf geht, bewegte sich der Index für Garantiezertifikate kaum von der Stelle.
Sind die Kursverluste zu hoch, muss sie der Anleger schultern
Doch auch während der Laufzeit stellen dem Anleger einige Zertifikate steigende garantierte Rückzahlungsbeträge in Aussicht. Zwischenzeitlich erreichte vorher definierte Kursschwellen werden „eingelockt“. So hat die Deutsche Bank im April eine Rolling-Lock-In-Anleihe (Isin DE000DB0WJ18) aufgelegt. Der Anleger partizipiert an der Entwicklung des Euro Stoxx 50. Monatliche Gewinne sind jedoch auf höchstens 6 Prozent begrenzt, während Monatsverluste komplett in die Wertentwicklung des Produktes eingehen. Kann dieser Malus überkompensiert werden und es werden 106 Prozent des Anfangswertes erreicht, wird dies als garantierter Auszahlungsbetrag „eingelockt“. Selbiges geschieht anschließend beim Überschreiten jeder Zehn-Prozent-Hürde. Ob dies eintritt, bleibt allerdings fraglich, denn Indexverluste gehen weit überproportional in die Berechnung ein. Der höchste je eingelockte Betrag kommt nach 5 Jahren Laufzeit zur Auszahlung, mindestens wird aber immerhin das eingesetzte Kapital zurückgezahlt.
Für den Anleger, der einigermaßen ratlos ist, wie sich die Aktienmärkte künftig entwickeln werden, hat die Zertifikatebranche Twin-Win-Zertifikate ersonnen. Sie suggerieren den Vorteil, dass der Anleger sowohl bei steigenden wie auch bei fallenden Aktienkursen beachtliche Renditen erzielen kann. Bedingung ist allerdings, dass die Kursverluste nicht allzu hoch ausfallen, sonst muss der Anleger sie komplett schultern. Zudem sind die Gewinne nach oben begrenzt. Außerdem geht der Anleger leer aus, falls sich die Aktienmärkte seitwärts bewegen.
Für Anleger, die öfter einmal mit ihrer Markteinschätzung danebenliegen, könnten rein namenstechnisch Double-Chance-Zertifikate eine gute Wahl sein. Wer jedoch hofft, eine weitere Chance auf eine gute Rendite zu haben, sieht sich getäuscht: Bis zu einer bestimmten Obergrenze profitiert der Anleger hier lediglich doppelt von steigenden Kursen, Verluste trägt er komplett selbst.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |