25.07.2007 · Die Finanzwerte zeigen sich schwach und einige Indikatoren deuten kurzfristig auf einen überkauften Markt hin. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Dow Jones wieder über die 14.000-Punkte-Marke klettert, denkt Mark Arbeter von S&P
Von Mark ArbeterDie wichtigen Marktindizes der amerikanischen Börse stellten in der vergangenen Woche erneut knappe Rekorde auf, wobei sich der Dow Jones Industrial Average (DJIA) mit einem hauchdünnen Abstand an der 14.000-Punkte-Marke vorbei stahl. Die Rohölpreise legten weiterhin zu, während die Renditen der Staatsanleihen auf unter 5 Prozent fielen.
Aus Erfahrung glauben wir bei jedem wichtigen Aktienindex, der sich auf einen signifikanten früheren Höchststand oder eine große runde Zahl zu bewegt, dass ein Pullback immer wahrscheinlicher wird. Dies geschah am Freitag, als der DJIA von knapp oberhalb der 14.000-Punkte-Marke abrutschte. Zudem kletterte im Gefolge des kämpfenden DJIA der S&P 500 am Donnerstag auf ein neues Intraday-Hoch von 1.555,20 und ließ damit den innerhalb eines Tages erreichten Höchststand vom 24 März 2000 verblassen, der bei 1.553,11 lag. Aus technischer Sicht war es nicht verwunderlich, dass es am Freitag zu einigen Gewinnmitnahmen kam, da es beide Indizes mit einer Form des Widerstands zu tun hatten.
„Runde Indexstände“ oder Höchststände sind in der Tendenz bedeutungslos
Während wir signifikante Kursrekorde durchaus für äußerst aussagekräftig halten, sind große runde Zahlen oder psychologische Höchststände eher als bedeutungslos einzustufen. Unserer Ansicht nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der DJIA wieder oberhalb der 14.000-Punkte-Marke befindet. Darüber hinaus messen wir Intraday-Hochs weit weniger Bedeutung bei als den Hochs am Ende eines Tages.
Der S&P 500 testete in dieser Woche den jüngsten Breakout-Bereich, der relativ charakteristisch ausfiel. Der Index fiel am Mittwoch auf 1.533,67 Punkte und stellte das jüngste Intraday-Hoch von 1.534,26 am 9. Juli auf den Prüfstand. Aufgrund der Baissetendenzen vom Freitag müssen wir jedoch vor einem gescheiterten Breakout auf der Hut sein. Der S&P 500-Index muss sich bei Handelsschluss stets oberhalb der 1.530-Zone halten, damit es nicht zu einem Scheitern des Breakouts kommt. Oftmals können misslungene Breakouts mittelfristig als Zeichen für signifikante Wendepunkte gewertet werden. Natürlich gelingt nicht immer alles, und wenn wir uns das Risiko eines Kursrückgangs für den S&P 500 anschauen, so muss man unserer Ansicht nach zunächst eine ganze Reihe gleitender Durchschnittswerte und ein hohes Maß an Chartunterstützung im Bereich von 1.490 bis 1.530 Punkten herausnehmen, bevor sich die wahren technischen Zeichen tatsächlich verschlechtern.
Längerfristig glauben wir nach wie vor an einen positiven Trend. Der S&P 500 wird im Verlauf der kommenden Monate rasch in den Bereich zwischen 1.620 und 1.650 vordringen. Wie wir in der vergangenen Woche dargelegt haben, hat der Index, basierend auf der Spanne des Pullbacks im Februar und März, bereits die erste Fibonacci-Extension erreicht und überschritten. Beim nächsten Fibonacci-Ziel wird die Spanne des Pullbacks genutzt und mit 1,618 multipliziert, um eine Ausweitung des Breakout-Punkts um 158 Punkte zu erzielen. Hierdurch würde eine verstärkte Bewegung auf die 1620-Punkte-Marke anvisiert werden. Zudem besteht ein Trendlinien-Widerstand, der von der Serie von Höchstständen des ausgehenden vergangenen Jahres sowie des beginnenden aktuellen Jahres herrührt und bis in den 1620-Punktebereich hinein für Widerstand sorgen würde. Ebenso gibt es eine Trendlinie, die die Zone oberhalb von 1.650 Punkten in der zweiten Augusthälfte möglicherweise aufstocken könnte.
Vorsichtigerer Ausblick auf die nähere Zukunft
Der technische Hintergrund des Aktienmarkts fällt derzeit nicht so optimistisch aus wie vor ein paar Monaten, als die meisten der von uns untersuchten Indikatoren lautstark zum Kauf aufriefen. Dies veranlasst uns, im Hinblick auf die nahe Zukunft eine etwas vorsichtigere Haltung einzunehmen. Während sich der Markt in der letzten Zeit extrem belastbar präsentierte, was wir als sehr positiv werten, hält sich das Chaos bei den Finanzwerten äußerst hartnäckig. Dies sollte sorgfältig beobachtet werden. Der Finanzsektor macht 20,4 Prozent des S&P 500 aus und ist der größte der neun SPDR-Sektoren. Er ist der einzige Sektor, der in diesem Jahr einen Verlust verzeichnete. Verbessert sich die Leistung des Sektors nicht, so könnte dies unserer Ansicht nach einer Aufwärtsbewegung der Aktienkurse Einhalt gebieten. Ein schlecht funktionierender Finanzmarkt erwies sich über die Jahre so manches Mal als schlechtes Zeichen für den gesamten Aktienmarkt.
Vom 19 Juli an sind in diesem Jahr 19 von 75 Aktien im SPDR des Finanzsektors (XLF) um mindestens 10 Prozent eingebrochen - eine etwas beunruhigende Statistik. Der XLF gab am 20. Juli um weitere 2 Prozent nach und erreicht nun nahezu das Schlusstief von 34,84 Zählern im März. Ein kräftiger Einbruch unter die Tiefstände des Monats März würde einen technischen Absturz in eine Baissebewegung bedeuten und eine recht große Doppel-Top-Formation vollenden. Basierend auf der Breite des Doppel-Tops wäre dann für den XLF eine zusätzliche Abwärtsbewegung von etwa 10 Prozent zu erwarten. In einem wöchentlichen Chart testet der Sektor derzeit den langfristigen Trendlinien-Widerstand des Jahres 2005. So versteht es sich von selbst, dass der Finanzsektor technisch in einem wichtigen Bereich angesiedelt ist.
Technische Indikatoren deuten eine „überkaufte“ Situation an
Mit steigendem Markt verbessert sich im Allgemeinen die Meinung der Anleger. Die Put/Call-Verhältnisse sind ein Abbild dieses steigenden Optimismus im Hinblick auf den Markt, da die Anleger vermehrt auf steigende Aktienkurse setzen und Call-Optionen kaufen. Dies wird deutlich, wenn man einen Blick auf das ausschließlich auf Aktienkapital bezogene Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Optionsbörse CBOE wirft. Das 10-tägige Equity-Only-Put/Call-Verhältnis ist von einem kürzlich verzeichneten Höchststand von 0,82 am 14. März auf einen neuen Tiefstand von 0,54 eingebrochen. Dies wird als überkauftes Niveau gewertet und entspricht dem niedrigsten Wert seit Februar 2006. Es lässt sich nie voraussagen, wie tief das Put/Call-Verhältnis während eines mittelfristigen Kursgewinns sinken wird. So fiel dieses Maß im Juli 2005 auf 0,50 und im Januar 2004 auf 0,49.
Man kann jedoch sagen, dass es auf seinem derzeitigen Niveau viel näher an die historischen Tiefstände der jüngsten Zeit heranreicht und daher als überkauft betrachtet werden muss. Zugang zu den Put/Call-Verhältnissen und deren Einfluss auf den Aktienmarkt gewinnt man, indem man den Gesamttrend beobachtet. Oftmals endet ein mittelfristiger Aufwärtstrend am Aktienmarkt erst dann, wenn sich der Trend der Put/Call-Verhältnisse nach oben umkehrt. Dies ist noch nicht geschehen.
Intern haben wir im ARMS-oder TRIN-Index einige überkaufte Niveaus festgestellt. Der 5-tägige TRIN-Index der New Yorker Börse brach am 17 Juli auf 3,65 ein, das überkaufteste Niveau, das dieses Maß seit dem 18. Mai erreicht hatte. In einem erweiterten Markt führten Werte unter 4,00 im Verlauf der vergangenen Jahre zu Pullbacks des Marktes. Der 5-tägige Nasdaq TRIN-Index sank am Dienstag auf 3,20, den niedrigsten und überkauftesten Wert seit Januar.
Letztendlich glauben wir, dass die wesentlichsten technischen Faktoren von einer längerfristigen Perspektive aus betrachtet nach wie vor auf eine Hausse hindeuten. Die Gesamtzahl der leerverkauften Aktien der NYSE befindet sich auf einem Rekordhoch, individuelle Anleger zeigen sich noch immer vorsichtig, die wichtigen Indizes weisen hohe Leerverkäufe auf und es gibt reichlich Medienberichte über ein baldiges Ende des Bullenmarkts.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |