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Technische Analyse Holprige Wegstrecke voraus

22.06.2006 ·  Viele Standardindizes haben ihre Haussetrends verlassen. Aus technischer Sicht sollte sich die Korrektur noch ausweiten, meint Achim Matzke von Commerzbank Corporates & Markets.

Von Achim Matzke
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Viele europäische Standardwerteindizes haben in den letzten gut drei Jahren seit März 2003 eine Haussebewegung durchlaufen, wobei sich besonders ab August 2004 idealtypische Hausse-Trends ergeben hatten. In den letzten Wochen sind ausgewählte Indizes wie der EuroStoxx 50, der französische CAC 40, der Deutsche Aktienindex Dax, der britische FTSE 100 und der spanische Ibex 35 aus ihren Hausse-Trends oder ihren beschleunigten Aufwärtstrends bei hohen Volumina mit Gewinnmitnehmen-Signalen herausgelaufen.

Aus technischer Sicht sind diese Indizes damit in eine Korrektur auf die vorherigen Hausse-Gewinne eingetreten, so daß zunächst eine Korrekturausweitung anstehen sollte. Insgesamt bleibt festzuhalten, daß durch die Hausse-Trends der letzten gut drei Jahre einerseits die negativen Übertreibungen der Baisse-Jahre 2000 bis 2003 aufgearbeitet wurden, andererseits mit dem Verlassen dieser Hausse-Trends aus technischer Sicht die Zeit der erzielbaren überproportionalen Renditen an den Aktienmärkten im Vergleich zu anderen Anlageklassen vorerst ausgelaufen sein sollte.

EuroStoxx 50: Den Hausse-Trend verlassen

Der EuroStoxx 50 hatte von 2000 bis 2003 eine Baisse (Kursrückgang von 5.500 bis auf 1.847 Punkte) durchlaufen, die im März 2003 mit einem Ausverkauf („Sell-out“) endete. Danach ergab sich zunächst ein Comeback-Trend (Kursanstieg bis 2.965 Punkte). Im ersten Halbjahr 2004 lief der Index in eine mittelfristige „Flaggen-Konsolidierung“ (trendbestätigender Charakter nach oben) hinein. Ausgehend von rund 2.560 Punkten im August 2004, wechselte der Index dann in einen idealtypischen Hausse-Trend (Wechsel von Investmentkaufsignalen, mittelfristigen Aufwärtstrends und trendbestätigenden Konsolidierungen). Dieser Trend, der von August bis Oktober 2005 durch eine Konsolidierung im Bereich 3.200 (Unterstützung) bis 3.400 bis 3.430 Punkten (alter Widerstand, jetzt Unterstützungszone) unterbrochen wurde, war von einer Hausse-Trendlinie direkt an der 200-Tage-Linie begleitet. Beim EuroStoxx 50 mündete die Aufwärtsbeschleunigung zum Jahreswechsel 2005/06 unterhalb der Widerstandszone um 3.880 bis 3.900 Punkten bereits in eine „Keil-Formation“, die im Regelfall eine Kurskorrektur vorbereitet.

Im Mai ist der Index mit einem Gewinnmitnehmen-Signal aus diesem Keil herausgefallen und hat im Zuge der begonnenen Gegenbewegung auch den bei rund 3.600 Punkten liegenden Hausse-Trend verlassen. Aus übergeordneter technischer Sicht hat der Index damit den Hausse-Trend in eine Korrektur, die sich zeitlich und räumlich noch ausdehnen sollte, verlassen. Einerseits hat der Index mit dem gestaffelten Bereich von 3.200 bis 3.430 Punkten eine mittelfristige technische Unterstützungszone, andererseits deutet die klare mittelfristige technische Eintrübung an, daß auch eine Kurserholung nur begrenzt sein sollte. Nach drei Jahren Hausse sollte der Index in eine holprige Wegstrecke eingebogen sein.

Dax: Unterstützungszone bei 5.100 bis 5.150 Punkten

Der Dax wies im Zeitraum 2000 bis 2004 im Vergleich zum EuroStoxx 50 eine analoge technische Gesamtlage auf, nur mit dem Unterschied, daß die Baisse- und Hausse-Trends von einer höheren Kursdynamik geprägt waren. Die Baisse (März 2000 bis März 2003) ergab einen Gesamtkursrückgang von 8.135 bis 2.190 Punkten. Demgegenüber brachte der Comeback-Trend des Jahres 2003 auch fast eine Kursverdoppelung von 2.190 auf 4.175 Punkte ein. Ausgehend vom Kurstief bei 3.620 Punkte im August 2004, hat sich im Dax ein ebenfalls idealtypischer Hausse-Trend ergeben, der aktuell bei rund 5.100 Punkten liegt. Beim Dax kam es nach der Konsolidierung (Handelszone zwischen 4.800 und 5.100 Punkte) im Umfeld der Bundestagswahl zu einer Aufwärtsbeschleunigung, wobei der Index an der alten massiven Widerstandszone von 6.100 bis 6.230 Punkten einen Keil herausgebildet hat.

Das Gewinnmitnehmen-Signal vom Mai hat auch den Dax in eine Korrektur geführt, wobei der langfristige Aufwärtstrend und die alte Konsolidierung für eine massive mittelfristige Unterstützungszone im Bereich 5.100 bis 5.150 Punkte sorgen. Auch im Dax signalisiert die technische Gesamtlage ebenfalls, daß die Hausse der letzten drei Jahre zunächst in eine sich ausweitende Korrektur gemündet ist. Hierbei sollte berücksichtigt werden, daß, falls der Dax in den kommenden Wochen/Monaten den Bereich um 5.100/5.150 Punkte nicht verteidigen kann, sich diese laufende Korrektur deutlich verschärfen sollte.

FTSE 100: Seitwärtspendelbewegung angedeutet

Der britische FTSE 100 war im Jahr 2001 aus der vorherigen, über zweijährigen Seitwärtsbewegung (Unterstützungszone von 5.800 bis 6.000 Punkte; gestaffelte Widerstandszone von 6.650 bis 6.950 Punkte) in die Baisse gerutscht, die im März 2003 bei rund 3.277 Punkte endete. Nach dem Comeback-Trend des Jahres 2003 (von 3.277 auf 4.600 Punkte) und der mittelfristigen trendbestätigenden Konsolidierung (zwischen 4.290 und 4.600 Punkte) hat der Index seit August 2004 ebenfalls einen idealtypischen Hausse-Trend (lag zuletzt bei rund 5.600 Punkte) etabliert. Hierbei stieg der Index bis in die alte massive Widerstandszone (ab 6.000 Punkten) hinein, ohne daß es eindeutige technische Hinweise auf ein Überwinden dieser langfristigen Widerstandszone gab.

Begleitet von mehreren Gewinnmitnehmen-Signalen, ist der Index ab Mitte Mai aus dem Hausse-Trend herausgefallen, wobei es zu einer ausgeprägten Eintrübung der Marktbreite unter den britischen Standardwerten gekommen ist. Beim britischen FTSE 100 deutet die übergeordnete technische Gesamtlage an, daß der Index an oder unterhalb der massiven, langfristigen gestaffelten Widerstandszone (beginnend mit dem Bereich von 5.800 bis 6.000 Punkten) in eine Korrektur in Form einer Seitwärtspendelbewegung hineinlaufen sollte.

Ibex 35: Mehrmonatige Korrektur möglich

Der spanische Standardwerte-Index Ibex 35 hatte im europäischen Vergleich sowohl eine idealtypische Baisse (von März 2000 bis Oktober 2002; von 12.840 auf 5.266 Punkte) wie auch eine dreijährige idealtypische Hausse (von März 2003 bis Mai 2005) durchlaufen. Diese Haussebewegung - beginnend bei rund 5.500 Punkten - wurde von einem 38 Monate bestehenden Hausse-Trend (Hausse-Trendlinie zuletzt bei rund 11.500 Punkten) begleitet.

Nachdem der Index mit einem Jahrestop von rund 12.100 Punkten fast bis an die langfristige Widerstandszone in der Nähe der historischen Top-Kurse gestiegen war, ist der Index jetzt mit einem sehr ausgeprägten Gewinnmitnehmen-Signal aus dem 39monatigen Hausse-Trend herausgefallen. Als Konsequenz sollte eine mehrmonatige Korrektur zum Abbau der mittelfristig stark überkauften Lage eingeplant werden, wobei der Bereich von 10.200 bis 10.500 Punkten einen massiven mittelfristigen Unterstützungsbereich darstellt.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

Quelle: F.A.Z., 23.06.2006, Nr. 143 / Seite 24
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