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Technische Analyse Anleiherenditen im Auge behalten

11.07.2007 ·  Die Volatilität an den internationalen Finanzmärkten hat zugenommen. Nach Ansicht der Analysten von S&P werden die Geschicke des Aktienmarkts in den kommenden Wochen vom Anleihemarkt gelenkt.

Von Mark Arbeter
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Ausgehend von seinen jüngsten Tiefs setzte der Aktienmarkt seine Rally fort, allerdings mit begrenzten Zugewinnen, was nach unserer Ansicht auf höhere Anleiherenditen und gestiegene Ölpreise zurückzuführen ist. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen prallte vom Bereich um fünf Prozent nach oben ab und schloss die vergangene Woche unweit von 5,2 Prozent, während sich Rohöl auf knapp 73 Dollar pro Barrel verteuerte. Wir gehen davon aus, dass sich die Aktienindizes diesem zwischen den Märkten aufbauenden Druck beugen werden.

In den kommenden Wochen dürften die Geschicke des Aktienmarkts nach unserer Einschätzung in den Händen des Anleihemarkts liegen. Die zehnjährigen Staatsanleihen vollzogen eine sehr schnelle Gegenbewegung, mit der die am 7. Juni entstandene Lücke nahe fünf Prozent geschlossen wurde; anschließen kehrten sie rasch wieder zu ihrem primären Aufwärtstrend zurück. Wir sehen die Zehnjahresanleihen auf dem Weg zu einem entscheidenden Test der jüngsten Renditehochs zwischen 5,25 und 5,30 Prozent, wobei die Unterstützung in der Zone um 5,25 Prozent halten und die Renditen wieder talwärts schicken dürfte.

War der Anleihe-Pessimimus zu ausgeprägt?

Wir gehen davon aus, dass sich hinsichtlich der Renditen einige negative Momentumdivergenzen ausbilden werden, die auf die Möglichkeit einer bevorstehenden weiteren Kehrtwende hindeuten. Darüber hinaus verlagert sich die Stimmung gegenüber dem Anleihemarkt zusehends in pessimistische Gefilde, was aus entgegengesetzter Sichtweise positiv für die Staatsanleihen sein könnte. Laut Consensus-Umfrage sank die optimistische Stimmung gegenüber Anleihen während der vergangenen zwei Wochen auf 25 und 26 Prozent - kein gutes Zeichen für Anleihen. Dieses Ausmaß an Pessimismus war zum letzten Mal gegen Ende März 2005 zu beobachten, als die Anleiherenditen einen mittelfristigen Höchststand markierten

Nach der Umfrage von MarketVane liegt der Anteil der Optimisten gegenüber dem Anleihemarkt bei nur 40 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit September 2003, als sich die Anleiherenditen ebenfalls auf einem mittelfristigen Gipfel befanden. Hinsichtlich Anleihen verzeichnen wir zudem relativ hohe Niveaus von Put/Call-Ratios, ein weiterer Kontraindikator, der häufig mittelfristige Renditehöchststände nach sich zieht.
Wie bereits in früheren Kommentaren erwähnt, gehen wir angesichts des Ausbruchs aus einem seit 1986 zurückreichenden Renditekanal von einem höheren langfristigen Renditetrend aus. Es gab Zeiten, in denen sich Aktien in einem Umfeld steigender Zinsen zumindest zeitweilig prächtig entwickelt haben. Ein zu starker Anstieg der Zinsen erhöht das Risiko auf dem Aktienmarkt jedoch exponentiell. Auf kurze bis mittlere Sicht rechnen wir indes mit einem Einpendeln der Renditebewegungen nach Erreichen der Unterstützung unweit der gegenwärtigen Niveaus, was dem Aktienmarkt einen neuerlichen Aufwärtsschub verleihen könnte.

Während Anleiherenditen mit den Aktienmärkten Katz und Maus spielen, ist der S&P-500 weiterhin in einem Kanal zwischen 1.490 und 1.540 Punkten gefangen. Der Index lief in einen schwachen Trendlinienwiderstand, der sich aus den jüngsten Schlusshochs im Bereich um 1.528 Zähler ableitete. Die als Chartwiderstand dienenden früheren Höchststände sind bei 1.533,70 und 1.539,18 Punkten angesiedelt. Nach unten kommen zwischen 1.513 und 1.515 Zählern einige kurzfristige gleitende Durchschnitte ins Spiel, während sich zwischen 1.496 und 1.504 Punkten mittelfristige Durchschnitte befinden. Eine aus den jüngsten Tiefs gebildete starke Chartunterstützung setzt zwischen 1.484 und 1.490 Zählern ein. Wir gehen zwar weiterhin davon aus, dass der nächste Ausbruch aufwärts gerichtet sein wird, bei einem Durchbruch unter die Zone bei 1.490 Punkten sollte jedoch Chart- und Trendlinienunterstützung im Bereich um 1.460 Zähler greifen.

VIX - „Maßstab für die Anlegerangst“

Eine Möglichkeit zur Messung der Marktstimmung und der erwarteten Kursschwankungen ist der Volatilitätsindex VIX der Chicagoer Optionsbörse (CBOE). Der VIX misst die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungsintensität anhand von Optionspreisen. Da Volatilität häufig mit Finanzturbulenzen einhergeht, wird der VIX auch „Maßstab für die Anlegerangst“ genannt. Der VIX schätzt die erwartete Volatilität mit Hilfe breit gestreuter Ausübungspreise von Optionen auf den S&P-500. Die Berechnung des VIX stützt sich weder auf das Black/Scholes-Optionspreismodell noch auf andere Modelle. Der VIX bedient sich einer neu entwickelten Formel, mit der die erwartete Volatilität auf Grundlage des gewichteten Durchschnitts der Preise von Puts/Calls-aus-dem-Geld ermittelt wird.

Da der VIX auf Optionspreisen basiert und Optionspreise eine Funktion der Kursvolatilität sind, tendiert der VIX bei einem Kursabschwung zum Anstieg, da der Markt üblicherweise schneller absinkt als ansteigt. Volatilitätsindizes (VIX, VXO, VXN, QQV) basieren auf der Geschwindigkeit von Kursbewegungen und sind daher nachlaufende Indikatoren. Mit anderen Worten: sie steigen erst an, wenn sich die Kurse deutlich nach unten entwickeln. Von Zeit zu Zeit ist die Bewegung und/oder das relative Niveau des VIX ziemlich interessant und aufschlussreich.
Seit Jahresbeginn 2005 folgte auf jede Rückkehrbewegung des Marktes ein Anstieg des VIX, was ein normales Verhalten darstellt. Auf jede Erhöhung des VIX schloss sich dann eine Abwärtsbewegung in den Bereich von 10 an, ein historisch gesehen vergleichsweise niedriges Niveau. Nach dem Anstieg im Februar und März sowie vor der letzten Rückkehrbewegung im Juni hielt der VIX jedoch ein höheres Niveau im Bereich zwischen 12 und 15 aufrecht. Gegenwärtig befindet sich der VIX knapp unterhalb von 15 - Optionsanleger wetten also auf eine um 50 Prozent stärkere Bewegung des S&P-500 als noch vor vier Monaten.

Obwohl sich der S&P-500 unweit seines Allzeithochs aufhält und der letzte Rücksetzer nur ein kleines Echo auf dem Radar darstellte, bezahlen Optionsanleger höhere Prämien für die Kurssicherung. Dieses gesteigerte Angstniveau gegenüber dem Aktienmarkt ist in einem Hausse-Markt nach unserer Ansicht ein weiteres positives Stimmungssignal. Interessanterweise war dieses Phänomen auch Anfang 1996 zu beobachten, als der VIX auf ein höheres Niveau kletterte und dort während der gesamten Aufwärtsentwicklung des Marktes bis Ende der Neunzigerjahre verharrte.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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