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Studie Psychologen sind die besseren Aktienanleger

16.01.2006 ·  Gespür für psychologische Einflüsse am Aktienmarkt bringt offenbar mehr Rendite als Rationalität und Trendfolge. Psychologen waren bei einem Experiment unter Beteiligung der Universitäten Bonn und Heidelberg die erfolgreichsten Anleger.

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Ein gutes Gespür für psychologische Einflüsse am Aktienmarkt bringt Anlegern offenbar mehr Rendite als kühle Rationalität und die Investition in Trendwerte. Daher seien Psychologen bei ihrer Anlage wesentlich erfolgreicher als Wirtschaftswissenschaftler, heißt es in jetzt vorgelegten umfangreiche Studie unter Beteiligung der Universitäten Bonn und Heidelberg.

Grundlage war ein Internet-Experiment an 35 deutschen Universitäten mit rund 6.500 Teilnehmern, deren Anlageentscheidungen über mehrere Monate von den Experten beobachtet wurden. Eindeutiger Gewinner waren die Psychologen. Sie erzielten eine Rendite von über acht Prozent und damit nahezu drei Mal so viel wie Wirtschaftswissenschaftler und Physiker. Betriebswirte und Mathematiker landeten im Mittelfeld.

„Herdentrieb“ in Frage gestellt

Der Erfolg der Psychologen hat konkrete Gründe. „Sie mißtrauten überbewerteten Papieren und entschieden sich oft gerade dann gegen eine Aktie, wenn sie vorher von vielen Mitspielern gekauft wurde und dementsprechend teuer war“, sagt Andreas Roider, Mitautor der Studie von der Universität Bonn.

Die Mitspieler mußten sich zwischen zwei fiktiven Aktien A und B entscheiden, von denen allerdings nur eine Gewinn brachte, die andere war eine Niete. Preise im Wert von 11.000 Euro sollten dafür sorgen, daß sich die Mitspieler ernsthaft Gedanken über ihre Entscheidung machten. Vor dem Aktienkauf erhielt jeder Mitspieler Tips eines Investmentbankers, die allerdings nur in zwei von drei Fällen zutrafen. Zugleich konnten die Käufer am Kursverlauf ablesen, für welche Aktien sich die Mitspieler entschieden hatten.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, daß sich Anleger offenbar viel weniger am Kaufverhalten anderer orientieren als angenommen. Bislang ging man eher vom Gegenteil aus. „Nach der Vorstellung vieler Experten verhalten sich Anleger wie Lemminge. Sie kaufen gefragte Aktien und treiben die Kurse so in übertriebene Höhen oder Tiefen“, sagt Roider.

Andere Studien, andere Ergebnisse

Turbulenzen am Aktienmarkt würden häufig mit diesem Herdenverhalten erklärt. „Dabei ist es durchaus möglich, daß sich jeder Anleger unabhängig vom Verhalten anderer zum Kauf entschlossen hat. Jedenfalls ist die Herdentrieb-These fraglich“, sagt Roider.

Diese Theorie wird jedoch nicht von allen Experten geteilt. „Es gibt einen Herdentrieb im Markt, das ist lange bekannt und durch Studien belegt“, sagt Joachim Goldberg vom Frankfurter Finanzdienstleister Cognitrend. Anleger vertrauten oft blind auf vermeintlich wichtige Informationen, und viele bewegten sich ohne jeden Plan im Markt. „Auch der Vergleich spielt eine Rolle: Was macht mein Nachbar, warum ist er erfolgreicher“, sagt Goldberg.

„Bauchgefühl“ berücksichtigen

In der Studie folgten die Akteure jedoch keineswegs blindlings dem Verhalten anderer Investoren. Viele Teilnehmer entschieden sich sogar bewußt dafür, bestehende Trends zu brechen und stabilisierten damit die Kurse. Ein solches Verhalten könne durchaus sinnvoll sein, wenn man glaubt, daß der aktuelle Kurs übertrieben ist und auf irrationalem Verhalten anderer Anleger beruhe, lautet das Fazit. „Gerade die Psychologen hatten ein gutes Gespür für solche Entwicklungen, und das war ausschlaggebend für ihren Erfolg“, sagt Roider.

Unabhängig von den Entwicklungen an der Börse sollten Anleger Ruhe bewahren und Überreaktionen vermeiden. „Es ist immer empfehlenswert, sich zu Beginn des Investments einen Plan zu machen und sich dann auch daran zu halten“, betont Cognitrend-Experte Goldberg. Und für Andreas Roider lehrt die Studie vor allem eines: „Wer kritisch gegenüber einfachen Erklärungen ist, sein Bauchgefühl berücksichtigt und eine gewisse Distanz wahrt, der bringt gute Voraussetzungen mit, um an der Börse erfolgreich zu sein.“

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