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Studie Optionsprogramme von SAP und Infineon benachteiligen Aktionäre

26.09.2005 ·  Nach einer Studie von Union Investment verfehlen einige Dax-Unternehmen wichtige Standards bei der Gewährung von Aktienoptionen. Bei Managern von SAP und Infineon klingelt auch dann die Kasse, wenn sich der Aktienkurs kaum bewegt.

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Nach einer im Herbst 2005 zum wiederholten Male durchgeführten Untersuchung von Union Investment verfehlen zahlreiche Dax-30-Unternehmen noch immer wichtige Mindeststandards bei der Gewährung von Aktienoptionen. „So steigern viele Manager ihr Gehalt auch dann, wenn der Aktienkurs ihres Unternehmens kaum vorankommt, oder die Aktienkurse von Wettbewerbern aus derselben Branche besser abschneiden“, bemerkte Jens Wilhelm als Leiter des Aktienfondsmanagements.

Union Investment überprüfte die Optionsprogramme hinsichtlich anspruchsvoller Mindestrenditeziele, zusätzlicher Eigeninvestments, eines angemessenen Umfangs, der bilanzwirksamen Erfassung sowie weitere Randfaktoren wie die Laufzeit, die Deckelung des maximalen Wertes sowie die Transparenz. Die Studie identifizierte gegenüber der Untersuchung aus dem Vorjahr zehn Unternehmen mit einem besseren und sieben Unternehmen mit einem schlechteren Programm. So verbesserte sich die durchschnittliche Bewertung auf die Note 2,7, nach 2,9 im Vorjahr. Die günstigere Bewertung ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Kosten der Optionsprogramme inzwischen in der Gewinn und Verlustrechnung berücksichtigt werden müssen.

Deutsche Lufthansa, Bayer und BASF führend

Von den 30 Dax-Unternehmen verfügen 22 Gesellschaften über ein an der Aktienkursentwicklung orientiertes Vergütungssystem. Unter diesen 22 untersuchten Unternehmen belegte die Deutsche Lufthansa erneut den ersten Rang. Die Fluggesellschaft überzeugt durch das hohe Eigeninvestment, das die Manager für jede Option leisten müssen. So genießen die Begünstigten lediglich einen Rabatt von 20 Prozent auf die Lufthansa-Aktie, müssen also einen Anteil von 80 Prozent aus der eigenen Tasche bezahlen. Zudem erhalten sie eine Option, die ausschließlich dann zu einer zusätzlichen Vergütung führt, wenn die Lufthansa-Aktie sich besser entwickelt als die Aktien der sieben bedeutendsten Wettbewerber.

Bayer verbesserte sich mit dem neu aufgelegten Optionsprogramm auf den zweiten Rang, nach dem sechsten Platz im Vorjahr. Der Chemiekonzern überzeugt insbesondere aufgrund seiner anspruchsvollen Renditeanforderungen. So muß die Bayer-Aktie eine jährliche Mindestrendite von 4,87 Prozent erreichen und zugleich den EuroStoxx 50 schlagen. Zudem begrüßt Union Investment den hohen Eigenanteil der Begünstigten sowie das sehr kleine Volumen.

Das Optionsprogramm von BASF folgt auf Rang drei aufgrund des hohen Eigeninvestments der Begünstigten und des geringen Volumens des Programms. So wird der Anteilsbesitz der Aktionäre bei Ausübung der Optionen lediglich um maximal 0,7 Prozent verwässert. Zudem erfüllt das Unternehmen zahlreiche Nebenbedingungen. Beispielsweise ist der Wert der Optionen auf das Zehnfache des Eigeninvestments begrenzt. Darüber hinaus zeigt sich BASF außergewöhnlich auskunftsbereit und informiert im Internet täglich über den aktuellen Wert der gewährten Optionen.

SAP, Infineon und FMC tragen die rote Laterne

SAP belegt mit dem Vergütungsprogramm wie im Vorjahr den letzten Platz. „Die geforderte absolute Kurssteigerung von zehn Prozent in fünf Jahren ist ungenügend. Denn dies bedeutet, daß bei einer lediglich 1,9-prozentigen Kurssteigerung pro Jahr bei den Begünstigten die Kasse klingelt,“ so Union-Sprecher Rolf Drees. Die SAP-Manager scheuen zudem den Vergleich mit einem repräsentativen Branchenindex.“ Aufgrund des nochmals erweiterten Berechtigtenkreises erreicht der innere Wert der Optionen bereits 475 Millionen Euro. Auf diese Weise droht das Programm den Anteilbesitz um 7,3 Prozent zu verwässern. „Bedauerlich ist darüber hinaus, daß die SAP-Manager keinerlei Eigeninvestment tätigen müssen, also nicht an möglichen Kursverlusten der Aktie beteiligt werden“, so Drees weiter.

Auch Infineon belegt in der aktuellen Studie abermals einen der hinteren Plätze. Mit dem aktuellen Optionsprogramm beläuft sich das Renditeziel von Infineon auf fünf Prozent in sieben Jahren, was einer Rendite von lediglich 0,7 Prozent jährlich entspricht. Dies ist das niedrigste absolute Renditeziel aller Dax-Gesellschaften. Drees: „Das Programm von Infineon scheut zudem einen Indexvergleich. So profitieren die Manager bei einer sowohl absolut als auch relativ unzureichenden Entwicklung der Aktie. Infineon belohnt damit auch schlechte Leistungen.“ Das Programm von FMC belegt mit einer Gesamtnote von 3,9 den drittletzten Rang. Der Dialysespezialist enttäuscht vor allem angesichts der ungenügenden Renditeziele. Zudem müssen die FMC-Manager keinerlei Eigeninvestments leisten.

Siehe auch: Qualitätsmerkmale für Optionsprogramme

Programme werden immer komplexer

Im Vergleich zu den Vorjahren stellte Union Investment einen Trend zu immer komplexeren Programmen fest. So berücksichtigte die Fondsgesellschaft ausschließlich solche Programme, die sich maßgeblich an der Aktienkursentwicklung orientieren. Hierzu zählen Aktienoptionsprogramme, Stock Appreciation Rights und auch Programme mit Wandelschuldverschreibungen sowie Performance Programme. Dagegen blieben Programme unberücksichtigt, die sich an internen Bemessungsgrundlagen wie beispielsweise der Gewinnentwicklung oder der Gesamtkapitalrendite orientieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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