24.10.2007 · Deutsche institutionelle Anleger mögen Risiken nicht, zeigt eine von Union Investment initiierte Studie. Sie zeigt zudem, dass sich ihr Anlageverhalten von externen Ereignissen beeinflussen lässt, zum Beispiel von der Kreditkrise.
Neben den strategischen Risiken wie zum Beispiel Markt-, Zins- und Währungsrisiken spielen operationale Risiken für die Kapitalanlage institutioneller Investoren offenbar eine wichtigere Rolle als bisher angenommen. Das zeigt eine Studie von Union Investment zum Risikoverständnis institutioneller Anleger.
Die mit Abstand bedeutsamsten Kriterien sind mit einer Nennung von fast 70 Prozent die rechtlichen Risiken, gefolgt von den Sicherheitsrisiken mit 55 Prozent, Umweltrisiken und soziale Risiken halten immerhin noch jeweils 30 Prozent der Befragten für sehr wichtig.
Deutsche institutionelle Anleger mögen Risiken zwar nicht ...
Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der zweiten Studie von Union Investment zum Risikoverständnis institutioneller Investoren, die die Vermögensverwaltungsgesellschaft im Zuge seiner diesjährigen Risikomanagementkonferenz in Frankfurt vorgestellt hat. Erstmals wurde dabei mit der Identifikation verschiedener Risikoarten eine umfassende Risikoinventur vorgenommen.
Im Rahmen Studie hatten Professor Bernd Rudolph vom Institut für Kapitalmarktforschung und Finanzierung der LMU in München und Professor Lutz Johanning von der Otto Beisheim School of Management sowie Christian Funke von der European Business School von Juli bis Mitte August des Jahres 2007 insgesamt 217 institutionelle Anleger mit einem Anlagevolumen von insgesamt neun Billionen Euro zu ihren Risiko- und Anlagepräferenzen befragt.
Die Untersuchung bestätigte, dass das Risikoverständnis der Anleger vor allem durch eine Risikoaversion, also einer gewissen Tendenz zur Vermeidung von Abweichungsrisiken, einerseits sowie durch die Neigung, Verluste in ihrer absoluten Höhe möglichst vermeiden zu wollen, geprägt ist. Zwischen beiden Risikokomponenten besteht ein positiver Zusammenhang. Deutsche institutionelle Anleger sind stark risiko- und zugleich hoch verlust-avers. Nur eine kleine Gruppe toleriert auch größere Verluste und ist Risiken weniger stark abgeneigt. Zu diesen Anlegern zählen besonders viele Banken und Sparkassen.
... sie verhalten sich jedoch prozyklisch
Die Studie zeigt zudem, dass sich das Anlageverhalten der institutionellen Anleger von externen Ereignissen beeinflussen lässt. Die Ertragserwartungen unterliegen gewissen zyklischen Schwankungen. So zeigten sich bei der aktuellen Studie die Folgen der unterschwellig andauernden Kreditkrise deutlich: „Für 50 Prozent der befragten Anleger ist der mit Abstand wichtigste Aspekt heute die Liquidität. Es folgen Rendite mit 26 Prozent und erst an dritter Stelle Sicherheit mit 23 Prozent“, erklärte Professor Johanning.
Das dürfte kaum verwundern. Denn die Risikomanagementsysteme und -manager der Banken und Vermögensverwalter dürften in den vergangenen Jahren nicht nur die Bonität vieler synthetischer Produkte über-, sondern vor allem auch ihre Intransparenz und Illiquidität völlig unterschätzt haben. Auf diese Weise zeigt sich einmal mehr, wie fahrlässig und blind viele Institute in ihre angeblich so sicheren Modelle vertrauen.
So dürfte es kaum verwundern, dass sowohl Banken als auch Vermögensverwalter entgegen jedem gesunden Menschenverstand wie Lemminge immer wieder auf spekulative Exzesse hereinfallen. Die Schließung von Fonds und die bisher zu beobachtenden und sehr wahrscheinlich in noch größerem Ausmaß noch kommenden Mega-Abschreibungen auf verbriefte Kredite sprechen für sich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |