15.01.2007 · Im dritten Quartal war die Stimmung der Kleinaktionäre noch lausig, obwohl der Markt die Korrektur vom Mai und Juni längst wieder verdaut hatte. Jetzt nimmt der Optimismus wieder zu. Von Euphorie ist aber noch nichts zu spüren.
Privatanleger reagieren mit erheblicher Verspätung auf Änderungen an den Finanzmärkten. Diese These untermauert eine Umfrage von Union Investment zum Anlegerverhalten. So beurteilten viele Anleger erst im vierten Quartal 2006 die Entwicklung der Aktienmärkte wieder positiver, nachdem im Stimmungsbarometer des Vorquartals noch keine Anzeichen für den damals schon eingetretenen Aufschwung erkennbar waren.
Jüngst waren 49 Prozent der deutschen Anleger der Meinung, dass die Aktienmärkte auf Sicht von sechs Monaten steigen werden. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und die der eigenen wirtschaftlichen Situation sehen die Anleger allerdings wieder pessimistischer.
Aktienmarkt: Pessimisten in der Unterzahl
Die Zahl der Optimisten am Aktienmarkt liegt immer noch niedriger als mit 53 Prozent im ersten und 54 Prozent im zweiten Quartal 2006, aber deutlich höher als im dritten Quartal (42 Prozent). Nur noch 23 Prozent der Befragten glauben an eine Seitwärtsbewegung der Märkte (29 Prozent im Vorquartal), 18 Prozent erwarten eine leicht oder stark fallende Tendenz. Damit ist die Einschätzung der Aktienmärkte mit einiger Verspätung der Marktentwicklung gefolgt.
Seit Anfang 2001 lässt Union Investment durch das Marktforschungsinstitut Forsa quartalsweise eine Erhebung zum Anlageverhalten durchführen. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Die aktuelle Befragung für das vierte Quartal 2006, deren Ergebnisse am Montag veröffentlicht wurden, fand vom 7. bis 14. November statt.
Viele wollen auf Marktschwankungen reagieren
Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass der Optimismus wieder bei den Privatanlegern ankommt: Mit 29 Prozent wollen so viele Befragte Konsequenzen aus ihrer Einschätzung der Aktienmärkte ziehen wie seit Ende 2004 nicht mehr. Parallel dazu sinkt auch die Anzahl derer, die aufgrund ihrer Einschätzung planen, nichts an ihren Geldanlagen zu verändern von 76 auf 68 Prozent.
Die Ergebnisse des Anlegerbarometers von Union Investment passen in eine Reihe weiterer Umfragen, die die Stimmung der Privatanleger untersuchen: Die Kleinaktionäre werden optimistischer, aber nicht euphorisch. Für die Aktienmärkte ist das ein gutes Zeichen. Schließlich sehen viele Beobachter die Hausse erst gefährdet, wenn die Stimmung zu gut wird und in einen Kaufrausch umschlägt. So weit ist es in Deutschland wohl noch nicht.
Wechselkurse führen nicht zu Umschichtungen
Mit 53 Prozent glauben wieder etwas mehr Anleger an einen konstanten Euro. Im Jahresverlauf ließ sich eine deutliche Abnahme des Pessimismus beobachten. Innerhalb des Jahres 2006 fiel der Wert von 23 Prozent im letzten Quartal 2005 auf nunmehr 17 Prozent. Damit ist der Anteil derer, die an eine konstante bis steigende Währung glauben, gleich geblieben und lag auch im vierten Quartal bei 78 Prozent.
Auswirkungen auf Anlageentscheidungen werden aus dieser Einschätzung nicht abgeleitet. Mit zwei Prozentpunkten weniger und daher 91 Prozent planen Anleger auch in diesem Quartal keine Umschichtung auf Basis der erwarteten Entwicklung des Eurokurses.
Wirtschaft: Pessimisten auf dem Vormarsch
Mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland sind die Privatanleger skeptischer als viele professionelle Marktbeobachter: Nur 29 Prozent erwarten eine Verbesserung der Situation. Auch die steigende Zahl der Pessimisten (40 Prozent) zeigt, dass sich die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Laufe des Jahres verschlechtert hat. „Obwohl 40 Prozent ein sehr hoher Wert ist, liegt er immer noch unter dem Mittelwert von 43 Prozent aller Befragungen seit 2001“, heißt es in einer Zusammenfassung der Studie.
Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass sich ihre finanzielle Situation demnächst nicht ändern wird. Der Anteil derer, die davon überzeugt sind, dass sich die persönliche Lage verschlechtern wird, ist leicht auf 27 Prozent gestiegen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |