05.02.2007 · Garantiezertifikate sind bei Anlegern beliebt. Doch die Garantie gilt nur zum Laufzeitende. Vorher können die Zertifikate an der Börse unter dem Ausgabepreis notieren. Was Erstzeichner enttäuscht, kann anderen einen günstigen Einstieg ermöglichen.
Kapitalgarantie, clevere Sicherungsmechanismen, Renditeversprechen - das alles gilt bei Zertifikaten meist nur zum Laufzeitende. Das wird dem Anleger nicht verschwiegen. Trotzdem wird mancher, der den Kurs seines Zertifikates sinken sieht, enttäuscht sein und glauben, dass sein Wertpapier nicht hält, was es einst versprochen hat.
„Die Kursentwicklung des Zertifikats unterliegt sehr unterschiedlichen, unter Umständen gegenläufigen Einflussfaktoren, die der Privatanleger im Einzelfall auf Grund ihres derivativen Charakters nicht immer nachvollziehen kann“ - so oder so ähnlich ist die entsprechende Passage meist formuliert.
Absicherung gegen sinkende Aktienkurse
Dieser Satz ist einer Broschüre entnommen, mit dem Hypo-Vereinsbank (HVB) vor einem halben Jahr für das „Höchststand-Zertifikat“ geworben hat (Isin DE000HV1CLQ2). Dieses Zertifikat basiert auf einem Fondskorb und sichert einen einmal erreichten Höchststand ab. Der Anleger muss sich also nicht ärgern, wenn die Aktienmärkte kräftig verlieren: Zum Ende der Laufzeit bekommt er den Höchststand ausgezahlt (siehe auch: Höchststand-Zertifikat: Verkaufen zum besten Kurs).
Die Zertifikatemacher schauen sich den Fondskorb einmal im Monat an und bilden dann einen Durchschnittswert über die Laufzeit. Derzeit, so ein Zertifikatespezialist der HVB gegenüber FAZ.NET, „sind 105,50 Euro eingelockt“. Selbst wenn die Aktienkurse also bis zum Laufzeitende im August 2013 Jahr für Jahr sinken, bekommt er 105,50 Euro je Zertifikat zurück. Bezahlt hat er vor einem halben Jahr inklusive Ausgabeaufschlag 102,50 Euro.
Erstzeichner sitzen auf Verlusten
Das wäre noch keine tolle Rendite und inflationsbereinigt ein Verlust. Doch für Anleger, die sinkende Aktienkurse erwarten, war das Produkt ohnehin nicht gemacht. Das Zertifikat soll ja nur Verlustrisiken beschränken.
Darum dürfte mancher Anleger, der sich den aktuellen Kurs des Zertifikates ansieht, ins Grübeln kommen. Das Papier notierte am Freitag in Stuttgart bei 101,52 Euro, bezahlt hat er aber 102,50 Euro (siehe erste Grafik). Im September war der Kurs zeitweise sogar auf 97,50 Euro gefallen. Schaut er dann noch, wie sich die Fonds entwickelt haben, die hinter dem Zertifikat liegen, muss die Enttäuschung perfekt sein: Kein Fonds liegt im Minus, drei Aktienfonds haben sogar mehr als 15 Prozent zugelegt (siehe zweite Grafik).
An der Börse billiger als bei der Emission
Der Anleger erinnert sich: Das Auszahlungsprofil gilt nur zum Laufzeitende. Würden die Aktienmärkte tatsächlich so stark verlieren, dass kein neuer Höchststand absehbar wäre, würde der Kurs des Zertifikates wohl sogar deutlich unter 100 Euro sinken. Dann nämlich würde das Papier den Charakter einer zinslosen Anleihe bekommen, die 2013 zu 105,50 Euro zurückbezahlt wird.
Das Höchststand-Zertifikat der HVB ist kein Einzelfall. Gar nicht so wenige Zertifikate mit Garantiecharakter werden nach der Emission zeitweise unter dem Ausgabepreis gehandelt. Das kann für Anleger auch positiv sein: Wer auf Garantien wert legt, kann sich diese an der Börse hin und wieder billiger einkaufen als bei der Emission.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |