Nichts bringt den Markt so sehr ins Schwitzen wie Ungewißheit, und offenbar vernebelt nichts den Blick in die Zukunft mehr als geopolitische Störungen.
S&P Chef-Anlagestratege Sam Stovall untersuchte kürzlich die Reaktionen des Marktes im Hinblick auf sechs schwere Erschütterungen: Pearl Harbor, die Kuba-Krise, das Kennedy-Attentat, den irakischen Einmarsch in Kuwait, den 11. September und die Madrider Bombenanschläge 2004. Im Durchschnitt fiel der S&P 500 am Handelstag nach diesen Ereignissen - von nur 1,1Prozent (Einmarsch in Kuwait) bis zu 4,4Prozent (7. Dezember 1941).
Fundamentale Faktoren wiegen schwerer als Ungewißheit und geopolitische Störungen
Der Kursrückgang des S&P um 1,3 Prozent am 12. Juli - dem Tag, an dem die Investoren die Nachricht erreichte, daß Hisbollah-Terroristen zwei israelische Soldaten entführt und Israel darauf mit Angriffen aus der Luft, am Boden und von See reagiert hatte - steht im Einklang mit historischen Vorgaben.
Angesichts unerwarteter Erschütterungen sind die Märkte jedoch erstaunlich belastbar. Stovall fand heraus, daß der S&P 500 mit Ausnahme von Pearl Harbor jeweils nur 15 Tage nach dem Ereignis oder 55 Tage bei Einbeziehung von Pearl Harbor auf neuen Höchstständen gehandelt wurde. Ob der Grund hierfür in der Erkenntnis der Anleger zu suchen ist, daß die Kräfte des freien Marktes letzten Endes stets über radikale Utopisten triumphieren werden?
Was den Märkten jedoch noch weniger gefällt als geopolitische Störungen, sind die eher gewöhnlichen Störungen - über dem Trend liegende Preiserhöhungen bei Makkaroni und Käse, weniger Umsatz bei neuer Schulkleidung am Schuljahresbeginn, die Verwendung von Mitteln, die eigentlich für einen neuen PC bestimmt waren, für die Stromrechnung. Inflation, höhere Energiepreise und nachlassendes Wachstum bei Gewinnen und Bruttoinlandsprodukt richten an den Märkten mehr Schaden an als jede Achse des Bösen. Gegenwärtig ist die Sorge um dieses „Trio Infernale“ natürlich ein beherrschendes Thema und das Aktien-Strategie-Team von S&P rät zu Vorsicht und einer defensiven Strategie.
Welche Verteidigung ist hier die beste? In seinem Klassiker „The Intelligent Investor“ von 1934 empfahl Benjamin Graham dem Durchschnittsanleger den Kauf vernünftig bewerteter Aktien großer, prominenter, konservativ finanzierter Unternehmen mit einer langen Tradition kontinuierlicher Dividendenzahlungen. Graham - ein Gigant unter den „Value“-Anlegern - empfahl damals im Wesentlichen Aktien von Gesellschaften, die von S&P ein hohes Quality Ranking (QR) erhalten würden - Unternehmen mit nachweislich langfristiger Stabilität und Gewinn- und Dividendensteigerungen. Im Laufe der Zeit bieten die Unternehmen mit hohem QR eine bessere Gesamtrendite als jene mit niedrigem QR, und das laut S&P-Analyst Richard Tortoriello bei geringerem Risiko.
Qualitätsaktien müssen nicht unbedingt auch „schwer“ sein
Aktien mit hohem QR erzielen zwar langfristig überdurchschnittliche Ergebnisse, doch auch Werte mit niedrigem QR weisen Perioden überdurchschnittlich hoher Wertentwicklung auf. S&P stellte fest, daß diese Zyklen mit den kurzfristigen Zinsen korrelieren: Aktien mit hohem QR beginnen ihre überdurchschnittliche Phase auf einem Zinsgipfel, während der gleiche Zyklus für Aktien mit niedrigen QR bei Zinstiefstand eingeleitet wird. Laut Tortoriello wird der Alarm für Emissionen mit niedrigem QR in dem Augenblick ausgelöst, zu dem sich die kurzfristigen Zinsen voraussichtlich einem Höchststand nähern und die Unternehmensgewinne zurückgehen. Auch befinden sich die Bewertungen von Emissionen mit niedrigem QR gegenüber solchen mit hohem QR auf historischen Höchstständen. Unterdessen ist die Risikobereitschaft der Anleger zwar ein wenig gesunken, aber immer noch sehr ausgeprägt. Dies könnte ein guter Zeitpunkt sein, über die Aufstockung Ihres Portfolios um einige Aktien mit hohem Quality Ranking nachzudenken.
Die meisten Anleger assoziieren ein hohes QR bei Aktien mit einer hohen Marktkapitalisierung. Es gibt aber nicht wenige mittelgroße und kleine Emissionen mit überdurchschnittlichem Quality Ranking, wie aus der nachstehenden Tabelle hervorgeht. Diese Aktien erhalten auch von unseren Analysten vier oder fünf Sterne und verteilen sich auf verschiedene Sektoren.