12.03.2007 · Der amerikanische Häusermarkt habe seinen Boden gefunden, hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder. Bisher waren solche Aussagen falsch. Die wahre Krise kann erst noch kommen und über den Arbeitsplatzverlust den Konsum dämpfen.
Nach den kurzen, deutlichen Turbulenzen in der letzen Februar- und der ersten Märzwoche geht es an den Börsen wieder aufwärts. Und schon scheint die Welt für die Anleger wieder schön auszusehen.
„Die Sonne scheint, die Weltkonjunktur brummt, die Unternehmen verdienen gutes Geld und die Aktien sind preiswert - wieso sollten die Märkte auch angesichts der nach wie vor lockeren Geldpolitiken der Zentralbanken und der Ersparnisschwemmen in manchen Teilen der Welt nicht weiter nach oben laufen,“ fragt sich offensichtlich der Konsens.
Konjunkturdaten werden selektiv positiv wahrgenommen
Er lässt sich dabei bestärken durch selektiv positiv interpretierte Daten, kritische werden weitgehend ausgeblendet. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen wieder einmal eindrucksvoll am Beispiel des amerikanischen Arbeitsmarktes. Lag die erwartete Anzahl der im Februar neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft mit 97.000 auch nur leicht über den moderaten Erwartungen, so wurde das positiv aufgenommen.
Die amerikanische Konjunktur entwickle sich robust, hieß es und ermunterte Anleger dazu, die riskanten Anlagestrategien der vergangenen Jahre, die in der Kurzkorrektur nur in hauchdünnen Ansätzen zurückgefahren worden waren, wieder aufzunehmen. Die Börsen liefen wieder nach oben und vor allem auch am Devisenmarkt legten die so genannten Carry Trades wieder auf: Yen und Schweizer Franken dienen wieder als Finanzierungswährungen und verlieren an Wert.
Die Vereinigten Staaten blieben aufgrund der anhaltenden Konsumstärke der Bevölkerung die „Wachstumslokomotive der Welt“, lautet der allgemeine Konsens. Sie werde zwar etwas an Dynamik verlieren, aber trotzdem in der Lage sein, einen großen Teil der Waren und Dienstleistungen, die in den internationalen „Produktionsplattformen“ in Asien und anderen Regionen günstig hergestellt werden, abzunehmen.
Manche Daten lassen sich qualitativ kritisch hinterfragen
Diese Annahmen gilt, als ob das Land nicht längst und schon zu lange über seine Verhältnisse lebt. Das zeigt sich an der geringen oder vielmehr nicht vorhandenen Sparquote und dem hohen Leistungsbilanzdefizit einerseits und an den Rekordüberschüssen vieler asiatischer Exportstaaten andererseits. Alleine im Februar lag der Handelsbilanzüberschuss Chinas bei knapp 24 Milliarden Dollar. Der Überschuss mit den Vereinigten Staaten lag bei 12,2 Milliarden Dollar und mit Europa bei knapp zwölf Milliarden Dollar.
Unter normalen Umständen würde der Wechselkurs der chinesischen Währung unter diesem Umständen deutlich aufwerten. Allerdings weigern sich viele asiatische Staaten - allen voran China und Japan - ihre Währungen den Marktkräften zu überlassen. Fragt sich nur, wie lange sich der Rest der Welt diese Art von „verkapptem Protektionismus“ noch gefallen lassen kann und möchte. Handelsfriktionen dürften nur eine Frage der Zeit sein. Sie waren schon im vergangenen Jahrhundert der Beginn einer größeren Krise.
Aber das ist nicht alles. Denn der „Konsummotor“ in den Vereinigten Staaten dürfte nicht mehr allzu lange auf dem gegenwärtigen Niveau weiter laufen können. Denn das Wirtschaftswachstum nimmt ab. Das zeigt sich an den schon seit mehreren Quartalen im Trend fallenden Wachstumsraten und auch an schwachen vorlaufenden Indikatoren wie den Auftragseingängen.
Die Finanzmärkte mögen sich auch immer wieder von gemeldeten Zahlen „positiv überraschen“ lassen. Fakt ist jedoch, dass das längerfristige Bild am amerikanischen Arbeitsmarkt alles andere als rosig ist (siehe Charts). Das gilt vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass die gemeldeten Zahlen im Durchschnitt durch das ominöse und intransparente Birth/Death Model und öffentliche Jobs nach oben verzerrt werden und welche gewaltigen monetären und fiskalischen Impulse nötig waren, um überhaupt die gegenwärtige Lage zu erreichen.
Deutlicher Abbau von Jobs im Bau- und Produktionsbereich
Nach den „Establishment Daten“ wurden im vergangenen Monat 39.000 Jobs im Öffentlichen Sektor geschaffen, dagegen wurden im Produktionsbereich 14.000 und im Baubereich 62.000 Jobs abgebaut. In einer soliden Wirtschaft sähe das anders aus. Auch die Perspektiven sind nicht sonderlich positiv. Denn die Krise im Baubereich zieht immer weitere Kreise. Sie zeigen sich nicht nur in den Pleiten mehrere Hypothekarunternehmen, sondern auch in der Einschränkung der Kreditstandards. Auf diese Weise wird die Entwicklung noch verstärkt.
Einerseits geraten immer mehr Hauskäufer mit „innovativen Finanzierungen“ in Verzug und versuchen ihre Häuser zu verkaufen. Auf der anderen Seite sind Hausbauunternehmen dabei, im Bau befindliche Projekte möglichst schnell fertig zu stellen und auf den Markt zu bringen. Auf diese Weise bleiben oder geraten die Immobilienpreise unter Druck.
Deutliche Arbeitsplatzverluste im Baubereich zu erwarten
Die zeitliche Differenz zwischen Hausbaubeginn - ihre Anzahl ist in den vergangenen Monaten deutlich nach unten gegangen - und Fertigstellung von etwa einem halben Jahr (siehe Charts) führt dazu, dass sich die Krise am Arbeits- und am Immobilienmarkt noch nicht voll niedergeschlagen hat. Denn das wird erst in den kommenden Monaten der Fall sein, wenn immer mehr Objekte an den Markt kommen und wenn immer mehr Bauunternehmen mangels Perspektive ihre Angestellten auf die Strasse stellen werden.
Spätestens dann wird sich fragen lassen, wie sich der amerikanische Konsum, der sich in den vergangenen Jahren nicht nur aus den Einkommen, sondern durch stark aufwertende Vermögenspreise alimentierte, schlagen wird. Eine gewisse Skepsis dürfte angebracht sein. Da die amerikanischen Konsumenten wichtig sind für die Weltkonjunktur, dürfte sich die Skepsis auch auf diese und auf die Gewinnerwartungen der Unternehmen und vor allem auch der Anleger übertragen lassen.
Arbeitsplatzverlust
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 12.03.2007, 13:49 Uhr
Herr Dünnhaupt....
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 12.03.2007, 14:28 Uhr
schlechter beitrag für FAZ
american patriot (americanpatriot1030)
- 12.03.2007, 18:27 Uhr
Manche Daten werden später korrigiert....
Fionn Huber (fionn)
- 12.03.2007, 18:53 Uhr
Allerdings weigern sich viele asiatischen----
Georg Dargelies (ragnita)
- 12.03.2007, 19:22 Uhr
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