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Strategie Was Experten Bernanke raten

08.08.2006 ·  Wenn Sie Chef der amerikanischen Notenbank Fed wären, wie würden Sie die Konjunktur durch nachlassendes Wachstum und steigende Inflation hindurchsteuern? Hier sind die Antworten von fünf Experten.

Von Marc Hogan
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Bedeutet das abflauende Beschäftigungswachstum, daß sich die Inflationsbekämpfungspolitik der Fed allmählich dem Ende zuneigt? Offenbar waren die Anleger am Freitag dieser Meinung. Nach einem mäßigen Arbeitsmarktbericht wurde an den Terminmärkten nur eine 20prozentige Chance eingepreist, daß die Fed in ihrer geldpolitischen Sitzung am Dienstag zum 18. Mal hintereinander eine Zinserhöhung bekannt geben wird.

Standard & Poor's befragte fünf Marktbeobachter, was sie für den Rest des Jahres 2006 tun würden, wenn sie in der Haut des Bosses der Fed steckten. Sie alle waren sich einig, daß die Konjunktur sich mitten im Übergang zu einem langsameren Wachstum befindet.

Erst einmal pausieren

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die Fed die Inflationsgefahr eingedämmt, meint Jack Ablin, Chief Investment Officer der Harris Bank. Vor diesem Hintergrund würde eine von Ablin geführte Fed die Leitzinsen für den Rest des Jahres auf dem gleichen Niveau halten.

Ablins Vorbehalt: Es hängt davon ab, wo der Dollar stehen bleibt. Nach dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag fiel dieser im Nachmittagshandel gegenüber dem Euro auf ein Zwei-Monats-Tief. Ein schwächerer Dollar hat die gleiche Wirkung wie die Inflation, da er die Preise steigen läßt, die Verbraucher für importierte Waren zahlen müssen.

„Sollten sie den Dollar schützen müssen, würde dies die Fed wieder zu einem restriktiven Vorgehen veranlassen,“ erklärt Ablin. „Aber alles, was ich gegenwärtig sehe, deutet darauf hin, daß die Fed keine weiteren Maßnahmen treffen wird.“

Zinswende möglich

In einigen Monaten könnte die Inflation nicht mehr das größte Problem der Fed sein. Ein nachlassendes Wirtschaftswachstum könnte die Fed veranlassen, Anfang 2007 die Zinsen wieder zu lockern, meint Keith Hembre, Chefvolkswirt bei First American Funds.

Dennoch würde eine von Hembre geführte Fed eine Reihe konjunktureller Entwicklungen beobachten, bevor sie Zinssenkungen einleitete. Hembre würde nach Daten Ausschau halten, die bestätigen könnten, daß die Nachfrage hinreichend zurückgegangen ist und ein sich abkühlender Wohnungsmarkt einen erneuten Anstieg verhindern wird.

Darüber hinaus würde er prüfen, ob nach den vergangenen vier Monaten mit einem Beschäftigungswachstum unterhalb des Wachstums des Produktionspotentials Druck auf die Inflationsraten eingesetzt hat. „Änderungen der Geldpolitik würden nur Kursänderungen symbolisieren,“ erläutert er.

Restriktiven Kurs beibehalten

Was geschieht, wenn die Inflation nicht besiegt werden kann? Die neuesten Inflationszahlen lagen durchweg oberhalb der von der Fed akzeptierten Bandbreite (Comfort Zone), betont Peter Kretzmer, Chefvolkswirt der Bank of America. Kretzmer prognostiziert zwei weitere Anhebungen um 25 Basispunkte, nach denen der Leitzinssatz bis Ende des Jahres 5,75 Prozent erreicht hätte.

Hätte Kretzmer schon vorher an Bernankes Stelle gestanden, wären die Märkte wahrscheinlich nicht derart auf eine Pause am 8. August eingestellt. „Wir waren immer wieder von seiner optimistischen Einschätzung überrascht, daß alles nur an der schwächelnden Konjunktur läge und die Inflation sich wieder auf dem Rückzug befände,“ sagt Kretzmer.

Steigende Energiepreise seien die Ursache für die anhaltend hohen Inflationszahlen. Die West Texas Intermediate Rohöl-Futures standen am 4. August bei 74,70 Dollar, was einem Anstieg von 22,4 Prozent für das Jahr entspricht. Eine Fed mit Kretzmer an der Spitze würde nicht nur die Kerninflationszahlen beobachten, sondern auch die Inflation einschließlich der Preise für Lebensmittel und Energie.

„Inzwischen ist die Konzentration auf die Kernzahlen ein Teil des Problems geworden, weil die veröffentlichten und die Kernzahlen schon so lange auseinander liegen,“ sagt Kretzmer. „Die Energiepreise sind ebenfalls ein wichtiger Teil der Gleichung.“

Pause oder Lockerung?

Die Energiekosten bereiten auch Bob Ried, dem Präsidenten der Research-Gruppe Ried Thunberg, Sorgen. Ried prognostiziert weitere hohe Inflationszahlen neben steigenden Ölpreisen, einem schwächer werdenden Dollar und begrenzter konjunktureller Flaute. Daher würde seine Fed momentan nur pausieren, um die Leitzinsen im November erneut anzuheben. „Die Risiken für die Inflation nehmen noch weiter zu,“ meint er.

Eine Pause am Dienstag würde den Geldpolitikern bis zu ihrer nächsten Sitzung am 20. September nicht viel Zeit lassen. Allerdings, so vermutet Ried, könnten die Inflationsindikatoren eine Zinsanhebung am 24. Oktober auslösen und eine Pause wäre dann wieder im Dezember wahrscheinlich, wenn der Handel saisonbedingt gedämpft ist.

Einstweilen wird sich die Aufmerksamkeit auf den konkreten Text der geldpolitischen Erklärung richten. „Wird es darin heißen, daß dies tatsächlich eine Pause ist und nicht unbedingt ein erster Vorbote für eine Lockerung?“ fragt Ried.

Auf expansivem Kurs

Quincy Krosby, Chef-Investment-Stratege bei The Hartford, würde diese Frage mit ja beantworten. Krosby richtet ihr Augenmerk weiterhin auf steigende Preise und Löhne sowie auf das Risiko einer harten Landung im Wohnungsmarkt. „Wenn die Fed pausiert“, denkt sie, „wird dies eine weitsichtige Aussage sein, die den Märkten verdeutlicht: Wir sind wachsam.“

Vor diesem Hintergrund könnte eine von Krosby geführte Fed einen eher datenorientierten Kurs einschlagen. „Wenn alles gesagt und getan ist, stehen wir kurz vor dem Ende,“ meint Krosby. „Die Fed dämpft die Konjunktur, dadurch werden die Preise entsprechend zurückgehen und schließlich auch die Löhne. Dieser Zeitraum ist jedoch durch widersprüchliche Daten gekennzeichnet und so ist es immer.“

Unsere Befragung unter Beobachtern der Fed lässt eines erkennen: Unabhängig davon, ob die Zinsanhebungspflicht der Zentralbank nun abgeschlossen ist oder nicht, Bernanke & Co. haben nach wie vor eine gewaltige - und heikle - Aufgabe vor sich.

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