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Strategie Was eine hohe Inflation für die Börsen bedeutet

16.05.2008 ·  Die Inflation ist wieder ein Thema an den Finanzmärkten. Historisch betrachtet ist das eine Bürde, denn je höher die Inflationsrate früher waren, desto schlechter schnitten Aktien ab. Doch nicht alle Branchen leiden.

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Die Inflationsrate in der Euro-Zone hat sich im April mit 3,3 Prozent zwar wieder etwas abgeschwächt. Und auch in Amerika sahen die jüngsten Daten zumindest oberflächlich betrachtet nicht so schlecht aus.

Aber das ändert nichts daran, dass die Inflation anders als in den Jahren zuvor wieder ein Thema ist an den Finanzmärkten. Betroffen sind vor allem die Schwellenländer, weil da der Anteil der Ausgaben für Nahrung und Energie in der Zusammensetzung des Warenkorbs eine noch wichtigere Rolle spielen. In der Ukraine beispielsweise hat sich die Teuerungsrate zuletzt sogar auf mehr als 30 Prozent beschleunigt.

Je höher die Inflationsrate, desto schlechter für Aktien

Nachdem das Problem mittlerweile mehr und mehr als solches allgemein wahrgenommen wird, stellt sich die Frage, was hohe Inflationsraten für die Börsen bedeuten und welche Branchen sich in einem inflationären Umfeld traditionell gut und weniger gut schlagen. Auffällig bei der Beschäftigung mit diesem Themenkomplex ist die Tatsache, dass in diesem Jahr speziell die Börsen von Ländern mit einem Inflationsproblem mit am stärksten unter die Räder kamen. Das lässt sich auch leicht erklären, sind Inflationssorgen doch ein Vorbote für Zinserhöhungen und ein deutlicher Hinweisen auf volkswirtschaftliche Schwächen.

Die jüngste Kursschwäche inflationsgeplagter Börsen passt jedenfalls zu den Ergebnissen, die sich beim historischen Blick zurück ergeben. Denn allgemein lässt sich behaupten, dass eine zu hohe Inflationsrate für Aktien eher schädlich ist, obwohl es sich dabei um Realgüter handelt, die eigentlich eine Art Inflationsschutz eingebaut haben müssten. Aber trotz der theoretisch vorhandenen Möglichkeit, Preiserhöhungen auf der Beschaffungs- und Produktionsseite an die Käufer weiterzureichen, sind die Bewertungen in inflationsstarken Zeiten in den 70er und 80er Jahren deutlich gesunken. In Amerika sank das Markt-KGV damals auf lediglich sieben und in Europa sogar auf nur noch sechs. Und je höher die Inflationsrate war, desto schlechter entwickelten sich Aktien. Stieg die Inflation in Amerika auf über sechs Prozent, drehte die durchschnittliche Performance von amerikanischen Aktien laut einer Studie des Bankhaus Sarasin sogar ins Negative.

Erklären lässt sich dieses erstaunliche Phänomen mit der steigenden Unsicherheit von Investitionsentscheidungen, die mit einer hohen Inflation einhergeht. Das wiederum führt zu steigenden Risikoprämien und zu sinkenden Bewertungen an den Aktienmärkten. Zumal bei zu hohen Teuerungsraten auch die Gefahr einer restriktiveren Geldpolitik durch die Notenbanken und den damit verbundenen Konjunktur bremsenden Effekten besteht. Zu beachten sind außerdem die Belastungen, die durch höhere Preise auf die Kaufkraft der privaten Haushalte ausgehen. Wenn aber der Konsum leidet, dann trifft das auch die Firmen.

Agrar- und Goldwerte profitieren - Verbrauchsgüteraktien leiden

Welche Unternehmen und Sektoren kommen nun aber mit so einem Umfeld traditionell am besten zurecht? Historisch betrachtet sind es im Allgemeinen Farmer und Goldminen, die sich gut schlagen. Für Jonathan Asante, Deputy Head von Global Emerging Markets Equities bei First State Investments, spricht diese Erkenntnis für Werte wie den brasilianischen Zuckerrohranbauer/-verarbeiter Cosan, den malaysischen Palmölproduzenten IOI Corp, oder für den Goldproduzenten Anglo Gold Ashanti. Zu den Profiteuren zählen nach seinen Erkenntnissen auch Lebensmitteleinzelhändler wie X5Retail aus Russland, Shinsegae aus Korea, President Chain Stores aus Taiwan sowie China Resource Enterprises. Hersteller von Verbrauchsgütern leiden dagegen in der Regel unter einer zu hohen Inflationsrate.

Zusammengefasst gibt es gute Gründe, die aus Aktionärssicht dafür sprechen, sich intensiv mit dem Thema Inflation auseinanderzusetzen und sich nicht nur auf den Risikofaktor Kreditkrise zu konzentrieren. Speziell einigen Schwellenländern drohen durch den dort noch höheren Anteil von Nahrungsmittel und Energie am Warenkorb über die Inflationsschiene nämlich größere Gefahren als durch das in der Presse viel breiter getretene Thema Kreditkrise.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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