27.05.2009 · Die Anleger sind in ihrem Optimismus auf Wachstum eingestellt. Eine zu positive Interpretation volkswirtschaftlicher Daten kann aber riskant werden, denn das Wachstum könnte aufgrund notwendiger Sanierungsprozesse deutlich geringer ausfallen.
Die Anleger sind in ihrem Optimismus auf Wachstum eingestellt. Viele Unternehmens- und Konjunkturzahlen seien zwar schlecht. Allerdings könnten sie in den kommenden Monaten nur besser werden, lautet die allgemeine Auffassung.
Geld- und fiskalpolitische Stimulierungsprogramme würden früher oder später Wirkung zeigen, Umsätze und Gewinne der Unternehmen wieder steigen, die Lage am Arbeitsmarkt sich verbessern und der Konsum wieder beflügelt werden.
Zu positiv Interpretationen können riskant werden ...
Aus solchen Gründen sei es ratsam, nun auf Aktien und Rohstoffe zu setzen. Denn diese Anlageklassen seien günstig und böten Anlegern attraktive Renditen. Der Blick auf historische rasche Erholungen mag solche Argumentationsketten logisch erscheinen lassen und Investoren zusammen mit reizvoll aussehenden Chartbildern in den Markt locken.
Das gilt vor allem in einem Umfeld, in dem hereinkommende Zahlen notorisch positiv interpretiert werden, wie etwa der Index für das amerikanische Verbrauchervertrauen, der am Dienstag mit einem Stand von 54,9 deutlich besser ausfiel, als im Vorfeld befürchtet worden war. Allerdings täuscht diese Zahl darüber hinweg, dass die Unterkomponenten des Index, die die aktuelle Lage in der Realwirtschaft beschreiben, sehr schlecht blieben. Lediglich die Erwartungskomponente und der allgemeine Optimismus für Aktien sorgten für eine positive Überraschung.
Tatsächlich stellt sich die Frage, wie weit die Erwartungen tragen. Immerhin gibt es jetzt im Vergleich zu früheren Schwächephasen gravierende Unterschiede. Wesentlich ist die Tatsache, dass nicht nur die amerikanischen, sondern auch die Privathaushalte in vielen anderen Ländern, wie etwa in Großbritannien Island, Irland oder Spanien, im historischen Vergleich dramatisch überschuldet sind und ihre privaten Vermögensbilanzen sanieren müssen, während die öffentlichen Haushalte ihre Verschuldung massiv beschleunigen.
Seit dem Jahr 1960 übersteigen die Wachstumsraten der realen Verbindlichkeiten privater Haushalte die der realen verfügbaren Einkommen und der Vermögen deutlich. Diese Diskrepanz verstärkte sich ab dem Jahr 2000 aufgrund tiefer Zinsen, laxer Kreditvergabestandards, der Verbreitung exotischer Hypotheken, steigender Immobilienpreise und der zunehmenden Verbriefung sowie der internationalen Vermarktung dieser Verbindlichkeiten. Inzwischen ist die Kette gebrochen, da die Hauspreise weiter fallen, einen großen Teil der als Sicherheiten hinterlegten Scheinvermögen vernichten und zu schwarzen Löchern in den Bilanzen vieler Finanzunternehmen führten.
... denn das Wachstum könnte aufgrund notwendiger Sanierungsprozesse deutlich geringer ausfallen
Solche Sanierungsprozesse sind nicht neu, sondern waren in der Vergangenheit wiederholt zu beobachten. Auch jetzt dürften restriktivere Kreditvergabestandards, die schwierige Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt, geschwundene Preiserwartungen am Immobilienmarkt und das „Auffüllen“ der Rücklagen für schwierige Zeiten dafür sorgen, dass die amerikanische Sparquote weiter steigen und das Kreditgeschäft zurückgeht. Das würde für die amerikanische Konsumnachfrage bedeuten, dass sich dieser in den kommenden Jahren allenfalls unterdurchschnittlich steigen würde, denn die Korrelation zwischen dem Wachstum privater Verbindlichkeiten und dem realen Konsum war in den vergangenen 50 Jahren sehr hoch (siehe Charts).
Nachdem also der private Verbrauch in den vergangenen Jahren aufgrund des Schuldenbooms zu 70 bis 80 Prozent zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft beitrug, dürfte diese nur noch unterdurchschnittlich wachsen können. Das erwarten auch Strategen wie Mohamed El-Erian vom Vermögensverwalter Pimco.
In der Vergangenheit landeten viele der weltweit produzierten Waren letztlich bei angelsächsischen Konsumenten mit ausgeprägtem Hang um Überkonsum. Nun stellt sich die Frage, wohin die Exportnationen ihre Waren bei steigenden Produktionskapazitäten noch exportieren können. Eine geringe Auslastung beschneidet die Rentabilität, was durch zunehmenden Preisdruck verstärkt wird. Viele Anleger werden sich fragen, wie weit in diesem Umfeld die Aktienkurse noch steigen können. Skeptiker dürften dazu neigen, sich gegen Rückschläge abzusichern.
Zuviel Liquidität und keine Angst mehr,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 27.05.2009, 19:37 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |