24.03.2006 · Im Unterschied zu Amerikanern sparen Deutsche viel. Ob sie die Gelder jedoch richtig anlegen, ist eine andere Frage. Deutsche Anleger scheinen sicherheitsorientiert zu sein, die Fondsgesellschaft Fidelity dagegen redet vom „Versparen“.
Im Unterschied zu Amerikanern sparen Deutsche viel. Ist die Sparquote in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren im Trend stetig gefallen und in jüngster Zeit sogar negativ geworden, so ist sie in Deutschland relativ hoch. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lag sie im vergangenen Jahr bei 10,6 Prozent des verfügbaren Einkommens.
Das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv, weil diese Gelder für Investitionen in den so genannten Kapitalstock zur Verfügung stehen. Und dessen Qualität entscheidet langfristig über den Wohlstand eines Landes. Anders sieht des dagegen aus, wenn es um den Wohlstand des einzelnen Anlegers geht. Denn dafür ist die Art und Weise verantwortlich, wie er sein Geld anlegt.
Deutsche Anleger sind sicherheitsorientiert ...
Sparen kann sowohl für die Geldvermögens- als auch für die Sachvermögensbildung genutzt werden. So haben alle privaten Haushalte zusammen im Jahr 2004 Nettoinvestitionen, das heißt Bruttoinvestitionen minus Abschreibungen, in Höhe von 37 Milliarden Euro getätigt. Dazu zählten vor allem Investitionen in den Wohnungsbau. Für die Geldvermögensbildung standen neben dem um die Ausgaben für die Nettoinvestitionen verminderten Sparen auch noch die per Saldo empfangenen Vermögenstransfers in Höhe von 15 Milliarden Euro zur Verfügung.
Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank waren im Jahr 2004 knapp 36 Prozent der Gelder in kurz- oder langfristigen Geldanlagen investiert, 25,6 Prozent in Versicherungsverträgen gebunden und 33 Prozent in Wertpapieren. Insgesamt hatten deutsche Anleger nur etwas mehr als sechs Prozent in Aktien investiert.
Das mag ein Zeichen der Vorsicht und Risikoabneigung sein. Allerdings hat das eine Kehrseite. Denn auf diese Weise entgehen den Anlegern Erträge, die sie mit einer geschickten Anlage in Papiere mit höheren Renditen zumindest langfristig erzielen könnten. Die Fondsgesellschaft Fidelity redet in einer Kampagne sogar vom „Versparen“, also von der Geldanlage in die falschen Produkte. Deutsche Anleger „versparten“ pro Sekunde über 870 Euro, ergab eine Modellrechnung, wie realistisch auch immer sie sein mag.
Die Kampagne weist auf das Problem des Versparens hin: Anleger geben sich mit mageren Sparbuchzinsen zufrieden, statt ihr Geld richtig ertragreich zu investieren. Zur Zielgruppe gehören vor allem Normalbürger mit geringem Finanzwissen. Man wolle ihnen Mut machen, ihre Rendite durch eine bessere Aufteilung des Geldes auf verschiedene Anlageformen deutlich zu verbessern. „Zu diesem Anlagemix sollten bei der Mehrheit der Sparer auch Investmentfonds gehören“, heißt es. Diese Argumentation dürfte kaum verwundern, möchte Fidelity als Fondsgesellschaft doch seine Produkte an den Mann und die Frau bringen.
... Fidelity redet vom „Versparen“
Allerdings ist die Grundlogik der Argumentation stichhaltig. Denn viele Anleger müssen alleine schon aufgrund der Bevölkerungsstruktur für kommende Zeiten vorsorgen. Aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, das Problem nicht zu verdrängen, kurzsichtig und planlos zu agieren, oder sich von Tabus oder vom Angebotsdschungel abhalten zu lassen. Denn eine vernünftige Beratung kann weiterhelfen. Sie wird sehr wahrscheinlich zu einem relativ hohen Aktienanteil in der Geldanlage raten. Das mag zwar riskant erscheinen, aber es ist eine Möglichkeit, sich nicht nur über die angeblich hohen Unternehmensgewinne zu beklagen, sondern daran teilzuhaben.
Das schwierigste dürfte sein, den richtigen Berater zu finden. Er sollte auf keinen Fall von den Provisionen abhängen, die er für die Vermittlung von Produkten erhält. Denn in diesem Fall wird er die Produkte empfehlen, an denen er am meisten verdient und nicht die, die dem Anleger am besten nutzen (siehe auch: Rezension: „Die Abzocker“). In diesem Sinne können Personen interessant sein, die wirklich nur Beratung bieten - und das gegen gutes Honorar. Denn in diesem Fall kann guter Rat nicht zu teuer sein. Die interessanten Produkte kann sich der Anleger schließlich über einen Diskontbroker selbst ins Depot legen und überwachen. Oft kommt er mit einer geschickten Kombination von günstigen Indexfonds schon weit.
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| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
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