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Strategie Verhaltene Gewinnentwicklung bei europäischen Unternehmen?

09.10.2007 ·  Die Anleger scheinen gegenwärtig auf ein anhaltend robuste Gewinnentwicklung bei den Unternehmen zu setzen. Tatsächlich hat die Gewinndynamik hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen.

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Sorgte die Kreditkrise in den vergangenen Wochen zunächst zu deutlichen Korrekturen in allen nur denkbaren Märkten, so kam es inzwischen beinahe überall wieder zu Gegenbewegungen. Das gilt sowohl für die Währungs-, als auch für die Aktienmärkte.

Die Börsen in den Schwellenländern haben vielfach ihre Aufwärtstrends wieder aufgenommen neue Rekordhochs in Serie hingelegt. Die bekannten, großen amerikanischen Indizes befinden sich praktisch auf Rekordniveau und selbst in Europa befinden sie sich nahe daran.

Gewinndynamik hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen

Die Anleger scheinen in ihrem wieder aufgekommenen Optimismus darauf zu bauen, dass sich die Weltwirtschaft trotz der konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten, trotz der zunehmenden Verzerrungen am Devisenmarkt und trotz des reduzierten Kreditangebots anhaltend robust entwickeln wird. Das sollte die Unternehmen in die Lage versetzen, Umsatz und Gewinn wenn nicht steigern, so doch zumindest auf dem erreichten Niveau halten zu können.

Mag die Kurserholung an den Börsen solche Schlüsse nahe legen, so trifft das für die beobachtete und erwartete Gewinnentwicklung nicht zu. Denn die Gewinndynamik hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. Das gilt sowohl für Europa, die Vereinigten Staaten als auch für Japan. Ein Blick auf die Änderung der Gewinnschätzungen zeigt, dass es in der jüngeren Vergangenheit mehr Ab- als Heraufstufungen gegeben hat. Dieser Effekt war besonders ausgeprägt in den Vereinigten Staaten und in Japan.

Besonders ausgeprägt war der Rückgang der Gewinnschätzungen bei den Finanz- und Gesundheitswerten, während es im Energiebereich zu den ausgeprägtesten positiven Änderung kam. Diese Entwicklung scheint zunächst etwas prozyklisch zu sein. Immerhin wurden die Finanzunternehmen in den vergangenen Wochen von der Kreditkrise betroffen und mussten zum Teil beachtliche Sonderabschreibungen verbuchen. Das hat die Gewinnentwicklung deutlich gedämpft. Auf der anderen Seite konnten die Energiewerte von den hohen Preisen in diesem Bereich profitieren.

Bei beiden Entwicklungen stellt sich die Frage, ob sie längerfristig Bestand haben können. Manche Anleger setzen darauf, dass die Finanzinstitute in den kommenden Monaten aufgrund einer „Normalisierung“ an den Kreditmärkten ihre Gewinne wieder deutlich werden steigern können. Diese Erwartung ist allerdings riskant, denn die vorteilhaften Zins- und Liquiditätsbedingungen der vergangenen Jahre sind vorbei. Gleichzeitig sind manche Anleger gebrannten Kinder und dürften sich nicht mehr so leicht wie in der Vergangenheit Finanzprodukte in größerem Stile aufschwatzen lassen, die sehr intransparent und letztlich völlig illiquide sind.

Branchen mit „Multiple-Expansion“ kritisch betrachten

Auf der anderen Seite lässt sich bezweifeln, ob die Energiewerte ihre Gewinne deutlich werden steigern können, wenn eine Abschwächung der Weltkonjunktur sehr wahrscheinlich zu einer Preiskorrektur in diesem Sektor führen wird.

Diese Skepsis scheinen viele Anleger zu teilen. Immerhin sind zumindest in Europa die Aktien in den vergangenen Monaten nicht teurer geworden, obwohl die Gewinnentwicklung nach oben tendierte. Die Anleger scheinen als nicht darauf zu bauen, dass die Erträge der Unternehmen künftig so vorteilhaft ausfallen werden wie in den vergangenen Jahren.

Die Analysten von Goldman Sachs setzten die Kursentwicklung der vergangenen Monate ins Verhältnis zu den Veränderungen in der Gewinnerwartung. Branchen, bei welchen eine so genannte „Multiple-Expansion“ beziehungsweise Höherbewertung stattgefunden hat würden sie grundsätzlich kritischer betrachten, als jene, bei welchen es zu einer Kontraktion kam. Öl- und Technologiewerte nehmen sie aufgrund von Sonderfaktoren davon aus.

Europäische Unternehmen würden sie kritisch darauf untersuchen, wie sie mit steigenden Kosten und einer verhaltenen Umsatzentwicklung zurecht kommen. Immerhin sind sowohl die Energie-, Rohstoff- als auch die Finanzierungskosten in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich gestiegen. Auch der teure Euro dürfte Spuren hinterlassen. Gleichzeitig nimmt die konjunkturelle Dynamik ab. Auf dieser Basis scheint eine unerwartet schwache Gewinnentwicklung bei europäischen Unternehmen nicht von der Hand zu weisen zu sein. Genau die prognostiziert Goldman Sachs.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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