11.01.2008 · Die Milliarden schweren Abschreibungen infolge der Subprime-Kreditkrise machen sich im vierten Quartal bemerkbar. Die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 Index dürften gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal 8,1 Prozent zurückgehen.
Die Milliarden schweren Abschreibungen infolge der Subprime-Kreditkrise machen sich bei den amerikanischen Unternehmensgewinnen im vierten Quartal bemerkbar. Die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 Index werden Daten von Bloomberg zufolge gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal 8,1 Prozent zurückgehen. Im Vorquartal waren die Gewinne 2,5 Prozent gesunken. In zwei aufeinander folgenden Quartalen waren die Unternehmensgewinne zuletzt 2002 rückläufig.
Die zunehmenden Kreditausfälle haben die Finanzkonzerne dazu veranlasst, im vergangenen Jahr rund 100 Milliarden Dollar (67,6 Milliarden Euro) an Abschreibungen bekannt zu geben. Darüber hinaus haben die Immobilienkrise und der steigende Ölpreis merklich auf die Konsumfreude der Verbraucher gedrückt. „Die Leute machen sich Sorgen über die wirtschaftliche Situation“, sagt Charles Rotblut, Senior-Marktanalyst bei Zacks Investment Research in Chicago. „Sie nehmen die große Zahl von zwangsversteigerten Häusern und den steigenden Ölpreis wahr, und sie fühlen sich auch selbst über Gebühr finanziell strapaziert.“
Finanzkonzerne werden im vierten Quartal voraussichtlich einen Gewinnrückgang von 50 Prozent ausweisen
Der S&P 500 Index fiel im vierten Quartal 3,8 Prozent. Auf das Gesamtjahr 2007 gesehen hat er 3,5 Prozent zugelegt. Im laufenden Jahr ist der Index bisher 3,3 Prozent zurückgegangen. Die Finanzkonzerne werden für das vierte Quartal voraussichtlich einen Gewinnrückgang von 50 Prozent ausweisen, so der Aktien-Stratege Alec Young von S&P in einem Interview mit Bloomberg. Wegen der Subprime-Kreditkrise gebe es „eine mangelnde Bereitschaft der Finanzkonzerne, den Unternehmen Geld zu leihen, das zieht die ganze Wirtschaft runter „, sagt Rotblut. „Bei den Abschreibungen werden wir die Talsohle wohl in der zweiten Jahreshälfte erreichen.“
Analyst Guy Moszkowski von Merrill Lynch & Co. geht davon aus, dass die amerikanische Bank Citigroup Wertberichtigungen von über 16 Milliarden Dollar vornehmen und für das vierte Quartal einen größeren Verlust als bislang angenommen bekannt geben muss. Citigroup veröffentlicht die Quartalszahlen am Dienstag. Merrill Lynch wird nach Einschätzung des Analysten William Tanona von Goldman Sachs bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstag Vermögenswerte in Höhe von 11,5 Milliarden Dollar abschreiben.
Im vierten Quartal gut entwickelt hätten sich hingegen Unternehmen mit einem hohen Exportanteil, schätzt Rotblut. Konzerne wie der Flugzeugbauer Boeing, der Baggerhersteller Caterpillar und Agco, ein Anbieter von landwirtschaftlichen Maschinen, hätten durch den schwachen Dollar den Export ausweiten können. Caterpillar beispielsweise erzielt 52 Prozent der Umsätze durch Exporte.
Stagflation oder wirtschaftliche Erholung?
Eine Abschwächung des Wirtschaftwachstums, gekoppelt mit einer steigenden Inflation und einer höheren Arbeitslosigkeit, wird nach Ansicht von Edgar Peters, des Investment-Chefs von PanAgora Asset Management, die Gewinnentwicklung der meisten amerikanische Unternehmen auch im Jahr 2008 beeinträchtigen. „Die Unsicherheit ist groß“, so Peters in einem Interview mit Bloomberg Radio. „Das Problem ist nicht nur Subprime.“ So wird zum Beispiel die Einzelhandelsbranche vom schwachen Konsum gebeutelt. Der Branchenverband National Retail Federation geht davon aus, dass die Umsätze im Weihnachtsgeschäft 2007 so schwach gestiegen sind wie seit 2002 nicht mehr. Die Analysten haben ihre Gewinnschätzungen für die fünf größten amerikanische Einzelhändler bereits zurückgeschraubt, geht aus Bloomberg-Daten hervor. „Der Handlungsspielraum für Konsumenten ist enger geworden“, urteilt Tim Ghriskey, der Anlage-Chef von Solaris Asset Management. „Die Gewinnzahlen der Einzelhändler werden nicht sonderlich gut ausfallen.“
Die Experten von Goldman Sachs, Merrill Lynch und Morgan Stanley rechnen damit, dass die Vereinigten Staaten in eine Rezession rutschen werden. Ghriskey von Solaris Asset Management ist hingegen der Ansicht, dass die Vereinigten Staaten auf Grund der Geschäfte mit dem Ausland eine Rezession abwenden können. „Der Pessimismus für die Märkte ist nicht neu“, sagt Ghriskey. „Wir haben den Fokus bereits auf mögliche Verbesserungen gelegt und werden den wirtschaftlichen Abschwung überwinden.“
Die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten macht nach Hypothekenfinanzierern zunehmend auch Firmen aus der Kreditkartenbranche Schwierigkeiten: Nach Capital One schockierte auch American Express seine Anleger mit einer niedrigen Gewinnerwartung für das abgelaufene Quartal. Als Grund nannte das Unternehmen sinkende Ausgaben seiner Kreditkartenkunden und befürchtete Zahlungsausfälle, die zu einem Sonderaufwand von 440 Millionen Dollar im vierten Quartal geführt hätten.
Die negativen Entwicklungen seien im Dezember insbesondere in Kalifornien, Florida und in jenen Bundesstaaten zu beobachten gewesen, die besonders stark unter der Immobilienkrise litten, teilte Konzern-Chef Kenneth Chenault am Donnerstag nach amerikanische Börsenschluss mit. Das deute daraufhin, dass die Probleme auf dem Häusermarkt sich immer stärker auch auf die allgemeine Kauflaune der Verbraucher niederschlügen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |