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Zertifikate und ETFs

Strategie Short-Seller müssen masochistisch veranlagt sein

So genannte Short-Seller sind verrufen. Dabei können Anleger viel von erfolgreichen Baissespekulanten wie Jim Chanos lernen, der durch seine erfolgreiche Wetten bei größeren Unternehmenspleiten wie Enron bekannt wurde.

© AP Vergrößern Soll ich „shorten” oder nicht?

Jim Chanos meint, dass das Tätigen von Leerverkäufen große Ähnlichkeit mit Verhörsituationen aufweist.

Laut Chanos, dem milliardenschweren Hedgefonds-Manager, der durch seine Wetten auf Mega-Zusammenbrüche von Unternehmen wie Enron und Conseco bekannt wurde, bedarf es hierfür eine besondere Art von Investor; einen, der der Meinung der Unternehmenslenker und Analysten standhält, dass Short-Seller - jene Marktteilnehmer, die durch Wetten auf fallende Kurse einer Aktie oder einer anderen Anlageklasse Gewinn erzielen - eine Art wirtschaftliches Gift oder fehlgeleitete Taugenichtse wären. Und genau wie jene, die unter dem Druck ununterbrochenen Verhörens durch die Behörden zusammenbrechen, können viele Möchtegern-Short-Seller der Ablehnung an der Wall Street nicht standhalten. „Letztendlich ist bei den meisten Leuten irgendwann Schluss mit rationalen Entscheidungsprozessen“, sagt er. „Man ist solange schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist.“

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Eine einzigartige - wenn nicht sogar leicht masochistische - Investment-Psychologie ist daher vonnöten, um sich mit der Kunst der Baissespekulation zu befassen, was aber eine steigende Anzahl von Investoren nicht davon abgehalten hat, sie auszuprobieren. Am 13. Juni betrug die Anzahl der an der New Yorker Börse leer verkauften Aktien rekordhohe 17,6 Milliarden, ein Anstieg von 37 Prozent seit Januar. Das ist aber nicht leicht durchzuziehen. Während sich immer mehr Investoren eine Rettung ihres Portfolios durch den Aktienindex S&P-500 erhoffen, der mehr als 18 Prozent unter seinem Hoch vom Oktober 2007 liegt, indem sie den Weg der Leerverkäufer einschlagen, können sie vom psychologischen Ansatz und den analytischen Gewohnheiten der erfolgreichen Short-Seller eine Menge lernen.

enron_0207080 © FAZ.NET Vergrößern

Da die Marktindizes während eines Aufwärtstrends üblicherweise langsamer und stetiger steigen, als sie während einer Rezession fallen, benötigen Short-Seller ungewöhnlich viel Geduld und Kapital, um während der Entstehung von Marktblasen durchzuhalten. Wenn Leerverkäufer Schwachstellen in den Bilanzierungsmethoden eines Unternehmens sehen oder eine Überbewertung von Aktien feststellen, folgt oftmals „eine Zeit voller Blut und Schmerzen“ während sie darauf warten, dass der Rest des Marktes auch darauf aufmerksam wird, sagt Todd Salamone von Schaeffer's Investment Research.

Chanos Erfahrung ist dafür ein gutes Beispiel. Als Analyst für eine Investment-Boutique in Chicago empfahl Chanos 1982, die Aktien des Klavierbauers Baldwin-United leer zu verkaufen, als der Aktienkurs um die 24 Dollar lag, da er glaubte, das Unternehmen habe sein Geschäft massiv überbewertet und seinen Gewinn zu hoch angegeben. Die Aktie steig fast auf die 50 Dollar, bevor schließlich eine behördlich Untersuchung die Investoren erschütterte und die Gesellschaft Bankrott ging. Chanos profitierte. „Tage- und wochenlang verliert man nur“, sagt er. „Doch dann macht man alles auf einmal wett.“

Theoretisch sind unbegrenzte Verluste möglich

Deshalb ist es ein risikoreiches Geschäft. Während der Maximalbetrag, den ein Long-Investor verlieren kann, bei 100 Prozent seines Kapitaleinsatzes liegt, gibt es bei Short-Positionen keine Grenze für den Verlust. Ein Baissespekulant beispielsweise, der eine Aktie bei 5 Dollar verkauft und sie dann auf 25 Dollar steigen sieht, muss 20 Dollar - das vierfache seines Kapitaleinsatzes - zahlen, um die Position glattzustellen. Short-Seller als solche müssen eine höhere Risikoschwelle haben, sagt Dr. Frank Murtha von Market Psych, einer Beratungsfirma, die Psychologie und Finanzwesen verbindet.

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