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Strategie Schwacher Yen - starker Nikkei?

09.02.2007 ·  Nach deutlichen Kursgewinnen in den Jahren 2003 bis Mitte des Jahre 2006 und einer Zwischenkorrektur arbeitet der Nikkei an einer Widerstandszone. Hilft ihm der schwache Yen schlussendlich hinüber?

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Die internationalen Börsen sind recht unterschiedlich in das Jahr 2007 gestartet. Während der Vietnam Stock Index mit einem Plus von knapp 40 Prozent in Euro am besten ins Jahr gestartet ist, hat die venezolanische Börse inzwischen schon etwas mehr als elf Prozent verloren.

Die europäischen Börsen liegen in der Rangliste irgendwo in der Mitte, angeführt von der dänischen Börse, an der der OMX Copenhagen Index bisher 8,46 Prozent zugelegt hat. Der Dax kommt bisher auf einen Kursgewinn von 4,77 Prozent, der MDax auf 6,35 Prozent und der Tecdax auf ein Plus von 13,88 Prozent.

Japanische Börse steht an einem Widerstand...

Während die schwache Performance in Venezuela auf die obskure Verstaatlichungspolitik des unter dubiosen Umständen wiedergewählten Präsidenten Hugo Chavez zurückzuführen sein dürfte, ging mit den Anlegern mit Blick auf die vietnamesische Börse offensichtlich inzwischen die Wachstumsphantasie durch. Inzwischen ist die Regierung jedoch dabei, dagegen vorzugehen. Es gibt inzwischen sogar Gerüchte darüber, dass es zu ähnlichen Maßnahmen wie in Thailand kommen könnte.

Schwacher Yen - starker Nikkei?

Während die Trends der meisten Börsen in den Industriestaaten nach wie vor nach oben zeigen, ist das in Japan weniger offensichtlich. Nach deutlichen Kursgewinnen in den Jahren 2003 bis Mitte des Jahres 2006 und einer Zwischenkorrektur arbeitet der Markt an einer Widerstandszone auf dem erreichten Niveau von 17.500 Punkten im Nikkei.

Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 24 auf Basis der Gewinnschätzungen scheint es zwar nach westlichen Maßstäben wenig Grund zu geben, wieso der Markt weiter nach oben laufen sollte. Auf der anderen Seite zeigt ein Blick auf die Entwicklung der operativen Gewinne der japanischen Unternehmen (siehe Chart), dass sie sich dynamisch nach oben bewegen. Sollten die in den kommenden Monaten anstehenden Jahresergebnisse - das Fiskaljahr endet in Japan im März - für positive Überraschungen sorgen, dürfte die Überwindung des Widerstands wahrscheinlich sein und weitere Kursgewinne möglich machen.

... könnte aber vom anhaltend schwachen Yen profitieren - oder auch nicht

Allerdings dürfte sich in diesem Zusammenhang ein Blick auf den Wechselkurs der japanischen Währung lohnen. So lässt sich aus einem Vergleich der Gewinnentwicklung mit der Währungsentwicklung die intuitiv schlüssig klingende Vermutung ableiten, die japanischen Unternehmen würden mit ihren Exporten und vor allem auch bei der Umrechung der im Ausland erzielten Gewinne überproportional von der schwachen Währung profitieren. Sollte sie weiterhin schwach bleiben - sie liegt real trotz der Handelsbilanzüberschüsse auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren - oder sich entgegen der bisher schon nicht aufgehenden fundamentalen Logik noch weiter abschwächen, dürften die japanischen Unternehmen noch stärker davon profitieren können.

Gleichzeitig zahlen sich inzwischen auch die Restrukturierungsbemühungen der Unternehmen aus und zeigen, was das Land als Gesamtheit noch vor sich hat. Denn nicht tiefe Zinsen und hohe Geldmengen sind der Schlüssel zum Erfolg, sondern die Umsetzung entsprechender Reformen. In diesem Sinne dürfte die Niedrigzinspolitik Japans zunehmend auf Kritik stoßen. Denn sie verleitet spekulative Anleger zu riskanten Strategien und führt zu einer Verzerrung der Bewertung von Märkten und vor allem auch Wechselkursen.

Das zeigt sich am deutlichsten daran, dass der Euro gegen den Yen massiv überbewertet ist. Sollte es zu einer Korrektur kommen - Japan kann sich eine stärkere Währung angesichts der robusten Unternehmensgewinne ohne weiteres leisten - dürfte das die Aktien des Landes jedoch eher in die Defensive bringen. In diesem Sinne mögen sie eine defensive Wette sein, so lange die Wahrscheinlichkeit für einen schwachen Yen hoch bleibt. Allerdings ist das Ereignisrisiko hoch, sollte der Yen so plötzlich so stark korrigieren wie im Jahr 1998. Damals verlor die Währung innerhalb weniger Tage mehr als 20 Prozent ihres Wertes.

In diesem Sinne scheint es wünschenswert zu sein, dass sich die Wirtschafts- und Finanzminister und die Zentralbankchefs der G7-Staaten bei ihren anstehenden Treffen auf eine entsprechende Strategie einigen würden. Denn sonst droht die Gefahr, dass spekulative Positionen noch weiter „aufgeblasen“ werden - mit dem Risiko, dass eine nicht ewig aufschiebbare Korrektur umso deutlicher ausfallen könnte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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