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Strategie Schwacher Dollar - hoher Ölpreis

21.09.2007 ·  Der Ölpreis liegt über 80 Dollar je Barrel. Dafür werden viele Gründe genannt. Tatsächlich gibt es viele offene Kontrakte an den Terminbörsen und einen Gleichlauf zwischen dem Ölpreis und dem Verhältnis zwischen Euro und Dollar.

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Die vergangenen Jahre zeichneten sich an den Finanz- und Rohstoffmärkten durch eine beinahe einheitliche Tendenz aus: Wenn der Dollar fiel, gingen die Preise für Energie und Rohstoffe durch die Decke.

So dürfte es gegenwärtig kaum verwundern, dass sich der Ölpreis angesichts der Rekordtiefs der amerikanischen Währung zumindest gegen den Euro ebenfalls auf einem Rekordniveau von 81,54 Dollar je Barrel West Texas Intermediate Midland Crude Oil (WTI) befindet, während der Goldpreis mit 734,40 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit 28 Jahren erreicht hat.

Offenen Kontrakte an den internationalen Terminbörsen nehmen auf hohem Niveau zu

Es scheint zwar viele gute Gründe für einen hohen Ölpreis zu geben. Sie reichen von der vorgeblich starken Zunahme der Nachfrage über das bewusst knapp gehaltene Angebot bis hin zur anhaltenden geopolitischen Unsicherheit im Mittleren Osten. Gerade dort sind jedoch die weltweit größten und vor allem auch die am günstigsten auszubeutenden Lagerstätten zu finden.

Sehr wahrscheinlich wird der Ölpreis gegenwärtig jedoch vor allem von spekulativen Anlegern nach oben getrieben. Daraufhin deuten die hohen und im Trend zunehmenden Zahlen offener Kontrakte an den internationalen Terminbörsen ebenso wie die hohe Korrelation des Preises mit dem amerikanischen Dollar. Die Spekulanten mögen kurzfristig auf vermeintliche Störungen der Versorgung durch Wirbelstürme sowie saisonale Effekte und mittelfristig auf eine Verknappung des Angebots setzen. Dies wird auch von der International Energy Agency prognostiziert, obwohl Saudi Arabien die Kapazitäten deutlich erhöht.

Andererseits dürfte jedoch auch die Strategie nicht von der Hand zu weisen sein, dass Dollarüberschussstaaten und Ölförderländer die offensichtliche Abwertungspolitik der Vereinigten Staaten einfach dadurch kontern, dass sie den Wertverlust der amerikanischen Währung einfach über steigende Ölpreise wieder ausgleichen. Um das zu erreichen, brauchen sie nur regelmäßig einen kleinen Teil der Öleinnahmen an den relativ engen Terminmärkten einzusetzen, um die Preise auf den Weg nach oben zu bringen.

Gleichlauf zwischen Ölpreis und Euro-Dollar

Auf diese Weise halten sie wenigstens die eigene Kaufkraft gleich, die aufgrund der fahrlässigen Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank immer wieder gefährdet wird. Immerhin hat diese in den vergangenen Tagen überraschend und vor allem auch überraschend stark die Leitzinsen gesenkt, um die Folgen des Platzens der durch eine zu lockere Geldpolitik entstandenen Immobilienblase abzumildern. Die Fed hatte schon immer die Tendenz, den professionellen Zockern der Wall Street zu Hilfe zu eilen, wenn diese die Risiken wieder einmal falsch eingeschätzt hatten. Die Wirklichkeit der viel gepriesenen Marktwirtschaft sähe indes anders aus. Dort müssten diese ihre Verluste selbst tragen und könnten sie nicht auf die Allgemeinheit abwälzen.

Der in den vergangenen Jahren offensichtlich gewordene Gleichlauf zwischen Ölpreis und dem Wechselkurs von Euro und Dollar hat eine einfache Erklärung: Sie liegt im Interesse der Ölförderstaaten. Da sie mehr Geschäfte mit Europa und Asien als mit den Vereinigten Staaten machen, haben sie zwei Möglichkeiten, auf die Dollarschwäche zu reagieren: Entweder sie werten ihre eigenen Währungen auf - dazu dürften sie aus politischen Überlegungen und mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit mit Asien nur bedingt neigen - oder sie lassen den Ölpreis nach oben laufen. Im zweiten Fall sinkt zwar der Wert des Dollars, aber der steigende Preis gleicht die Kaufkraftnachteile mit Blick auf Europa aus.

Es fragt sich nur, ob diese Lösung langfristig tagfähig ist. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, diese Korrelation nicht für gegeben zu nehmen. Die vergangenen Wochen haben einmal mehr gezeigt, dass man sich auf quantitative Modelle nur bedingt verlassen kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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