18.09.2006 · Die Anleger sind in den vergangenen Wochen mit steigenden Aktienkursen wieder optimistischer geworden als zuvor. Die Strategen von S&P dagegen reduzierten ihre Aktienquote. Sie rechnen mit einer Gegenbewegung.
Die Anleger sind in den vergangenen Wochen mit steigenden Aktienkursen in Amerika und Europa wieder optimistischer geworden, immerhin stehen die amerikanischen Indizes vor neuen Hochs.
Sollten sie tatsächlich erreicht und gar signifikant überschritten werden, könnte das aus Sicht manches Marktbeobachters der Auslöser für eine weitere Kursbewegung nach oben sein. Sie dürfte - sollte sie denn kommen - auch die anderen Märkte weltweit mitnehmen. Immerhin gehören auch die letzten Monate eines jeden Jahres aus saisonaler Sicht zu den stärksten.
Pro und Contra der Aktienanlage
Die Optimisten begründen ihre Einschätzung fundamental mit der amerikanischen Zentralbank, die aufgrund der „verhalten ausfallenden Inflationszahlen“ den Leitzins nicht mehr weiter erhöhen werde. Wegen der anhaltend hohen Liquidität seien steigende Kurse auch mit Blick auf die „robuste Gewinnentwicklung der Unternehmen“ und die „vernünftige Bewertung“ wahrscheinlich, denken sie.
Auf der anderen Seite gibt es jedoch einige Argumente, die dagegen sprechen können. Dazu zählen einerseits die globalen Ungleichgewichte. Sie zeigten sich am Montag nicht nur an einem Rekorddefizit in der amerikanischen Leistungsbilanz von 218,4 Milliarden Dollar alleine im zweiten Qaurtal und einem unerwartet geringen Zufluß an Kapital von 33 Milliarden Dollar - der Markt hatte 70 Milliarden Dollar erwartet - im Juli, das dringend benötigt wird, um dieses Defizit zu decken.
Auf der anderen Seite sieht auch der Blick auf die amerikanische Wirtschaft nicht sonderlich ermutigend aus. Denn der amerikanischen Immobilienmarkt befindet sich schon seit Monaten deutlich auf dem Rückzug. Stagnierende oder gar fallende Preise lassen das scheinbare Perpetuum Mobile der vergangenen Jahre nun rückwärts laufen, das die amerikanische Konjunktur, getrieben durch überaus tiefe Zinsen, lange Zeit beflügelt hatte.
Plötzlich ist es vorbei mit dem „Vermögenspreiseffekt“, der Hausbesitzern immer höhere Kredite ermöglicht und auf diese Weise den Konsum beflügelt hatte. Nun befinden sich nicht nur sämtliche Bereiche, die mit dem Hausbau auch nur im entferntesten zu tun haben, in der Defensive, sondern indirekt auch alle Branchen und Regionen, die den amerikanischen Konsumenten direkt oder indirekt beliefern. Dazu zählen insbesondere auch die asiatischen Staaten, die im Handel mit Amerika massive Überschüsse erzielen. Indirekt zählt dazu auch der Rohstoffbereich. Solche Argumente könnten die „Aktieneuphorie“ dämpfen.
S&P-Strategen reduzieren den Aktienanteil - erhöhen die Cashquote
Selbst die traditionell in der Tendenz optimistischen Anlagestrategen von S&P sind in den vergangenen Tagen etwas vorsichtiger geworden und haben ihre Aktienquote von 45 auf 40 Prozent gesenkt und ihre „Cashquote“ von 15 auf 20 Prozent erhöht. Sie denken, die kurzfristig Börsenrally sei induziert worden vom fallenden Ölpreis. Nun erwarten sie allerdings eine kurzfristige Gegenbewegung, die die Börsen korrigieren lassen werde.
Grundsätzlich gehen sie von einem „Softlanding“ der amerikanischen Konjunktur und von einem Indexstand des S&P 500 zum Jahresende von 1.315 Punkten aus. Damit hätte er in diesem Jahr praktisch kein Kurspotential mehr. Für das kommende Jahr dagegen prognostizieren sie einen Kursgewinn von knapp zehn Prozent. Ob sie mit dieser Einschätzung recht behalten werden, wird sich noch zeigen müssen. Immerhin deutet die inverse Struktur der amerikanischen Zinskurve auf eine Rezession hin, während sich nach wie vor erheblicher Preisdruck „in der Pipeline“ befindet.
Er könnte verstärkt werden, wenn die bisher disinflationären Importpreise über einen schwächeren Dollar oder als folge steigender Preise in Asien anziehen sollten. In manchen Ländern - auch zum Beispiel in China - steigen die Löhne massiv, während die Steuervorteile für die Exportwirtschaft reduziert werden. Auch der Blick auf die Statistik zeigt, daß Phasen mit steigenden Leitzinsen in der Vergangenheit eher mit einer Rezession denn mit einer wirtschaftlichen Abkühlung endeten. In diesem Sinne bleibt vorerst die Frage offen, ob die Börsianer mit ihrem Optimismus oder die Rentenmärkte mit ihrem Konjunkturpessimismus recht behalten werden. Anleger sollten auf entsprechende Signale achten, um zügig entsprechend agieren zu können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |