22.09.2006 · Die Akteure an den Finanzmärkten verhalten sich oft recht seltsam. Auf der einen Seite behaupten sie vielfach, sie orientierten sich an der Entwicklung fundamentaler Daten. Die vergangenen Tage wiederlegten diese These wieder einmal.
Die Akteure an den Finanzmärkten verhalten sich oft recht seltsam. Auf der einen Seite behaupten sie vielfach, sie orientierten sich an der Entwicklung fundamentaler Daten. Auf der anderen wurde es selten so offensichtlich, daß diese zumindest kurzfristig kaum eine Rolle spielen, wie in den vergangenen Tagen am Beispiel der Kursentwicklung an den Devisenmärkten.
So konnten die Teilnehmer am jüngsten G7-Treffen noch so deutlich auf die makroökonomischen Ungleichgewichte, die möglichen Konsequenzen und die notwendigen Anpassungsschritte hinweisen, die Märkte schienen darauf kaum zu reagieren.
Dollarentwicklung ignoriert die Fakten
Der Dollar geriet selbst dann nicht unter Druck, als die amerikanische Leistungsbilanz in Daten für den Juni mit einem Minus von 218,4 Milliarden Dollar unerwartet schwach ausfiel, den negativen Trend der vergangenen Jahre fortsetzte und als die Wertpapierkäufe von ausländischen Anlegern im Juli in den Vereinigten Staaten mit knapp 33 Milliarden Dollar nur halb so hoch ausfielen, wie erwartet worden war.
Im Gegenteil, der Yen gab gegen den Dollar zunächst noch nach, obwohl Japan im Handel mit Amerika einen Überschuß erzielt, obwohl die japanische Währung sowohl gegen den Dollar als vor allem auch gegen den Euro unterbewertet ist und obwohl alle Welt, bis auf die asiatische, eine Aufwertung der „unfreien“ asiatischen Währungen für notwendig hält. Auch die Zinserwartungen scheinen in diese Richtung zu deuten.
Immerhin deutet vieles darauf hin, daß in den Vereinigten Staaten die durch eine überaus lockere Geldpolitik weltweit induzierte konjunkturelle Dynamik mit beängstigender Geschwindigkeit an Momentum verliert. Es kann bedenklich stimmen, wenn man sieht, wie rasch sich der künstlich aufgeblasene Immobilienmarkt abkühlt und welche Konsequenzen bei den ganzen Bauunternehmen, den „Zulieferern“, den Maklern, den „Finanzierern“ und auch bei den Konsumenten sehr wahrscheinlich sind.
Der lange Zeit so positive Multiplikatoreffekt dürfte negativ werden und die Wirtschaft weiter nach unten ziehen. Die Symptome ließen sich in den vergangenen Tagen unter anderem an einer Umsatz- und Gewinnwarnung bei Yahoo ablesen, die sich aus der schwachen Verfassung des Online-Werbemarktes gerade in den vergangenen Wochen ableitete. Andere Unternehmen lassen ähnliches durchblicken. Das ist kein sonderlich gutes Zeichen. Es führt zur Frage, wo die Börsianer ihren gegenwärtigen Optimismus hernehmen.
Kontrast zwischen Börsen, Devisen- und Rentenmarkt
Immerhin kontrastiert er mit der robusten Entwicklung an den Rentenmärkten, die längst schon nicht nur die inzwischen wieder bestätigte Zinspause, sondern sogar schon Zinssenkungen vorwegnehmen. Und das, obwohl die Zentralbanken lediglich optisch restriktiv sind und nicht faktisch. Denn das Kreditwachstum ist weltweit hoch und die Liquidität alles andere als knapp.
Sehr wahrscheinlich führt gerade sie zur bisher robusten Verfassung an den Finanzmärkten einerseits, aber auch zu steigenden Preisen im Energie- und Rohstoffbereich andererseits. Die hohen Preise dringen direkt und indirekt immer stärker zu den Konsumenten durch und schränken ihre Budgets immer weiter ein. Diese Entwicklung dürfte sich beleben, wenn und sobald die amerikanische Zentralbank - und möglicherweise auch andere - ihre Geldschleusen aufgrund des nachlassenden Wachstums wieder öffnen und die Zinsen gar wieder senken sollten.
Auch der Dollar müßte unter Druck geraten. Immerhin würde der nominelle Zinsvorteil abnehmen und die amerikanische Zinskurve würde wieder steiler werden. Die langsame, aber stetige Aufwertung des chinesischen Yuan deutet ebenfalls in diese Richtung. Immerhin hat er am Donnerstag mit 7,9233 Yuan je Dollar wieder ein neues Mehrjahreshoch erreicht. Wogegen der Greenback mit Kursen von 1,2741 Dollar gegen den Euro und mit 117,77 Yen je Dollar in den vergangenen Tagen nur leicht und nicht signifikant nachgegeben hat.
Orientieren sich Börsen an Fakten ?
Carl-F. Beisswenger (Beisswenger)
- 22.09.2006, 11:09 Uhr
Börsenkurse und "Fakten"
Carl-F. Beisswenger (Beisswenger)
- 30.09.2006, 11:38 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |