10.03.2009 · Massive Kursgewinne der Finanzwerte treiben am Dienstag die Indizes an den Börsen in Europa und den Vereinigten Staaten massiv nach oben. Die Kurserholung ist jedoch primär technisch getrieben.
Massive Kursgewinne der Finanzwerte treiben am Dienstag die Indizes an den Börsen in Europa und den Vereinigten Staaten massiv nach oben. Der S&P-500 liegt 5,4 Prozent im Plus bei 713 Zählern, der Dax verbucht einen Kursgewinn von 5,3 Prozent auf 3.887 Zähler.
Diese Kursexplosion lässt sich relativ einfach erklären. Erstens lag die Anlegerstimmung in den vergangenen Wochen und Monaten auf Grund der schlechten Nachrichten von konjunktureller und von Unternehmensseite völlig am Boden (siehe Infografik). Sind solche Extreme erreicht, so ist nur ein schwacher Impuls nötig, um die Luft aus einer solchen Stimmungsblase entweichen zu lassen.
Alleine schon technische Gründe beflügeln kurzfristig die Kurserholung
Dies führt in der Regel alleine schon aus technischen Gründen zu einer Gegenbewegung. Da zuvor viele aufgrund der Abwärtstrend und der schlechten Nachrichten auf fallende Kurse spekuliert hatten, sind sie bei einer einsetzenden Gegenbewegung gezwungen, ihre Positionen zu schließen. Dies wiederum führt vor allem in jenen Branchen kurzfristig zu deutlichen Kursgewinnen, die zuvor als schwach betrachtet wurden. Im gegenwärtigen Umfeld sind das vor allem die Finanzwerte.
Ein typisches Beispiel ist die Notierung der Citigroup. Hatte sie noch bis Mitte des Jahres 2007 Kurse von bis zu 55 Dollar erreicht, so ging sie danach in einem steilen Abwärtstrend über. Dieser hatte sie in den vergangenen Tagen auf ein Zwischentief von gerade einmal 97 Cents je Anteilsschein geführt. Der Abwärtstrend lief parallel zum Aufbau so genannter Short-Positionen und zu einer deutlichen Zunahme der Handelsvolumina. In einem immer schwieriger werdenden Umfeld hatten immer mehr Anleger auf fallende Kurse gesetzt und ihre Positionen sehr aktiv bewirtschaftet.
So kann kaum verwundern, dass die Gegenbewegung entsprechend deutlich ausfällt. Plötzlich versucht das Management des angeschlagenen Unternehmens, die Nachrichten positiv zu drehen. Es wurden „interne Meldungen“ lanciert, in denen sich Vikram Pandit, Vorstandschef der teilverstaatlichten Bank, zuversichtlich äußerte. Bisher verlaufe das Geschäft in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres so gut wie seit dem dritten Quartal 2007 nicht mehr und die Bank sei in den ersten beiden Monaten profitabel gewesen, habe es dort geheißen.
„Positives Nachrichtenspinning“ zeigt Wirkung
Solche Nachrichten treffen auf ein Umfeld, in dem die Vorstandssprecher der Deutschen Bank und der Bank of America ins gleiche Horn stoßen. Auf diese Weise versuchen sie von den Schwierigkeiten abzulenken, mit denen sie aufgrund der schwachen Wirtschaft, der schwachen Vermögenswerte und nicht zuletzt auch der Verwässerung der Kapitalbasis und der zu erwartenden Regulierungen konfrontiert worden sind oder werden.
Trotz der stillen, ungedeckten Lasten in ihren Bilanzen und den aufgrund der schwachen Wirtschaftsentwicklung zu erwartenden Belastungen durch notwendig werdende Rückstellungen sehen sie sich unter anderem aufgrund aufgeweichter Bilanzierungsstandards in die Lage versetzt, ihre Ergebnisse optisch zu schönen. Plötzlich ist die Rede davon, Unternehmen wie die Citigroup oder die Bank of America könnten im laufenden Quartal sogar Gewinne ausweisen, währen der Markt an sich weitere Verluste erwartet.
Diese Gesamtkonstellation mag dazu führen, dass diese Werte kurzfristig weiter nach oben laufen und den Gesamtmarkt mitziehen mögen. Sind erst einmal kurze Trends etabliert worden, können sie sich sogar selbst verstärken. Denn alle Index-orientierten Anleger, die nicht von Anfang an dabei sind, müssen früher oder später nachkaufen, um nicht zu stark zurück zu fallen. Mit fundamentalen Überlegungen hat das allerdings wenig zu tun. Denn hier sehen die Perspektiven weiterhin kritisch aus. Allerdings können selbst diese Daten in den kommenden Monaten vorübergehend überraschen, nämlich dann, wenn die die gewaltigen Konjunkturprogramme ihre Wirkung zeigen.
Es fragt sich nur, wie lange sie halten werden. Immerhin hat sich das Umfeld geändert; der kreditfinanzierte Konsumboom der vergangenen 25 Jahre dürfte sich kaum durch die Verschwendung öffentlicher Mittel ersetzen lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |