18.07.2005 · Das Kurs-Umsatz-Verhältnis trifft am ehesten ins Schwarze, wenn es darum geht, Unternehmen auszuwählen, denen bald ein kräftiger Umschwung bevorsteht, so John Dorfman von Dorfman Investments.
Von John Dorfman, Dorfman Investments/Bloomberg NewsVon allen „Pfeilen“, die ein wertorientierter Anleger in seinem Köcher hat, trifft das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) am ehesten ins Schwarze, wenn es darum geht, Unternehmen auszuwählen, denen bald ein kräftiger Umschwung bevorsteht.
Die meisten Anleger sind allerdings mit dem täglich in Zeitungen veröffentlichten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie am besten vertraut. Dabei wird der Aktienkurs durch den Gewinn je Aktie des betreffenden Unternehmens geteilt. Ein hoher Wert zeigt, daß die Investoren Gutes erwarten, ein niedriger Wert drückt ihr Mißtrauen aus, was die Zukunftsaussichten des Unternehmens betrifft. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis funktioniert im Grunde genommen auf die gleiche Weise, nur mit dem Unterschied, daß der Nenner im Bruch durch den Umsatz des Unternehmens je Aktie gebildet wird.
Niedriges Kurs-Umsatzverhältnis als Indikator
Große Unternehmen, die derzeit etwas zu kämpfen haben, verfügen typischerweise über ein niedriges Kurs-Umsatz-Verhältnis. Aktuelle Beispiele bilden General Motors und die Muttergesellschaft von American Airlines, AMR, mit einem KUV von jeweils 0,11 sowie Goodyear Tire & Rubber mit einem KUV von 0,15. Könnten solche Unternehmen ihre kraftlosen Gewinnmargen etwas aufpäppeln, würden die potentiellen Kursgewinne enorm hoch ausfallen. Aber ist das tatsächlich möglich?
Bei General Motors tendiere ich dazu, diese Frage mit „ja“ zu beantworten. Bei den anderen beiden genannten Unternehmen sage ich eher „nein“. Grundsätzlich gilt, daß diese Aktientitel eine gute Kaufmöglichkeit darstellen können, wenn die Antwort „ja“ lautet.
Seit 1998 habe ich jedes Jahr eine Kolumne geschrieben, in der ich einige Aktien mit niedrigen Kurs-Umsatz-Verhältnissen empfohlen habe. Von den sieben Empfehlungslisten sind sechs profitabel gewesen. Fünf haben den Standard & Poor's 500 Aktienindex übertroffen. Die durchschnittliche Zwölf-Monats-Rendite meiner Favoriten mit niedrigem KUV betrug 11,9 Prozent. Für den S&P 500 ergibt sich für die gleichen sieben Zeiträume eine durchschnittliche Rendite von genau 0,0 Prozent.
Im vergangenen Jahr habe ich vier Aktientitel mit niedrigem KUV ausgewählt: Marathon Oil hat bis zum 12. Juli 2005 eine Rendite von 60 Prozent, AmerisourceBergen von 34 Prozent und Griffon von 21 Prozent eingebracht. American Axle & Manufacturing Holdings büßte hingegen 21 Prozent ein. Alles in allem konnte die Liste des vergangenen Jahres einen Zuwachs von 23 Prozent verbuchen. Der S&P 500 legte hingegen um nur zwölf Prozent zu.
Im laufenden Jahr scheinen fünf Titel interessant zu sein
Ich beginne mit Ingram Micro, dem weltweit größten Lieferanten von Computern, Software und elektronischen Geräten. Der Einzelhändler, bei dem Sie Ihren letzten PC gekauft haben, hat diesen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Ingram Micro bezogen.
Meiner Ansicht nach wird Ingram Micro auch weiterhin von der schrittweisen Erholung des Informationstechnologiesektors seit seinem Einbruch in den Jahren 2000 bis 2002 profitieren. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit Sitz in Santa Ana, Kalifornien, mit einem Umsatz von 25,5 Milliarden Dollar einen Gewinn von 220 Millionen Dollar erzielt. Dies entspricht einer Gewinnmarge von einem Prozent. Von einem Lieferanten erwartet man jedoch keine hohen Gewinnmargen.
Der Börsenwert von Ingram Micro beträgt 2,65 Milliarden Dollar. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt somit bei 0,10. Sie können nicht viele Unternehmen finden, die ein noch geringeres KUV vorweisen können.
In zehn der vergangenen elf Jahre konnte Ingram Micro einen Gewinn verbuchen. 2002 ist die einzige Ausnahme gewesen. Die Analysten sind jedoch geteilter Meinung: Sechs geben eine Kaufempfehlung, sechs raten nur dazu, die Aktie zu halten. Bedenken Sie jedoch, daß die Empfehlung „Halten“ oft nur als beschönigende Umschreibung für „Verkaufen“ dient. Eine der Kaufempfehlungen stammt übrigens von Robert Anastasi, Analyst bei Raymond James & Associates. Meiner Ansicht nach zählt er zu den Besten seiner Klasse.
Die Ingram Micro-Aktie wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV; Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten je Aktie) von 1,2 bewertet.
Höhere Gewinne bei Sunoco
Mit seinem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,35 möchte ich Sunoco ins Spiel bringen, ein Unternehmen, das Öl raffiniert und Benzin, Chemikalien sowie andere Ölprodukte herstellt. Unter dem Markenname Sunoco wird außerdem Benzin vertrieben. Des Weiteren stellt das in Philadelphia ansässige Unternehmen Koks her, ein Kohlederivat, das als Brennstoff und zur Stahlproduktion verwendet wird.
Im vergangenen Jahr hat Sunoco einen Gewinn von 605 Millionen Dollar erzielt, der auf einem Umsatz von 23,2 Milliarden Dollar basierte. In zehn der vergangenen zwölf Jahre stand ein Gewinn in der Unternehmensbilanz. Obwohl die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 83 Prozent in die Höhe geschnellt ist, bin ich der festen Überzeugung, daß das Unternehmen auch weiterhin von den extrem knappen Raffineriekapazitäten in den Vereinigten Staaten von Amerika profitieren wird und der Kurs weiter steigt.
Als nächstes möchte ich Cummins hervorheben, das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,37 zu bieten hat. Der Hauptsitz des weltweit größten Herstellers von Hochleistungsdieselmotoren befindet sich in Columbus, Indiana. Im April hat Cummins seine Gewinnprognose für das laufende Jahr auf mindestens neun Dollar je Aktie angehoben. Dieser Wert liegt einen Dollar über der vorherigen Schätzung.
Gewinnkraft bei Cummins
Cummins hat mit einem Wert, der 92 Prozent des Eigenkapitals entspricht, leider weitaus höhere Schulden als mir lieb ist. Die Profitabilität kann sich jedoch sehen lassen: Im vergangenen Jahr konnten Gewinne in Höhe von knapp 30 Prozent des Eigenkapitals erzielt werden.
Die Cummins-Aktie wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als zehn gehandelt und bietet zudem einen Dividendenrendite von 1,6.
Meine vierte Empfehlung ist Johnson Controls mit Unternehmenssitz in Milwaukee. Dieser Titel gehört seit 1998 zu meinen Favoriten mit niedrigem KUV. Johnson Controls stellt Autositze, Armaturenbretter und Autobatterien her. Außerdem werden Kontrollsysteme für Heizungen, Belüftungs- sowie Klimaanlagen in Gebäuden entwickelt und installiert. Seit meiner ersten Empfehlung hat Jonhnson Controls rund 173 Prozent zugelegt. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,42, einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von knapp unter zwei ist die Aktie dennoch nicht zu teuer.
Den Abschluß der diesjährigen Liste bildet Agco, die Nummer Zwei unter den amerikanischen Herstellern für landwirtschaftliche Ausrüstungsgüter. Zu den Markennamen des Unternehmens zählen Massey Ferguson, Gleaner und Fendt.
Die Agco-Aktie wird derzeit nur mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von nur 0,34, einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zwölf und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,3 gehandelt. Nach meiner Beurteilung ist dies eine sehr attraktive Bewertung.
In zwölf der vergangenen 14 Jahren lag das Ergebnis des Unternehmens im Plus. Die Analysten erwarten im laufenden Jahr einen Gewinnzuwachs in Höhe von fünf Prozent und für das Jahr 2006 von elf Prozent.
Agco sitzt Duluth, Georgia, und erwirtschaftet den Großteil seiner Umsätze außerhalb der Vereinigten Staaten. Das erste Quartal ist eher moderat verlaufen: Der Absatz stieg zwar um 13 Prozent, aber die Gewinne sanken um 14 Prozent, was in erster Linie auf Preiseinschnitte insbesondere in den Märkten Brasilien und Argentinien zurückzuführen ist.
Vor kurzem hat Agco erste Joint-Venture-Gespräche mit First Tractor aufgenommen, dem größten Traktorenhersteller in China.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |