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Strategie Kaufen und halten - das war einmal

06.03.2009 ·  Wer vor zehn Jahren Aktien kaufte, befindet sich heute unter Wasser. Längere Phasen der Kursschwäche sind nicht neu. Wer auf eine nachhaltige Kurserholung wartet, muss unter Umständen lange warten. Kurzfristige Rallys sind jedoch denkbar.

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„Aktien sollte man als langfristiger Anleger kaufen und halten, damit könne man nicht viel falsch machen“ mit solchen oder mit ähnlichen Slogans wurde und wird diese Anlageform immer wieder schmackhaft gemacht.

Der Blick auf die Kursentwicklung verschiedener Aktienindizes in den vergangenen Jahren jedoch lässt solche Aussagen hinterfragen. Wer sich vor fünf oder auch zehn Jahren europäische oder amerikanische Aktien ins Depot legte, befindet sich heute nach den Kursverlusten der vergangenen Monate unter Wasser und hat keinen Cent verdient.

Längere Phasen der Kursschwäche sind nicht neu

Solche Phasen sind keineswegs neu. Schon in der längeren Vergangenheit gab es immer wieder deutliche Kursrückschläge oder längere Zeitperiode, in welchen die Aktienmärkte seitwärts liefen. Nach massiven Kurseinbußen in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts dauerte es volle 20 Jahre, bis die amerikanischen Indizes ihre Verluste aufgeholt hatten. Anleger, die auf erhöhten Kursniveaus in den Markt eingestiegen waren, mussten sehr viel Geduld aufbringen, um schließlich die Gewinnzone wieder erreichen zu können.

Selbst dann jedoch war ihr Erfolg nicht sicher, sollten sie auf Einzelwerte oder gar den falschen Markt gesetzt haben. So ging der japanische Nikkei-Index am Freitag auf dem tiefsten Stand seit 27 Jahren aus dem Handel. Selbst wer nach dem Kauf japanischer Aktien bereit gewesen sein sollte, ein halbes Leben lang auf Kursgewinne zu hoffen, wurde bis heute enttäuscht. Auch die weiteren Aussichten sind nicht gerade glänzend.

Denn inzwischen ist beinahe der gesamte Globus in gesamtwirtschaftlichen Sinne „japanisch“ geworden. Die Wachstumsraten sind negativ, die Vermögenspreise stehen unter Druck und die angeschlagenen „Zombie-Banken“ vergeben aufgrund der zweifelhaften Bonität vieler Unternehmen und Privathaushalte nur noch restriktiv Kredite, obwohl die Zentralbanken die Leitzinsen immer tiefer gesenkt haben und die Märkte mit Liquidität förmlich überschwemmen.

Es wird kaum verwundern, dass die Anleger aufgrund dieser Konstellation sehr unruhig sind. Ihre Nervosität lässt sich an den hohen Volatilitäten an den Terminbörsen ablesen. Volatilitätsindizes wie der VDax-New der Eurex oder amerikanische Vix haben sich in den vergangenen Wochen zwar etwas von zwischenzeitlichen Extremwerten erholt. Allerdings halten sie sich seitdem auf unüblich hohen Niveaus.

Die Stimmung kann rasch und deutlich wechseln

Der VDax-New liegt am Freitag bei 46,5 Prozent, der Vix war am Donnerstag mit 50 Prozent aus dem Handel gegangen. Beides sind extreme Werte, die in den vergangenen Jahren regelmäßig als Kontraindikator verwendet werden konnten. Denn sie deuteten in der weiteren Vergangenheit eine Ausverkaufsstimmung an den Märkten an, die sich rasch wieder legen würde.

Da Anleger offensichtlich schon seit Wochen bereit sind, hohe Preise für die Absicherung gegen Kursverluste - hohe Volatilitäten machen Verkaufsoptionen teuer - zu zahlen, können die Volatilitätsindizes ihre Signalfunktion inzwischen nicht mehr erfüllen. Strategen raten, auf den Ausbruch dieser Indizes zu warten. Sollten die Volatilitäten noch extremer werden, würden sie auf einen „reinigenden Ausverkauf“ hindeuten. Sollten sie dagegen zurückgehen, würden sie auf eine Normalisierung der Märkte hinweisen. Beides ist im Moment nicht abzusehen.

Die Stimmung wird bisher dominiert von schwachen Konjunktur- und Unternehmensdaten. Allerdings kann sich das schnell ändern. Alleine schon die Diskussionen über die chinesischen Konjunkturprogramme und die starke, wenn auch kurzfristige Zwischenreaktion der Börsianer zeigte, wie wetterwendisch die Stimmungslage ist. Tatsächlich zeigen verschiedene Analysen, dass die verschiedenen Konjunkturprogramme in den kommenden Quartalen das Wachstum stimulieren werden. Darauf werden die Börsianer mit Sicherheit euphorisch reagieren und die Kurse unter Umständen rasch und deutlich nach oben treiben (siehe Graphik).

Wie weit die Kursgewinne werden tragen können ist allerdings offen. Denn der Blick in die Vergangenheit - zum Beispiel in die 50er-Jahre - zeigt, dass die Effekte rasch wieder verpuffen können. Aus diesen Gründen werden clevere Anleger dazu neigen, Aktienkäufe mit regelmäßig angepassten Absicherungsstrategien zu kombinieren. Denn nur wer Verluste möglichst vermeidet, hat Aussicht auf überdurchschnittlichen Anlageerfolg.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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