01.08.2005 · Die Kurse an den Börsen steigen, die Stimmung ist gut. Manchen Anlegern sind „einfache Kursgewinne“ jedoch nicht genug, sie setzen auf „aggressivere“ Instrumente. Knock-Out-Scheine bewegen sich in der Nähe der „Todesschwelle“ stark.
Die Stimmung an den Börsen ist gut, denn die Kurse sind in den vergangenen Tagen überraschend und auch überraschend stark gestiegen. Die Trends zeigen weiterhin nach oben und es ist scheinbar nichts abzusehen, was diese Entwicklung aufhalten könnte.
Negative Argumente wie beispielsweise der anhaltend hohe Ölpreis oder die steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten werden zur Zeit einfach ignoriert. Denn es scheint zu viele positive Argumente zu geben. Sie sind im Moment vor allem in Europa zu finden. Immerhin sind hier die Zinsen noch tief, die Unternehmen vielfach vernünftig bewertet und in die verharzte Strukturkrise ist zumindest auf Unternehmensebene deutliche Bewegung gekommen. Und mit der wohl anstehenden Bundestagswahl könnte sich das auch in der „breiten Wirtschafts- und Finanzpolitik“ zeigen. Zumindest scheinen die Markteilnehmer darauf zu spekulieren.
Manchen Anlegern sind „einfache Kursgewinne“ nicht genug
Der hohe Optimismus und die positiven Schlagzeilen in den Medien könnten zwar grundsätzlich als Kontraindikatoren betrachtet werden und zu einer gewissen Vorsicht raten, allerdings kann die Dynamik solcher Kursbewegungen manchmal länger anhalten als man denkt. Aus diesem Grund ist es wichtig dabei zu sein. Denn die größten Kursgewinne wurden zumindest in der Vergangenheit immer wieder in wenigen starken Phasen erzielt.
Manchen risikofreudigen Anlegern sind selbst solche Kursbewegungen nicht genug. Sie wollen einfach „mehr“. Aus diesem Grund „spielen“ sie zum Beispiel mit Futures. Denn sie bieten einen starken „Leverage“. Damit ist die Tatsache gemeint, daß man sich beispielsweise den Dax-Index ins Depot hohlen kann, dafür allerdings nur etwa zehn Prozent des Kapitals einschießen muß. Das heißt, bewegt sich der Markt um ein Prozent, dann verändert sich der Wert des eingesetzten Kapitals gleich um ein Vielfaches.
Das ist gut, wenn der Anleger auf die „richtige Seite“, also zum Beispiel auf steigende Kurse, gesetzt hat. Das ist allerdings sehr schlecht, wenn er in die andere Richtung läuft, denn dann zehrt der Kontrakt schnell die liquiden Mittel des Anlegers auf. Aus diesem Grund ist beim „Spiel“ mit solchen Produkten ein straffes Risikomanagement notwendig. Die Risiken für die Broker und Banken werden über das so genannte „Margining“ ausgeschaltet. In diesem Prozeß muß der Anleger täglich Kapital nachschießen, wenn der Markt gegen ihn läuft.
Hohe Kursgewinne und -verluste in der Nähe der „Todesschwelle“ möglich
Das Prozedere war für viele Anleger zu kompliziert. Seit ein paar Monaten kommen jedoch immer wieder neue Produkte auf den Markt, die gut gewählt noch deutlich aggressiver sind, als die Futures: die so genannten Knock-Out-Scheine. Das sind Optionsscheine der speziellen Art, die oft nicht nur eine geringe Restlaufzeit haben sondern ein wichtiges zusätzliches Merkmal: die K.O.-Schwelle. Erreicht der Basiswert dieses Niveau, verfällt er in der Standardvariante sofort, der Anleger hat in diesem Fall das gesamte dafür eingesetzte Kapital verloren.
Auf der anderen Seite hat das Produkt vor allem für spekulative Anleger gewisse Vorteile. Erstens reagiert es so gut wie nicht auf Volatilitätsänderungen. Zweitens wird es um so günstige, je näher der Markt an der „Todesschwelle“ liegt. Kaufen die Zocker die Werte in diesem Zustand und der Markt bewegt sich nur wenig in die richtige Richtung, so lassen sich bezogen auf das eingesetzte Kapital überproportionale Renditen erzielen.
Das Beispiel in der angehängten Graphik zeigt einen Knock-Out Call auf den Dax mit einer Restlaufzeit von etwa 15 Tagen und einem Strike und „Out-Strike“ bei 4.805 Punkten. Es zeigt, daß mit nahe „am Markt“ liegenden Papieren bei steigenden Kursen hohe Renditen zu erreichen sind. Das ist auch der Grund dafür, daß die Emittenten in sich rasch bewegenden Märkten immer wieder und manchmal in rascher Folge neue Scheine auf den Markt werfen.
Die Risiken sind allerdings sehr hoch. Denn der hohe „Hebel“ wirkt sowohl nach oben als auch nach unten. Bewegt sich der Markt bzw. das Basisprodukt in die falsche Richtung, wird unheimlich schnell viel Kapital verloren, bei Erreichen der „Todesschwelle“ sogar das gesamte eingesetzte Geld. Das Risiko trägt alleine der Anleger, denn für die herausgebenden Banken und Broker sind die Knock-Out-Schwellen ideal, um die Risiken ihrerseits zu vermeiden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |