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Strategie Günstige Aktien kaufen, teure Titel verkaufen

02.11.2005 ·  Mit der selektiven Auswahl und dem Kauf günstig bewerteter Aktien macht John Dorfman von Dorfman Investments regelmäßig gute Erfahrungen. Ebenfalls mit dem Verkauf überteuerter Werte. Im folgenden erläutert er seine aktuelle Auswahl.

Von John Dorfman, Dorfman Investments/Bloomberg
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Im November schreibe ich immer über zwei Gruppen von Aktien. Die eine nenne ich die Simmering Six. Dabei handelt es sich um sechs Werte, die in den ersten zehn Monaten des Jahres eine steile Kursbewegung nach oben verzeichnet haben, trotzdem aber nach wie vor einige grundlegende Value-Kriterien erfüllen. Diese Titel gefallen mir.

Auf der anderen Seite stehen die sogenannten Sky-High Six. Unter den Unternehmen mit einem Börsenwert von mindestens 500 Millionen Dollar und einem Gewinn pro Aktie von zehn Cent oder mehr weisen diese sechs Werte das höchste Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aus. Nahezu ausnahmslos handelt es sich dabei um Titel, die ich meiden würde.

Die „Simmering Six“ schlagen den Vergleichsindex um Längen

Während bei den Simmering Six die Titelauswahl auf meiner persönlichen Einschätzung beruht, trifft bei der Gruppe der Sky-High Six der Computer die endgültige Wahl. In den vergangenen drei Jahren betrug die durchschnittliche jährliche Rendite auf die Simmering Six etwa 19 Prozent, womit sie den Standard & Poor's 500 Index pro Jahr um circa sieben Prozentpunkte übertroffen haben. Demgegenüber erzielten die Sky-High Six in den vergangenen vier Jahren eine durchschnittliche jährliche Rendite von zwei Prozent und schnitten damit pro Jahr um 1,6 Prozentpunkte schlechter ab als der S&P 500.

Lassen Sie uns das Experiment fortsetzen... Um sich in diesem Jahr für die Gruppe der Simmering Six zu qualifizieren, mußte ein Titel eine Kursverbesserung von wenigstens 25 Prozent verzeichnet haben. Für ein Jahr, in dem sich der Marktdurchschnitt kaum von der Stelle bewegt hat, ist das eine wirklich gute Performance. Zu den weiteren Auswahlkriterien gehören ein Börsenwert von 750 Millionen Dollar, ein KGV von höchstens 15 und ein im Vergleich zum Eigenkapital niedrigerer Fremdkapitalanteil.

Meine erste Wahl für die Simmering Six fällt auf ConocoPhillips, eine integrierte Ölgesellschaft mit internationalem Aktionsradius. Der Titel konnte in diesem Jahr um 51 Prozent zulegen und notiert dennoch nur mit einem KGV von acht und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,59. ConocoPhillips zahlt außerdem eine recht ordentliche Dividende, die eine Rendite von fast zwei Prozent erreicht. Die Bilanz des Unternehmens erscheint solide, beträgt die Verschuldung doch weniger als 30 Prozent des Eigenkapitals. Es stimmt zwar, daß der Preis für ein Barrel Öl seit dem Spitzenstand von fast 70 Dollar am 30. August zwischenzeitlich auf circa 61 Dollar zurückgegangen ist. Sollen wir deswegen jetzt ein Klagelied über die Ölunternehmen anstimmen? Wohl kaum. Selbst bei einem Ölpreis von 50 Dollar je Barrel dürften sie noch einen sagenhaften Gewinn verbuchen.

Als nächstes hätten wir Lone Star Technologies. Der Hersteller von Ölfeldrohren (Futter-, Förder- und Leitungsrohre) hat in diesem Jahr bisher um 37 Prozent zugelegt und notiert nach wie vor nur mit einem KGV von acht. Es gibt Stimmen, denen zufolge Öldienstleister bereits ihren Gewinnhöhepunkt erreicht haben; für ein Engagement sei der jetzige Zeitpunkt daher ungünstig. Dem stimme ich nicht zu. Nach meiner Ansicht werden die Öl- und Gaspreise hoch genug bleiben, um die Bohraktivitäten in den kommenden Jahren rege zu halten.

Tommy Hilfiger entwirft, beschafft und vertreibt Bekleidungskollektionen für Herren und Damen. Der Titel ist seit Jahresbeginn um 43 Prozent in die Höhe geschossen und wird mit einem KGV (auf Basis des Gewinns der vergangenen vier Quartale) von zwölf gehandelt. Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,2 und einem KUV von 0,80 scheint er mir ein echtes Schnäppchen zu sein.

An vierter Stelle steht Cleveland-Cliffs. Der Hersteller von Eisenerzpellets hat für 2004 ein hervorragendes Ergebnis vorgelegt - nach drei Verlustjahren in Folge. Davor konnte das Unternehmen in 13 von 14 Jahren jeweils einen Gewinn schreiben. Cleveland-Cliffs ist schuldenfrei und bei einem KGV von zehn und einem KUV von 1,1 meines Erachtens ein lohnenswertes Engagement.

Nummer fünf ist Intergraph, den ich für mich persönlich und einige meiner Kunden halte. Das Unternehmen stellt Software für die Kartierung/Wiederherstellung der Stromversorgung nach einem Ausfall und andere Zwecke her. Die Intergraph-Aktie notiert gegenüber Jahresbeginn 80 Prozent im Plus und wird mit einem KGV von 13, einem KBV von 3,5 und einem KUV von 2,6 gehandelt. KBV und KUV sind in dem Fall nicht günstig, und so habe ich in diesem Jahr mein Engagement in dem Titel entsprechend reduziert (gleichwohl ich nach wie vor daran festhalte).

Meine sechste und letzte Empfehlung lautet Loews. Das Unternehmen befindet sich zu mehr als 30 Prozent im Besitz der Familie Tisch und wird von dieser geleitet. Zu seinen Beteiligungen gehören CNA Financial, Carolina Group (Tracking Stock - sprich eine eigenständig berichtende, rechtlich jedoch unselbständige Unternehmenssparte - des Zigarettenherstellers Lorillard) sowie eine 54-Prozent-Beteiligung an Diamond Offshore Drilling. Mit einem KGV von 14, einem KBV von 1,4 und einem KUV von 1,1 erachte ich Loews als Schnäppchen, selbst wenn der Titel in diesem Jahr bereits um 32 Prozent zulegen konnte.

Die „Antischnäppchen“ können mit dem Index nicht mithalten

Das absolute Gegenteil von einem Schnäppchen sind nach meiner Meinung die sechs Unternehmen, die die Gruppe der Sky-High Six bilden. Hier steht an oberster Stelle Salesforce.com. mit einem KGV von 192. Das Unternehmen verkauft internetbasierte Software für Kundenverwaltung. Als nächstes hätten wir Lamar Advertising - ein Unternehmen, dessen ich mich hin und wieder für Leerverkaufszwecke bedient habe. Die Aktie des Besitzers und Betreibers von Reklametafeln notiert mit einem KGV von 154. Mit einem KGV von 139 steht Freddie Mac - ein Unternehmen, das von Banken Hypotheken aufkauft, einen Teil davon behält und andere wiederum zu Wertpapieren bündelt - an dritter Stelle.

Die Liste der Sky-High Six schließt mit NetIQ, Crosstex Energy und Celgene, die ein KGV von 120, 117 und 112 ausweisen. NetIQ stellt Software für den Betrieb von Computernetzwerken her. Crosstex hat sich auf die Verarbeitung und den Vertrieb von Erdgas spezialisiert. Celgene schließlich ist ein Unternehmen aus dem Bereich der Biotechnologie; sein bekanntestes Medikament Thalidomide wird zur Behandlung von Lepra und Krebs verwendet. Binnen Jahresfrist glaube ich, daß wir wieder einmal Zeugen einer ziemlich guten Performance der Simmering Six und einer verhältnismäßig schwachen Wertentwicklung der Sky-High Six sein werden.

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