02.03.2007 · Zu Aktien gebe es angesichts der robusten konjunkturellen Entwicklung kaum Alternativen, heißt es immer wieder. Eine Analyse zeigt jedoch, dass die Unternehmensgewinne selbst in Wachstumsphasen immer wieder gefallen sind.
Tiefe Zinsen, eine hohe Liquiditätsversorgung und nicht zuletzt auch deutlich steigende Unternehmensgewinne haben in den vergangenen Jahren die internationalen Börsen beflügelt und zu deutlichen Kursgewinnen geführt.
Bis noch vor wenigen Tagen ging die Mehrheit der Marktteilnehmer davon aus, dass sich diese Entwicklung nahtlos fortsetzen werde. Denn auf der einen Seite werde das konjunkturelle Wachstum in den Vereinigten Staaten zwar etwas nachlassen, dafür entwickelten sich die Volkswirtschaften in den restlichen Teilen der Welt relativ robust, so die weit verbreitete Annahme.
Der konjunkturelle Optimismus ist hoch ...
Bei solchen Prognosen blickte man anhaltend optimistisch nach Asien und in die meisten Schwellenländern, sowie etwas überrascht optimistisch nach Europa. Dort haben zumindest die konjunkturellen Zahlen in den vergangenen Monaten viele positiv überrascht, auch wenn die Nachhaltigkeit alleine schon aufgrund der verfehlten Steuerpolitik in Deutschland mit einer gewissen Skepsis betrachten kann.
Insgesamt gingen und gehen die Optimisten davon aus, dass sich eine positive Konjunkturentwicklung auch entsprechend positiv bei den Unternehmensgewinnen bemerkbar machen würde. Das wäre und ist auch notwendig. Denn die Gewinne müssten aufgrund der erreichten Bewertungsniveaus vielfach trotz der im historischen Vergleich extrem hohen Ertragsmargen noch weiter steigern lassen, um weitere Kursgewinne an den Börsen mit Blick auf die Gewinn- und Cashflowentwicklung rechtfertigen.
Allerdings lässt sich der Zusammenhang zwischen einer positiven Gewinnentwicklung und einer robusten Konjunktur bei einer näheren Betrachtung nicht herstellen. Eine Analyse von Ed Easterling von Crestmont Research im amerikanischen Dallas zeigt, dass die konjunkturelle Entwicklung einer Volkswirtschaft viel robuster ist, als jene der Unternehmensgewinne.
... allerdings heißt das wenig für die Gewinnentwicklung der Unternehmen
Der Rückblick auf die vergangenen 57 Jahre zeigt, dass die Gewinne in 17 Jahren oder 30 Prozent der betrachteten Perioden zurückgegangen sind, obwohl das Bruttoinlandprodukt gleichzeitig wuchs. Dieselbe Studie macht deutlich, dass das amerikanische Wirtschaftswachstum trotz der gewaltigen geld- und fiskalpolitischen Anreizen in den vergangenen Jahren unter dem langjährigen Durchschnitt von drei Prozent pro Jahr lag.
Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Erstens müsste sich die amerikanische Konjunktur in den letzten drei Jahren der Dekade überdurchschnittlich dynamisch entwickeln, um auf den langjährigen Durchschnitt zu kommen. Daran dürfte es angesichts der gegenwärtigen Schwächezeichen in Form schwacher Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und der anhaltenden Krise im Immobilienbereich gewisse Zweifel geben.
Zweitens können die Unternehmensgewinne auch dann nach unten laufen, wenn sich die Wirtschaft allgemein „über Wasser“ hält. In diesem Sinne und vor allem auch mit Blick auf die hohen und wahrscheinlich abnehmenden Gewinnmargen dürfte eine gewisse Skepsis gegenüber überzogenen Gewinnerwartungen ratsam sein. Kämen jedoch die Gewinnerwartungen nach unten, würde sich auf diese Weise automatisch auch die Kursphantasie der Aktien beschränken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |